Häufung ausländerfeindlicher Anschläge gefährdet Innere Sicherheit
Generalbundesanwalt ermittelt wegen Mordes in Dessau

Vier Tage nach der Ermordung eines 39 Jahre alten Mosambikaners in Sachsen-Anhalt hat jetzt Generalbundesanwalt Kay Nehm in Karlsruhe die Ermittlungen übernommen.

dpa KARLSRUHE/DESSAU. Wie die Bundesanwaltschaft am Freitag mittteilte, wird gegen einen 24-Jährigen sowie gegen zwei Jugendliche im Alter von 16 Jahren, die der rechtsextremen Szene angehörten, wegen Mordverdachts ermittelt. Vor dem Hintergrund der Häufung ausländerfeindlicher Anschläge seien die Taten geeignet, die innere Sicherheit zu beeinträchtigen. Die Tatverdächtigen, die aus Wolfen (Landkreis Bitterfeld) und Bad Liebenwerda stammen, sitzen in Untersuchungshaft.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zogen die drei Beschuldigten in der Nacht zum 11. Juni singend und grölend durch die Dessauer Innenstadt, wobei sie Parolen wie "hier marschiert der nationale Widerstand" riefen. Gegen 01.50 Uhr seien sie dem 39- jährigen Mosambikaner begegnet, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Aus Fremdenhass hätten sie ihn zunächst angepöbelt, dann mit Fäusten zu Boden geschlagen und mit den Füßen getreten. Einer der Täter soll dabei gerufen haben "was willst Du hier in Deutschland?". Nachdem das Opfer das Bewusstsein verloren hatte, entkleideten die Angreifer den Mann. Der Afrikaner starb drei Tage später. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

Gewalttaten erzeugen unter Ausländern ein Klima der Angst

Wie schon nach dem versuchten Mord an zwei Vietnamesen im August 1999 in Eggesin (Mecklenburg-Vorpommern) und zuletzt nach einem Brandanschlag auf die Erfurter Synagoge hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich gezogen. Begründet wird dies unter anderem damit, dass die Täter mit ihren Übergriffen Nachahmungstaten provozieren wollen. Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft erzeugen die Gewalttaten unter den Ausländern ein Klima der Angst und Einschüchterung und lassen bei ihnen den Eindruck entstehen, sie könnten in Deutschland nicht sicher leben. Mit den Ermittlungen wurde das Bundeskriminalamt beauftragt, das in Abstimmung mit der Polizei in Sachsen-Anhalt vorgeht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%