Hässliche Bemerkungen im US-Wahlkampf
Hillary sagt „Sorry!“

Im Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der demokratischen Partei gehen Hillary Clinton und Barack Obama nicht gerade mit Samthandschuhen miteinander um. Nach dem Sieg des Senators von Illinois in Mississippi und einem erneuten öffentlichen Räsonieren im Clinton-Lager über Obamas Hautfarbe hat nun aber Clinton die Reißleine gezogen: Sie hat sich öffentlich entschuldigt, vor allem bei schwarzen Wählern. Was zuvor vorgefallen war, war nicht der erste Schlag unter die Gürtellinie im US-Vorwahlkampf, dafür aber der hässlichste. Beobachter sehen die Entwicklung mit Sorge.

HB WASHINGTON. Clinton reagierte damit auf den Rücktritt ihrer prominenten Unterstützerin Geraldine Ferraro, die wegen ihrer Äußerung in die Schusslinie öffentlicher Kritik kam, die Schwarzen wählten Obama nur wegen seiner Hautfarbe. „Ich lehne das sicherlich ab und ich bedauere zutiefst, dass es gesagt wurde. Sie spricht nicht für meinen Wahlkampf, nicht für eine meiner Positionen, und sie ist aus meinem sehr großen Finanzkomitee zurückgetreten“, erklärte Clinton.

Barack Obama, der junge Charismatiker, der derzeit Millionen Amerikaner begeistert, hätte niemals einen solchen Aufstieg erlebt, „wenn er ein Weißer wäre“, hatte Ferraro erklärt. Obama hatte ihre Äußerung als „lächerlich“ zurückgewiesen. In der Tat war am Anfang der Kampagne aus dem Clinton-Lager gestreut worden, ein Schwarzer könne nicht die Präsidentenwahl gewinnen. Nach seiner Siegesserie gegen Clinton heißt es nun, er gewinne nur mit Unterstützung der Schwarzen.

Die Aussagen sind umso bemerkenswerter, da sie nicht aus dem Mund irgendeiner x-beliebigen Helferin kamen, sondern von der prominenten Ex-Kongressabgeordneten, die 1984 für die Demokraten die erste weibliche Vizepräsidentenkandidatin in den USA war. Noch nie hatten es Wahlhelfer aus dem Lager von Hillary Clinton gewagt, die Frage der Hautfarbe derart ungeschminkt anzusprechen. Voller Sorge kommentiert die „New York Times“ am Donnerstag: „Bei den Demokraten kommt die Rassenfrage wieder hoch.“

Noch bemerkenswerter ist, dass Ferraro, ungeachtet ihres Rücktritts, eine Entschuldigung partout verweigert. „Dass war keine rassistische Bemerkung, dass war eine Beschreibung der Fakten“, beharrt sie. Kommentatoren im US-Fernsehen verweisen zudem darauf, dass die Reaktion Clintons bemerkenswert lange ausblieb und dann eher wachsweich ausfiel. Die Frage geht um, ob nicht doch System hinter dem Angriff steht? „Race doesn't matter“ (Rasse spielt keine Rolle) hatten die Anhänger Obamas noch vor ein paar Wochen bei seinen Kundgebungen gerufen - so ganz stimmt das offenbar nicht mehr.

So verweist die „New York Times„ auf Wähleranalysen, wonach Clinton bei der jüngsten Vorwahl im Südstaat Mississippi lediglich neun Prozent der schwarzen Stimmen für sich verbuchen konnte. Obama wiederum konnte lediglich 26 Prozent der weißen Stimmen erzielen. Die alte Kluft tue sich wieder auf. „Die Frage der Rasse beginnt wieder einmal einen Schatten auf den Kampf der Beiden zu werfen“, urteilt das Blatt.

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