Halbfinale ist angepeilt
Nigerias „Super Eagles" wollen endlich abheben

Seit Jahren stehen sie in den Startlöchern, bei der WM in Japan und Südkorea soll es endlich soweit sein: Nigerias "Super Eagles" wollen zum ultimativen Höhenflug ansetzen.

sid LAGOS. "Wir haben gute Chancen, bis ins Halbfinale zu kommen. Der afrikanische Fußball hat sich enorm entwickelt. Wir werden uns gut verkaufen", tönt Starspieler Finidi George von Ipswich Town.

Dabei geriet die Generalprobe zur Bruchlandung für die "Super Adler", denn beim Afrika-Cup zu Jahresbeginn in Mali war schon im Halbfinale Endstation. In Afrikas bevölkerungsreichstem Land protestierten daraufhin die fanatischen Fans auf den Straßen und forderten Konsequenzen. Prompt feuerte Sportminister Ishaya Mark Aku den zum "Sündenbock" gestempelten Trainer Shaibu Amodu. Knapp vier Monate vor dem ersten Spiel in der so genannten "Todesgruppe" F mit Argentinien, England und Schweden hatte Nigeria mal wieder keinen Nationalcoach.

Der Niederländer Rudi Gullit war als Nachfolger im Gespräch, ebenso der bei Bundesligist Hertha BSC Berlin entlassene Jürgen Röber. Den Job auf dem Schleudersitz bekam schließlich Adegboye Festus Onigbinde, ein Mann aus dem Verband, der das Team schon einmal hauptverantwortlich trainiert hatte.

Und der weiß genau, auf welch ein Himmelfahrtskommando er sich eingelassen hat: "Meine Mission ist es, ein schlagkräftiges Team aufzubauen, auf das unsere Anhänger wieder stolz sein können. Ich werde hart arbeiten, um das Vertrauen zu rechtfertigen."

Viel Zeit hat Onigbinde nicht - aber erstklassiges Spielermaterial. Denn Nigeria verfügt in aller Welt über mehr als 200 Profis sowie einen großen Reichtum viel versprechender Talente. Schon 1994 sorgte Nigeria bei der Junioren-WM in den USA für Furore, 1996 folgte in Atlanta der Olympiasieg. Doch bei der WM scheiterte Nigeria 1994 und 1998 jeweils im Achtelfinale.

Spieler wie "Professor" Sunday Oliseh (Borussia Dortmund), Augustine "Jay Jay" Okocha (Paris St. Germain) und George wollen es bei ihrer dritten WM-Teilnahme besser machen. Fügt man dem Zauber von Nwankwo Kanu (Arsenal London) den Torriecher eines Victor Agali (Schalke 04) und die katzenhafte Geschmeidigkeit von Verteidiger Celestine Babayaro (Chelsea London) hinzu, ist Nigeria durchaus fähig, Großes zu erreichen.

Wenn da nicht die oft fehlende Disziplin wäre. Im Glauben an die eigene Unbesiegbarkeit spielen die "Super Eagles" oft zu sorglos. So wie auch in der WM-Qualifikation, die erst in einem spannenden Finish geschafft wurde. Dennoch ist Kanu überzeugt: "Es wäre ein Fehler, uns abzuschreiben. Alles hängt von unserem ersten Spiel gegen Argentinien ab. Wenn wir ein gutes Resultat erzielen, können wir in die nächste Runde einziehen."

Der Optimismus beim Afrika-Meister von 1980 und 1994 ist denn auch ungebrochen. "Wir sind das Brasilien von Afrika", tönt der Ex-Frankfurter Okocha. Onigbinde, der wahlweise auf ein 4-4-2- oder ein 4-5-1-System setzt, muss nun eine gesunde Mischung aus Alt-Stars wie Okocha und Jung-Stars wie Torjäger Julius Aghahowa (Schachtjor Donezk) finden: "Die jungen Spieler einzubauen, ist schon lange überfällig."

In Fußball-Schulen werden in Nigeria die Talente frühzeitig gefördert. Auch ein spezielles Fußball-College soll demnächst entstehen. "Wir haben viele Talente. Die müssen wir nur polieren", sagt Onigbinde. Keine einfache Aufgabe, denn der Erwartungsdruck ist groß.

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