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Haiti feiert trotz 0:6 gegen Brasilien

Mit dem Gastspiel des fünffachen Fußball-Weltmeisters Brasilien ist für viele Menschen in Haiti ein Traum in Erfüllung gegangen.

dpa PORT-AU-PRINCE. Mit dem Gastspiel des fünffachen Fußball-Weltmeisters Brasilien ist für viele Menschen in Haiti ein Traum in Erfüllung gegangen.

Zwar verlor die Vertretung der bitterarmen Karibikrepublik in Port-au-Prince die als "Spiel für den Frieden" angesetzte Begegnung mit 0:6 (0:3) gegen die Südamerikaner. Der Euphorie der 15 000 Zuschauer um die Ballzauberer vom Zuckerhut tat dies kein Abbruch.

Kaum irgendwo auf der Welt ist die Begeisterung für den Weltmeister so grenzenlos wie in Haiti. Auf den bunt bemalten "Tap-Tap"-Kleinbussen prangt Ronaldos Bild zwischen dem von Jesus Christus und der Jungfrau Maria. Bei Weltmeisterschaften werden alle elektrischen Geräte außer dem Fernseher ausgeschaltet, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht. Doch kaum ein Fan hätte es sich bis vor kurzem vorstellen können, dass seine Idole einmal nach Haiti kämen.

Möglich gemacht hatte den für Haiti historischen Auftritt im Stadion Sylvio Cator von Port-au-Prince die Politik. Ende Februar war im ärmsten Land des amerikanischen Kontinentes nach blutigen Protesten Präsident Jean Bertrand Aristide gestürzt worden. Ausländische Truppen, zunächst aus den USA, Frankreich und Kanada, landeten, um die Ordnung wiederherzustellen. Ihnen folgte im Juni eine UN-Truppe, in der Brasilien mit 1200 Soldaten das größte Kontingent stellt. Sie wird von dem brasilianischen General Heleno Ribeiro befehligt. Anders als die US-Amerikaner im März wurden die brasilianischen Soldaten begeistert aufgenommen in Haiti.

Ende Juni kam bei einem Essen des brasilianischen Botschafters mit Haitis Premierminister Gérard Latortue die Idee auf, nach den Soldaten auch die brasilianischen Kicker ins Land zu holen, wenigstens für einen Tag. Ursprünglich sollten die Eintrittskarten im Tausch gegen Waffen ausgegeben werden, die noch in großer Zahl im Lande zirkulieren. Davon nahm man jedoch Abstand, denn man wollte nicht diejenigen Haitianer belohnen, die illegal Waffen horteten. Am Dienstag bildeten sich dann riesige Schlangen beim regulären Verkauf der Tickets.

Dass das Spiel gegen die Gäste nach Toren von Ronaldinho (3), Roger (2) und Nilmar (1) verloren ging, konnte die Stimmung nicht trüben. Die Fans auf den Rängen feierten Ronaldinho, als er ganz weltmeisterlich fünf Gegenspieler ausspielte und zum 2:0 einschoss. "Die Brasilianer haben wirklich den Haitianern das Lachen zurückgegeben", beschrieb die in Port-au-Prince lebende deutsche Geschäftsfrau Anne-Rose Schön die Stimmung in der Stadt. Die in Haiti lebenden Brasilianer staunen nur noch über die Liebe, die ihnen entgegengebracht wird. "Die Haitianer sind noch größere Brasilien- Fans als wir selbst", sagte einer von ihnen der Presse.

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