Haffa gibt Fehler zu
EM.TV-Chef schließt Rücktritt nicht aus

Nach dem rasanten Börsenabsturz von EM.TV schließt dessen Gründer Thomas Haffa seinen Rücktritt vom Amt des Vorstandschefs nicht mehr aus. In einem "Spiegel"-Interview sagte Haffa, falls es nicht gelinge, das Vertrauen von Analysten und Investoren zu gewinnen, "werde ich wohl über die Konsequenzen nachdenken müssen".

ap HAMBURG. Haffa räumte mehrfach ein, dass beim einstigen Börsenstar EM.TV Fehler gemacht wurden. Auf die Frage, ob die Finanzbuchhaltung schlampig geführt worden sei, sagte er: "Nein, schlampig ist der falsche Ausdruck. Wir haben die Faktoren der Bilanzierung nicht tief genug betrachtet."

Schönfärberei sei bei EM.TV nicht betrieben worden, sagte Haffa. "Wir haben Riesengelegenheiten gehabt und haben sie in einem sehr euphorischen Umfeld genutzt." EM.TV habe dadurch ungeheure Werte bekommen, die nachhaltig seien. Allerdings wolle er auch nicht ausschließen, dass "wir in der Euphorie vielleicht ein bisschen zu viel bezahlt haben".

Es sei falsch anzunehmen, dass EM.TV nun zum Sanierungsfall geworden sei. "Aber wir müssen das Unternehmen restrukturieren." Das beziehe sich auf die Kosten, betreffe primär aber die Leistungsseite. "Wir müssen uns wieder auf unsere alten Stärken und Tugenden konzentrieren und einfach Geschäft machen. Es sind einige Sachen in der Pipeline."

Der Geschäftsführer der jüngst bei EM.TV eingestiegenen Kirch-Gruppe, Dieter Hahn, sagte in der "Welt am Sonntag" über das angeschlagene Haffa-Unternehmen, vielleicht sei es auch ganz gut "wenn man mal weniger an den Börsenkurs und mehr an das Geschäft" gedacht werde. Er betonte aber auch, die Kirch-Gruppe habe Vertrauen in das EM.TV-Management, "das in seinem Kerngeschäft jetzt erfolgreich arbeiten wird".

Haffa bestätigt Aktienpaket-Verkauf Anfang 2000

Haffa bestätigte im "Spiegel", dass er in den vergangenen Jahren EM.TV-Aktien verkauft habe. "Richtig ist auch, dass ich in den ersten zwei Monaten dieses Jahres ein kleines Paket von 200 000 Stück an einen strategischen, institutionellen Investor verkauft habe." Damals sei aber von einer negativen Entwicklung der Aktie nichts zu ahnen gewesen.

Der EM.TV-Chef bestätigte außerdem Überlegungen, dass die Firma Merchandising München aus der Pro-Sieben/Sat.1 Media AG der Kirch-Gruppe herausgelöst und in EM.TV verschmolzen werden könnte. "Das würde ich als attraktiv empfinden. Vereinbart ist aber noch nichts", sagte Haffa.

30 MiIl. $ Extra-Provision für Bernie Ecclestone

Auch dass beim Kauf von 50 % der Formel 1 durch EM.TV dem Rennsport-Chef Bernie Ecclestone persönlich eine Extra-Provision von 30 Mill. $ gezahlt wurden, bestätigte Haffa. "Wir hatten keine Wahl und mussten auch mit dem Trust der Ecclestone-Familie verhandeln. Natürlich kann man jetzt diskutieren, ob das zu teuer bezahlt war. Aber strategisch war der Kauf richtig."

Vergangenen Montag war die Beteiligung der Kirch-Gruppe offiziell bekannt gegeben worden. Danach bekommt Kirch rund 16,7 % der EM.TV-Aktien sowie eine Sperrminorität von 25 % der Stimmrechte. Außerdem erhält die Kirch-Gruppe knapp ein Viertel der gesamten Formel-Eins-Rechte. Weitere 25,5 % behält EM.TV, 50 % gehören Ecclestone. Dafür zahlt Kirch 550 Mill. $ an EM.TV und überlässt dem Partner die zweite Hälfte der Kinderfilm-Bibliothek Junior.

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