Haffa räumt Fehler ein
Klatten will EM.TV neu ausrichten

Nach dem Rücktritt von EM.TV-Vorstandschef Thomas Haffa will der künftige Großaktionär und Vorstandsvorsitzende Werner Klatten das angeschlagene Medienunternehmen neu ausrichten. Jede Beteiligung von EM.TV werde auf Verkauf oder Halten hin geprüft, sagte Klatten am Mittwoch in München.

ddp-vwd/rtr/dpa MÜNCHEN. "Es geht darum, Beteiligungen nicht nur wie einen Blumenstrauß zu halten", betonte Klatten, der spätestens zum 1. Januar 2002 auf dem Chefsessel des angeschlagenen Medienunternehmens Platz nehmen wird. Nachdem eine ausreichende Liquiditätsdecke geschaffen sei, würden dem Unternehmen neue Wachstumsimpulse gegeben. Dabei denke er zum einen an den Ausbau einer europäischen Distributionsplattform, um die Rechte von EM.TV bestmöglich auszuschöpfen. Zum anderen seien Käufe von anderen unterbewerteten Medienunternehmen geplant. Denkbar seien konkret zwei von ihm nicht weiter benannte am Neuen Markt notierte Titel.

Klatten sagte weiter, EM.TV verfüge über werthaltige Assets, "die mich sicher machen, nach entsprechender Restrukturierungsarbeit über eine solide Unternehmensplattform zu verfügen". Die eingeleitete Konsolidierung solle fortgeführt werden, kündigte Klatten an. "Dazu gehört, dass wir überprüfen müssen, wie wir das gegenwärtige Portfolio und das operative Geschäft optimieren können. Sowohl die Kapitalgeber als auch alle anderen Beteiligten haben uns ihre volle Unterstützung zugesagt." Das gelte auch für die Kirch-Gruppe, auch wenn deren Einstieg mit 16,7 Prozent bei EM.TV in der geplanten Form mit kartellrechtlichen Mitteln blockiert worden sei. Klatten gehe davon aus, dass Kirch in Zukunft Aktionär bei EM.TV sein werde, möglicherweise aber mit einem geringeren Anteil.

Haffa räumt Fehler ein

Der EM.TV-Aufsichtsratschef und frühere DG-Bank-Chef Bernd Thiemann erklärte: "Thomas Haffa hat in den letzten acht Monaten für das Unternehmen und seine Aktionäre wesentliche Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet und umgesetzt." Dazu sagte Haffa, durch den Verkauf von Aktien an der amerikanischen Crown Media für 103 Millionen Dollar würden die Bankverbindlichkeiten des Unternehmens, die im Januar noch rund 1,5 Milliarden DM betragen hätten, gänzlich getilgt. Noch am Dienstagabend seien mit Hallmark und Crown Media die entsprechenden Verträge unterschrieben worden.

Haffa wehrte sich zugleich gegen Vorwürfe, vorsätzliches Handeln habe zu den Verlusten des Unternehmens im vergangenen Geschäftsjahr geführt. Allerdings seien Vertrauen zerstört und Aktionären Verluste bereitet worden, räumte er ein. EM.TV habe im November 2000 noch an den ursprünglichen Prognosen festgehalten, weil man auf eine ergebniswirksame Verbuchung von verschiedenen Projekten gesetzt habe. Dies sei dann jedoch entgegen allen Erwartungen nicht möglich gewesen.

Klatten hält Unabhängigkeit von EM.TV für existenziell

Klatten fügte hinzu, er werde das Unternehmen unabhängig führen. Die Kirch-Gruppe habe ihre Pläne, über eine Beteiligung Einfluss auf EM.TV auszuüben, aus kartellrechtlichen Problemen aufgegeben. Die Kirch-Gruppe wird seinen Angaben zufolge dennoch eine Beteiligung von 10 bis 15 Prozent anstreben. Dies werde über eine fünfprozentige Kapitalerhöhung möglich sein. "Die Unabhängigkeit von EM.TV halte ich für existenziell", sagte Klatten. Den Vereinbarungen zufolge wird die von Klatten gehaltene WKB Beteiligungsgesellschaft mbH mit Wirkung zum 2. Januar 2002 exakt 36 164 360 Aktien von Thomas Haffa erwerben. In Verhandlungskreisen hatte es am Dienstag geheißen, Klatten wolle über 100 Millionen Euro an Haffa zahlen, deutlich mehr als der Kurs am Neuen Markt, nach dem die Sperrminorität am Dienstag rund 73 Millionen Euro wert gewesen wäre. Klatten wird damit künftig einen Anteil von 25,1 Prozent des derzeitigen Grundkapitals halten, Thomas Haffa 16,4 Prozent, die Haffa-Familie noch einmal 1,7 Prozent.

Klatten kündigte weiter an, dass EM.TV seine Zahlen für das erste Quartal noch vor der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch veröffentlichen will. Bei der Hauptversammlung werde Thomas Haffa nicht mehr zugegen sein. EM.TV wollte eigentlich seine Ergebnisse bis zum 31. Mai der Deutschen Börse vorlegen. Das Unternehmen hatte die Vorlage der Zahlen aber immer wieder verschoben. Der Konzern begründete dies mit Problemen bei der Bewertung des gemeinsam mit der KirchGruppe gehaltenen 75%-Anteils an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft SLEC. Bei der Hauptversammlung wolle Werner Klatten seine neue Strategie für EM.TV vorstellen.

Wie EM.TV mitteilte, benötigt Klatten für seinen vorzeitigen Austritt beim "Spiegel-Verlag" die Zustimmung der dortigen Gremien. Klatten war 1994 als Mitglied der Geschäftsleitung zum Spiegel gegangen. Er hatte zusätzlich die Geschäftsführung von Spiegel TV übernommen und war im September 2000 Vorstandschef der Spiegelnet AG geworden. Zuvor war er Vorsitzender der Geschäftsführung des Kirch-Fernsehsenders Sat.1 gewesen. Haffa hat den Angaben zufolge den Aufsichtsrat gebeten, ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden. Er werde künftig weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat von EM.TV eine Funktion ausüben, hieß es.

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