Haffa gilt als Übergangslösung
EM.TV-Aktie fällt auf Allzeittief

Trotz der Allianz mit Kirch hält der dramatische Kurssturz des einstigen Börsenlieblings EM.TV an. Das Papier des Münchner Medienunternehmens fiel bereits um 27,32 Prozent auf 7,45 Euro. Der aktuelle EM.TV-Kurs Analystenprognosen

HB MÜNCHEN. Mit einer milliardenschweren Finanzspritze hilft die Münchener Kirch-Gruppe dem schwer angeschlagenen Filmrechtehändler EM.TV AG aus der Bredouille. Nach Angaben beider Unternehmen erhält Kirch knapp 17 % der am Neuen Markt gelisteten EM.TV-Aktien sowie 50 % der Rechte, die EM.TV an der Vermarktung der Formel 1 besitzt. Zudem sicherte sich Kirch 25,1 % der EM.TV-Stimmrechte. Dafür zahlt Kirch 550 Mill. $.

EM.TV 3-Monatsverlauf

Nach Bekanntgabe der Allianz und weiterer schlechter Unternehmensdaten brach der Kurs der seit Tagen taumelnden EM.TV-Aktie regelrecht zusammen und verlor zwischenzeitlich mehr als 40 %. Händler sprachen von einem "Schlachtfest ohne Ende". Der Sturz des einstigen Vorzeigeunternehmens zog den gesamten Neuen Markt in den Keller: Am frühen Abend notierte der Nemax-50-Index für die wichtigsten Werte des Wachstumssegments mit einem Minus von 8,3 %.



Aktionäre wollen rechtliche Schritte gegen EM.TV prüfen

Aktionärsschützer kündigten daraufhin an, sie prüften rechtliche Schritte gegen EM.TV. Der Fall des Rechtehändlers sei "krass und sehr überprüfenswert", sagte Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Der erst kürzlich ernannte Finanzvorstand Rolf Rickmeyer hatte zuvor erklärt, die Abschreibungen sämtlicher Beteiligungen seien mit 260 bis 300 Millionen Mark gut doppelt so hoch wie bisher von Analysten erwartet. Rickmeyer musste damit seinen Vorstandschef Thomas Haffa korrigieren: Statt 1,3 Mrd. DM betrügen die Verbindlichkeiten 2,2 Mrd. Bereits am Freitag hatte das Unternehmen einräumen müssen, dass der Jahresgewinn aus dem operativen Geschäft statt der prognostizierten 600 nur 50 Mill. DM betragen werde. Damit musste EM.TV an zwei aufeinander folgenden Tagen Umsätze unter den Erwartungen, rote Zahlen beim Ergebnis und eine weit höhere Gesamtverschuldung als vermutet einräumen.

Selbst für die WestLB, die EM.TV im Oktober 1997 an die Börse begleitet hatte, sind das verheerende Zahlen: "Mit einem Verlust in dem Maße hat keiner gerechnet", räumte Annelie Hoppe von der Investmentsparte WestLB Panmure ein.

Der Münchener Rechtsanwalt Klaus Rotter prüft im Auftrag von 15 Aktionären eine Klage gegen EM.TV wegen vorsätzlicher Täuschung. Möglicherweise habe der Vorstand im Oktober wider besseres Wissen zu positive Zahlen präsentiert. Thomas Haffa widersprach auf einer Pressekonferenz: "Ich habe mir keine Vorwürfe zu machen."



Haffa gilt als Übergangslösung

Mit dieser Selbsteinschätzung soll Haffa im Kirch-Vorstand für erhebliche Verärgerung gesorgt haben. Nach Informationen des Handelsblatts gilt Firmengründer Haffa im Hause Kirch seither nur noch als eine Übergangslösung.

Bei EM.TV herrschten chaotische Verhältnisse, hieß es. Analysten teilen diese Einschätzung: "Seit Monaten folgt eine Ankündigung der anderen, doch von den Projekten war dann nichts mehr zu hören", sagte Matthias Frasch von der GZ Bank. Haffa habe sich mit seiner Auslandsstrategie einfach übernommen. Dennoch bleibt Thomas Haffa mit einem Anteil von 36 % künftig größter Aktionär.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%