Haider von Schlappe "getroffen"
FPÖ stellt Weichen in Richtung Regierungsbeteiligung

Seine Partei sei zu Koalitionsverhandlungen mit allen Parteien bereit, sagte der amtierende FPÖ-Chef Sozialminister Herbert Haupt am Abend.

Reuters WIEN. Eine Koalition mit den Sozialdemokraten (SPÖ) oder den Grünen gilt jedoch als unwahrscheinlich, weil diese Parteien ein Bündnis mit der FPÖ bislang ablehnten. Damit bliebe der Freiheitlichen Partei (FPÖ) erneut nur die konservative Volkspartei (ÖVP) als möglicher Partner.

Die FPÖ erlitt bei der Wahl eine empfindliche Niederlage. Die Partei führte am Montag im Parlament in Wien rund sechs Stunden lang Beratungen hinter geschlossenen Türen. Zur Krisensitzung, bei der über den Weg in die Regierung oder die Opposition diskutiert wurde, war auch der frühere FPÖ-Chef Jörg Haider gekommen.

Als Reaktion auf die Wahlschlappe kündigte Haider an, der Landespartei in Kärnten am Abend seinen Rücktritt als Landeshauptmann (Ministerpräsident) des südlichen Bundeslandes anzubieten.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gratulierte den österreichischen Konservativen zu ihrem Sieg und betonte, es sei ihm an einer engen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern gelegen.

Die ÖVP von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gewann bei der Wahl am Sonntag genug Stimmen hinzu, um die Verluste des bisherigen Partners FPÖ aufzufangen. Eine Neuauflage der Mitte-rechts-Regierung aus ÖVP und FPÖ hätte im Parlament eine Mehrheit. Es sehe danach aus, dass die ÖVP die Fortsetzung des Bündnisses mit der FPÖ anstrebe, sagte die Politikwissenschaftlerin Melanie Sully.

Möglich wäre auch eine große Koalition von ÖVP und SPÖ - allerdings diesmal unter der Führung der ÖVP. Schüssel machte die Konservativen erstmals seit 36 Jahren wieder zur stärksten Partei.

Während die ÖVP rund 15 %punkte zulegte und mehr als 42 % der Stimmen erreichte, stürzte die FPÖ auf rund 10 Prozent ab. Mit Einbußen von fast 17 %punkten verlor sie im Vergleich zur Parlamentswahl 1999 zwei Drittel ihrer Stimmen.

Haider zeigt sich von Schlappe getroffen

Weil die FPÖ auch in dem von ihm regierten Bundesland Kärnten in der Wählergunst abgesackt war, drohte Haider der FPÖ einmal mehr mit seinem Rückzug. Er sei von den Verlusten schwer getroffen, sagte er Radio Kärnten in einem Interview. "Mein Bedarf an Politik ist gedeckt", fügte er hinzu. Die Kärntner FPÖ teilte jedoch mit, sie sei entschieden gegen Haiders Rückzug. Haupt zeigte sich zuversichtlich, dass Haider Kärntner Regierungschef bleibe.

Die hohen Verluste könnten die FPÖ aus der Sicht der ÖVP zu einem attraktiven Partner machen. "Der FPÖ bliebe kaum was übrig, als hinter der ÖVP herzutrotten", sagte Sully, die an der Diplomatischen Akademie in Wien lehrt.

SPÖ und Grüne bleiben in der Opposition

SPÖ und Grüne kündigten nach Beratungen in ihren Parteigremien an, in der Opposition zu bleiben. Die SPÖ machte im Vergleich zu 1999 rund 3,7 %punkte gut, blieb mit knapp unter 37 % jedoch deutlich hinter der ÖVP. Die Grünen verbesserten ihr Ergebnis leicht auf rund neun Prozent der Stimmen.

Die österreichischen Wähler ziehen nach wie vor eine Große Koalition allen anderen Konstellationen vor: Sie wurde in Umfragen auch vor dieser Wahl als beliebteste Koalitionsform genannt. Sie werde von den Österreichern geschätzt, weil sie für Stabilität stehe, sagen Meinungsforscher. Seit 1945 regierten große Koalitionen insgesamt drei Jahrzehnte lang das Land.

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