Halbbruder von Saddam gefasst: US-Truppen nehmen Tikrit ein

Halbbruder von Saddam gefasst
US-Truppen nehmen Tikrit ein

US-Marineinfanteristen haben am Montag nach einem Bericht des Nachrichtensenders El Dschasira das Zentrum der Heimatstadt des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Tikrit, eingenommen. Der Verbleib Saddams blieb zunächst weiter unklar.

HB/dpa/rtr TIRKRIT/BAGDAD. "Tikrit ist völlig unter US-Kontrolle", berichtete ein Reporter des Senders. Mit Vertretern der örtlichen Clans werde über die Verwaltung der Stadt verhandelt. Tikrit war die letzte größere irakische Stadt, die sich noch nicht unter Kontrolle der US-geführten Invasionstruppen befand. US-Präsident George W. Bush warnte Syrien unterdessen erneut davor, Mitgliedern der entmachteten irakischen Führung Zuflucht zu gewähren. Nach Angaben aus US-Militärkreisen nahmen US-Soldaten den Halbbruder Saddams, Watban Ibrahim Hasan el Tikriti, fest.

Live-Bilder El Dschasiras zeigten, wie US-Soldaten durch Tikrit patrouillierten und US-Panzer Positionen bezogen. Zuvor hatten US-Angaben zufolge Soldaten des Ersten US-Expeditionskorps Einheiten der irakischen Elitetruppen der Republikanischen Garden am südlichen Stadtrand angegriffen, wobei mindestens 15 irakische Infanteristen getötet und mehrere Panzer zerstört wurden.

Einwohner der rund 175 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt berichteten El Dschasira, die in Tikrit stationierten Einheiten der Republikanischen Garde hätten die Stadt bereits fünf Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner verlassen. Wohin die Kämpfer und die politische Führung verschwunden sind, konnte niemand sagen. Laut BBC leisten in Tikrit nur noch irreguläre irakische Einheiten und arabische Freiwillige aus dem Ausland Widerstand.

Feuergefecht zwischen US-Marines und Heckenschützen

In Badgad kam es in der Nacht in der Nähe des Hotels "Palestine", zu einem kurzen Feuergefecht zwischen US-Soldaten und Heckenschützen. In dem Hotel sind die meisten ausländischen Journalisten untergebracht. In amerikanischen TV-Sendern war zu sehen, wie US-Marineinfanteristen drei Männer in Zivil abführten. US-Truppen bemühten sich mit Hilfe von Irakern die Strom- und Wasserversorgung in Bagdad wiederherzustellen und die Plünderungen zu stoppen.

Aus US-Kreisen verlautete am Sonntag, der frühere irakische Innenminister und Halbbruder Saddams, Watban Ibrahim Hasan El Tikriti, sei bereits vor einigen Tagen nahe der irakischen Grenze zu Syrien gefasst und dem US-Militär überstellt worden. Watban steht auf einer US-Liste der 55 meistgesuchten Mitglieder der früheren Führung des Irak. US-Informationen zufolge zählt er aber nicht zu Saddams engsten Vertrauten, weil dieser Watbans Loyalität angezweifelt habe. Die USA erhofften sich von Watban Informationen über Saddams Familie und darüber, wohin der Präsident und seine Angehörigen geflohen sein könnten. Der Verbleib Saddams blieb weiter unklar. Nach Informationen des arabischen TV-Senders El Arabija soll sich inzwischen auch der irakische Atomexperte Dschafer el Dschafer den US-Truppen gestellt haben.

Bush und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld forderten Syrien nachdrücklich auf, mit den USA zusammenzuarbeiten und der irakischen Führung nicht Unterschlupf zu gewähren. Bush sagte in Washington zudem, die USA vermuteten Chemiewaffen in Syrien. Auf die Frage von Journalisten, ob die US-Vorwürfe gegen Syrien zu einem Krieg führen könnten, sagte Bush: "Wir sind nun hier im Irak. Und als zweiten Punkt erwarten wir Zusammenarbeit von Syrien. Und ich bin zuversichtlich, dass wir Zusammenarbeit erhalten." Syrien hat US-Vorwürfe zurückgewiesen, es habe die irakische Führung um Saddam unterstützt. Syrien gehört zu den Staaten, denen die USA vorwerfen, den internationalen Terrorismus zu unterstützen und nach Massenvernichtungswaffen zu streben.

Bei dem seit drei Wochen andauernden Krieg im Irak sind nach US-Angaben 117 US-Soldaten gefallen, 400 weitere seien verwundet oder verletzt worden. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, werden noch vier Soldaten vermisst. Nach der Befreiung von sieben US-Soldaten aus irakischer Gefangenschaft am Sonntag gebe es keine US-Kriegsgefangenen mehr.

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