Halbjahresergebnis traf Erwartungen des Marktes
RWE will ohne Zukäufe wachsen

Ungeachtet einer selbst auferlegten "Akquisitionspause" will der RWE-Konzern 2002 weiter wachsen. Im ersten halben Jahr konnte Deutschlands zweitgrößter Versorger seinen Betriebsgewinn um neun Prozent auf 2,2 Milliarden Euro verbessern.

Reuters ESSEN. Stütze für das Ertragswachstum im Halbjahr sowie für das prognostizierte für das Gesamtjahr sei das deutsche Stromgeschäft, sagte Vorstandschef Dietmar Kuhnt am Montag in Essen. Hier habe RWE im ersten Halbjahr einen Zuwachs von 46 Prozent erzielt. Bei den Beteiligungen habe RWE hingegen Einbußen erlitten. Kuhnt bekräftigte, man wolle die Anteile an der Heidelberger Druckmaschinen AG und dem Baukonzern Hochtief bis spätestens Ende 2003 abgeben.

RWE traf mit seinem Halbjahresergebnis die Erwartungen des Marktes. Der Konzern habe 27,7 (26,7) Milliarden Euro umgesetzt und einen Nettogewinn von 818 (736) Millionen Euro ausgewiesen, teilte RWE weiter mit. Matthias Heck, Analyst vom Bankhaus Sal. Oppenheim bezeichnete den Zwischenbericht als "quasi Punktlandung". RWE erreiche die gesteckten Ziele und konkretisiere die eigenen Planungen. "Diese Zahlen schaffen Vertrauen in einem nervösen Markt."

Dennoch gab der Aktienkurs von RWE nach, wenn auch nicht so stark wie der Gesamtmarkt. Die Papiere fielen um knapp zwei Prozent auf 35,75 Euro. Der Dax lag mit 2,5 Prozent im Minus.

Im zweiten Quartal hat RWE deutlich weniger verdient als im ersten, als 1,317 Milliarden Euro Betriebsgewinn ausgewiesen wurden. Kuhnt begründete diesen Rückgang, der nach Reuters-Berechnungen etwa 35 Prozent betrug, mit der Jahreszeit. Jeder Versorger habe üblicherweise eine starkes erstes (Winter-)Quartal. Danach spüre man vor allem beim Gas einen witterungsbedingten, saisonalen Nachfragerückgang.

Strompreise habe sich stabilisiert

Nach einem desolaten Preisverfall im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes haben sich die Preise Kuhnt zufolge wieder stabilisiert. Gegenwärtig lägen die Einkaufspreise für Strom um rund drei Prozent über denen vom März. Die Kosten im Stromgeschäft sollten weiter reduziert werden. Vorstand Manfred Remmel kündigte eine Strompreiserhöhung für Haushaltskunden mit Beginn des nächsten Jahres an. Die Höhe stehe noch nicht fest. Die Erhöhung der Stromsteuer solle aber auf jeden Fall zu diesem Zeitpunkt weitergeben werden.

Unbefriedigend verläuft bei RWE das in der Stromsparte angesiedelte Geschäft bei der US-Kohletochter Consol. RWE hatte hier Kuhnt zufolge mit einer witterungs- und konjunkturbedingt niedrigeren Nachfrage sowie mit gesunkenen Gas- und Steinkohlepreisen zu kämpfen.

Integration statt zukaufen

Nach der Einkaufstour der vergangenen Jahre steht bei RWE Kuhnt zufolge nun die Eingliederung der neuen Beteiligungen an. Dies dürfte in erster Linie die Aufgabe des Niederländers Harry Roels werden, der RWE ab kommendem Februar leiten wird. Kuhnt geht dann nach acht Jahren an der RWE-Spitze in den Ruhestand.

"In nächster Zeit gibt es keine großen Akquisitionsvorhaben, weder in den USA noch woanders", bekräftigte Kuhnt frühere Aussagen. Kleinere Zukäufe seien aber dennoch denkbar, fügte er hinzu. So wäre RWE daran interessiert, die Eon-Tochter Gelsenwasser zu übernehmen. Eon muss sich von dem Gas- und Wasserunternehmen als Auflage der Ministererlaubnis trennen, die Eon die Fusion mit Ruhrgas ermöglicht. Diese Sondergenehmigung liegt allerdings im Moment auf Eis, weil dagegen von Wettbewerbern gerichtlich vorgegangen wird.

Im zweiten Halbjahr würden bereits getätigte Zukäufe den Betriebsgewinn von RWE in die Höhe treiben, sagte Kuhnt. Erstmals werden dann der britische Stromversorger Innogy und das tschechische Gasunternehmen Transgas in die Rechnung einbezogen. Für das Gesamtjahr werde mit einem höheren Betriebsergebnis gerechnet, das beim Strom sogar über 20 Prozent liegen könnte.

Ertragsschwache Nicht-Kerngeschäfte

Während RWE im Kerngeschäft ein Wachstum von 23 Prozent verzeichnete, erlitt der Konzern bei seinen Beteiligungen Ertragseinbußen von 46 Prozent. Das Tankstellen-Joint-Venture Shell & Dea, das im ersten Halbjahr den Ertrag gedrückt hatte, wird im weiteren Jahresverlauf nicht mehr belasten, da RWE seine 50-Prozent-Beteiligung zum 1. Juli an Shell verkauft hat.

Hochtief wird schon seit Januar nicht mehr voll konsolidiert, weshalb der Umsatz im RWE-Konzern nicht mehr mitgerechnet wird. Unter anderem wegen Hochtief gibt RWE für das Vorjahr Vergleichszahlen auf einer Pro-forma-Basis. Damit soll Veränderungen im Portfolio Rechnung getragen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%