Hängepartie dauert an
Mobilcom fährt mit Vollgas in die Sackgasse

Der Mobilfunkanbieter Mobilcom hat entgegen Erwartungen aus Unternehmenskreisen am Dienstag noch keinen Insolvenzantrag gestellt. Die Rettung des Unternehmens wird angesichts der weiterhin fehlenden Einigung von Hauptaktionär Gerhard Schmid mit der Bundesregierung über eine Treuhänderschaft für seine Aktien aber immer schwieriger.

Reuters HAMBURG. Am Freitag läuft eine von den Banken bereits mehrfach verlängerte Frist zur Begleichung von 4,7 Milliarden Euro UMTS-Krediten aus. Der Kurs der Mobilcom-Aktie sackte wegen der weiter ungewissen Zukunft des Unternehmens ab.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte am Dienstag auf die Frage, ob es ein Einlenken oder ein Ergebnis in den Verhandlungen gebe, dies sei nicht der Fall. Zugleich lehnte Clement erneut die ihm von Schmid angetragene Vermittlerrolle in den Verhandlungen ab und forderte den Mobilcom-Gründer stattdessen zum Kompromiss auf. "Herr Schmid muss sich entscheiden. Die Zeit wird immer enger - viel enger, als sie im Moment ist, kann sie gar nicht mehr werden." Mobilcom kann nur durch ein bereits mit Anteilseigner France Telecom, Lieferanten, Banken und der Bundesregierung ausgehandeltes Finanzpaket in Milliardenumfang vor der Insolvenz gerettet werden, wenn Schmid seine Anteile auf einen Treuhänder überträgt.

Eine Sprecherin des Mobilcom-Gründers sagte zum Verhandlungsstand am Nachmittag, die Gespräche würden zwischen allen Beteiligten in verschiedenen Kombinationen weiter geführt. "Man müht sich weiter", sagte sie. Firmensprecher Matthias Quaritsch sagte, Mobilcom sei am Dienstag noch nicht gezwungen, Insolvenzantrag zu stellen. Er machte weiterhin keine Angaben dazu, wie lange die Liquidität noch ausreicht. Das Eintreten der Zahlungsunfähigkeit war bereits in der vergangenen Woche erwartet worden, doch konnte Mobilcom einen Insolvenzantrag bisher vermeiden. Als Grund dafür nannte Quaritsch erneut sparsames Wirtschaften. Unumstritten ist aber, dass Mobilcom das Geld langsam ausgeht. Die Büdelsdorfer Firma zehrt nach wie vor von einer ihr im September von der Bundesregierung vermittelten Soforthilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 50 Millionen Euro, benötigt aber dringend neue Liquiditätszufuhr.

Börsianer erklärten das Absacken der Mobilcom-Aktie am Dienstag mit der zunehmenden Angst vieler Anleger vor einer Insolvenz. Bislang hätten die Investoren darauf spekuliert, dass die Mobilcom-Rettung zu Stande komme. Diese Hoffnung schwinde inzwischen allerdings, sagte Klaus Baumann von SES Research in Hamburg. Die Frage sei nun, ob beim Eintreten der Insolvenz die bereits ausgehandelte Gesamtlösung für Mobilcom in Gefahr gerate. Die am Neuen Markt notierte Mobilcom-Aktie verlor über acht Prozent auf 3,81 Euro.

Im Rahmen der milliardenschweren Rettungsaktion soll Mobilcom durch France Telecom weitgehend entschuldet werden und von mehreren Banken einen Überbrückungskredit von 162 Millionen Euro erhalten, um sein Kerngeschäft im Festnetz zu sanieren sowie den Stellenabbau zu finanzieren. Über die Übernahme von rund sieben Milliarden UMTS-Schulden hinaus ist France Telecom dem von der Bundesregierung als Vermittler eingesetzten ehemaligen Thyssen-Chef Dieter Vogel zufolge bereit, die Kosten für das Einfrieren der UMTS-Aktivitäten zu übernehmen. Diese Kosten werden auf 200 bis 300 Millionen Euro geschätzt.

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