Halbeinkünfteverfahren gilt 2001 für ausländische Aktien
Anleger müssen sich auf zahlreiche Neuerungen einstellen

Die deutschen Anleger müssen sich im kommenden Jahr auf zahlreiche Neuerungen einstellen. Die wichtigsten dürften die Umstellung auf das Halbeinkünfteverfahren bei der Besteuerung von Dividenden sein, die für ausländische Aktien bereits ab 2001 gilt, sowie die Änderungen bei der Namensaktie. In der Mache sind ferner das Übernahmegesetz, das eigentlich schon zum 1.1 2001 in Kraft treten sollte, sowie das vierte Finanzmarktförderunggesetz. Zudem will die Deutsche Börse das Regelwerk für den Neuen Markt verschärfen.

ap FRANKFURT/MAIN. Besitzer inländischer Aktien müssen ab 2002 die Hälfte der Einnahmen aus Dividenden nach ihrem persönlichen Einkommensteuersatz zahlen. Für ausländische Anteilsscheine gilt die Regelung aber bereits schon ab 2001. Nach dem alten Vollanrechnungsverfahren wurde die vom Unternehmen bereits gezahlte Körperschaftssteuer mit der Einkommensteuer beim Anteilseigner verrechnet.

Spekulationsgewinne ausländischer Papiere, also Kursgewinne beim Verkauf von Aktien innerhalb der Spekulationsfrist von zwölf Monaten, werden nach der neuen Vorschrift ebenfalls 2001 nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert. Im Gegenzug werden Spekulationsverluste und Werbungskosten, wie beispielsweise Depotgebühren und Spesen, aber ebenfalls nur zu Hälfte abzugsfähig. Für inländische Papiere gilt die Regelung erst ab 2002.

Im kommenden Jahr wird nach Angaben der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre zudem ein neues separates Formular für die Erfassung von Spekulationseinkünften eingeführt. Die Finanzämter seien offenbar aufgefordert, die korrekte Erfassung der Spekulationsgewinne verstärkt zu überwachen. Liegt zwischen Erwerb und Verkauf eines Anteilscheins mehr als ein Jahr, sind die Kursgewinne weiter steuerfrei.

Die Vollmachtserteilung für die Vertretung von Inhabern mit Namensaktien wurde erleichtert. Dabei wurde vor allem das komplizierte Verfahren für die Erteilung der Vollmacht zur Stimmrechtsausübung vereinfacht. Für die Unternehmen ist dies insofern von Bedeutung, als immer mehr große Aktiengesellschaften für den Gang an die Börse in New York die Namensaktie einführen. Der Aktionär erteilt künftig einmal unbefristet eine Vollmacht, einmal im Jahr wird er darauf hingewiesen.

Die Vollmacht berechtigt Aktionärsvertreter und Banken, den Inhaber der Namensaktie auf der Hauptversammlung ohne Nennung des Namens zu vertreten. Die Kosten für die Eintragung des Anteilseigners ins Aktienregister übernimmt künftig das Unternehmen. Zuvor hatten die Banken dies den Aktionären in der Regel in Rechnung gestellt. Das Gesetz soll zum 1.1 2001 in Kraft treten.



Deutsche Börse will Neue-Markt-Regeln verschärfen

Für Anleger dürfte auch das so genannte vierte Finanzmarktförderungsgesetz von Interesse sein, das möglicherweise im kommenden Jahr verabschiedet werden soll. Dabei geht es unter anderem darum, dem Missbrauch von Ad-hoc-Mitteilungen - zum Beispiel zu Werbezwecken - einen Riegel vorzuschieben.

Nach Erfahrungen des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel (BAWe) verwirren immer mehr Unternehmen Aktionäre in ihren Ad-hoc-Mitteilungen mit blumigen Worten und nichts sagenden Erklärungen. Künftig soll der Missbrauch von Ad-hoc-Mitteilungen bestraft werden. Eine entsprechende Regelung über Bußgelder soll im vierten Finanzmarktförderungsgesetz aufgenommen werden.

Das Übernahmegesetz, das vor allem die Rechte von Aktionären bei einer feindlichen Übernahmen stärken soll, sollte ursprünglich bereits Anfang 2001 in Kraft treten. Weil sich aber eine entsprechende EU-Richtlinie verzögerte, ist es zunächst vertagt worden. Allerdings wird mit der Verabschiedung des Gesetzes noch im kommenden Jahr gerechnet.

Angesichts der vergangenen Turbulenzen am Neuen Markt denkt die Deutsche Börse über eine Verschärfung der Vorschriften für dieses Börsensegment nach. Nach Einschätzung von Finanzexperten könnte ähnlich wie in den USA das Management von Unternehmen am Neuen Markt verpflichtet werden, den Verkauf von Anteilen mitzuteilen.



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