Härteres Vorgehen gegen Plünderer
Der Irak-Krieg geht in die Schlussphase

US-Truppen marschierten am Sonntag in Tikrit ein, der Heimatstadt des entmachteten und untergetauchten irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Alle anderen wichtigen irakischen Städte waren schon zuvor in der Hand der alliierten Truppen. Amerikaner und Briten versuchen inzwischen weiter, das Chaos und die Anarchie in den Städten in den Griff zu bekommen. Von diesem Montag an sollen US-Soldaten in Bagdad gemeinsam mit reaktivierten irakischen Polizisten Streife gehen. Das Schicksal von Saddam Hussein ist nach wie vor unklar. Sein Berater Amir el Saadi stellte sich als erster der 55 von den USA meistgesuchten irakischen Führungskräften am Samstag dem US-Militär.

HB/dpa BAGDAD. Amerikanische Bodentruppen waren am Sonntag von Norden und Süden in Richtung Tikrit vorgerückt. US-Militärsprecher sagten in Katar, die Soldaten seien nur auf geringen Widerstand gestoßen. Auf die Frage, ob die letzte Hochburg Saddam Husseins unter alliierter Kontrolle sei, antwortete General Vincent Brooks: "Ich kann das noch nicht sagen, aber wir verzeichnen Erfolge, und wir bekommen Unterstützung aus der Bevölkerung." Militärsprecher Hauptmann Frank Thorp sagte, die einrückenden US-Soldaten hätten nur verlassenes Militärgerät gefunden. In den vergangenen Tagen hatte die US- Luftwaffe immer wieder militärische Ziele im Raum Tikrit bombardiert.

Auf ihrem Marsch nach Tikrit fanden US-Marineinfanteristen sieben im Irak vermisste oder gefangene US-Soldaten lebend, wie das US- Verteidigungsministerium in Washington bestätigte.

US-Präsident George W. Bush und sein Außenminister Colin Powell warnten unterdessen Syrien davor, geflohenen Angehörigen des irakischen Regimes Zuflucht zu gewähren. Einer der drei Halbbrüder Saddams, Watban Ibrahim el Hassan el Tikriti, soll am Sonntag bei dem Versuch, dorthin zu fliehen, nordwestlich von Mosul festgenommen worden sein, wie der arabische TV-Sender El Dschasira berichtete. Er war zuletzt Präsidenten-Berater. Saddams Halbbruder Barsan el Tikriti, der in Ungnade gefallen war, soll einige Tage zuvor bei einem US-Angriff getötet worden sein. Die USA zählen beide zu den meistgesuchten 55 irakischen Spitzenvertretern.

Am Samstag stellte sich der frühere Präsidentenberater El Saadi den Amerikanern in Bagdad. El Saadi gilt als einer der wichtigsten irakischen Rüstungsexperten und stand ebenfalls auf der US-Liste der meistgesuchten Iraker. Die meisten der anderen Gefolgsleute Saddams sind nach Einschätzung des US-Militärs aus dem Irak geflüchtet.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad will das US-Militär jetzt entschieden gegen die anhaltenden Plünderungen vorgehen. Von diesem Montag an sollen nach Angaben von US-Presseoffizier David Cooper US- Soldaten und irakische Polizisten gemeinsam patrouillieren. Man hoffe, dass bald bis zu 3000 Beamte wieder im Dienst seien. Die USA wollen aber nur Verkehrs- oder Kriminalpolizisten akzeptieren, nicht frühere Mitarbeiter der Geheimdienste oder von Saddams Sondertruppen.

Das US-Zentralkommando betonte, die Armee tue ihr Möglichstes, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Das Militär könne aber nicht überall präsent sein. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon will auch Mitglieder von Saddams Baath-Partei an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung im Irak beteiligen. Inzwischen gehen auch bewaffnete Bürgerwehren gegen Plünderer vor.

Im Land mangelt es an Wasser, Medikamenten und Lebensmitteln. Die meisten Krankenhäuser in Bagdad sind nach Informationen des Roten Kreuzes nach Plünderungen weiterhin geschlossen. Hilfsorganisationen appellierten eindringlich an die alliierten Truppen, für einen sicheren Zugang der Helfer zu sorgen und gegen Plünderungen vorzugehen. Die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) verlangte nach Plünderungen im Irakischen Nationalmuseum in Bagdad schnelle Schutzmaßnahmen für Kulturgüter.

Im Nordirak verstärkten die US-Streitkräfte unterdessen ihre Präsenz. Am Samstag erreichten nach BBC-Berichten weitere US-Soldaten die Stadt Mosul. Auch die Truppen in Kirkuk würden verstärkt, hieß es. Kurdische Milizen sollen auf Druck der USA und der Türkei die Stadt großenteils wieder verlassen haben.

Die irakische Bevölkerung wird nach den Worten von Bush bald frei über politische Führer entscheiden können, die ihre Rechte respektieren. "Der Albtraum von Saddam Husseins Herrschaft im Irak geht zu Ende", sagte Bush in seiner wöchentlichen Radioansprache. Das erste Treffen zur Bildung einer Übergangsregierung im Irak ist an diesem Dienstag im südirakischen Nasirija geplant.

Unterdessen berieten Finanz- und Entwicklungsminister aus aller Welt am Sonntag in Washington über den Wiederaufbau des Iraks. Russland, Deutschland und Frankreich hatten am Samstag zum Abschluss ihres Gipfeltreffens in St. Petersburg eine Führungsrolle für die Vereinten Nationen bei der Nachkriegsverwaltung des Iraks gefordert.

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