Halbe Million Euro: Fehler bei der Geburt: Krankenhaus muss zahlen

Halbe Million Euro
Fehler bei der Geburt: Krankenhaus muss zahlen

Ein Krankenhaus aus dem Ruhrgebiet muss einem geistig und körperlich behinderten neunjährigen Jungen wegen grober Fehler bei dessen Geburt Schmerzensgeld in Höhe von 500 000 Euro (rund 978 000 DM) zahlen.

dpa HAMM. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm am Mittwoch entschieden (Az.: 3 U 156/00). Unter anderem sei der Entbindungstermin des Jungen völlig falsch berechnet worden. Gegen das Urteil kann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.

In erster Instanz hatte das Landgericht Essen dem Kind 153 400 Euro zuerkannt. Dagegen hatte sich das Krankenhaus mit seiner Berufung am Oberlandesgericht gewehrt. Die Richter beim OLG Hamm sind jedoch der Ansicht, dass das Krankenhaus für alle materiellen Schäden des Kindes, die bereits entstanden sind, und auch für alle Zukunftsschäden aufkommen muss. Der Junge hatte bei der Geburt schwere Hirnschädigungen erlitten.

"Insgesamt bietet der Kläger das Bild eines völlig hilflosen, blinden Kindes mit schwersten Behinderungen", heißt es in der Urteilsbegründung. Er habe die schwersten denkbaren Schädigungen erlitten, die zu einer weitgehenden Zerstörung seiner Persönlichkeit, seiner Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit geführt hätten. Das Kind sei auf ständige, intensive Pflege angewiesen.

Der betreuende Arzt habe vor der Geburt des Kindes den Entbindungstermin "aus unerfindlichen Gründen" zunächst auf eine Woche später bestimmt. Auch dieser Termin sei jedoch bereits um zehn Tage überschritten gewesen, als die Mutter im Krankenhaus aufgenommen wurde. Trotz Anzeichen von Komplikationen sei die Betreuung der Schwangeren vor der Entbindung lediglich von einem Arzt im Praktikum und einer Hebamme gewährleistet worden. Der zuständige Oberarzt habe zu Hause Bereitschaft gehabt und sei viel zu spät informiert worden.

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