Halbjahreszahlen vorgelegt – Erneut hoher Verlustausweis
EM.TV will sich ganz von der Formel 1 trennen

Der neue EM.TV-Chef Werner Klatten beginnt mit den Aufräumarbeiten. Zunächst soll offenbar die gesamte Beteiligung an der Formel 1 verkauft werden, um so die erdrückende Schulden- und Zinslast zu reduzieren. Für das erste Halbjahr weist das Unternehmen einmal mehr einen hohen Verlust aus.

mwb MÜNCHEN. Das Medienunternehmen EM.TV steht kurz vor einer Einigung mit der Kirch-Gruppe über die Rechte an der Formel 1. Nach Informationen aus Branchenkreisen will der neue EM.TV-Chef Werner Klatten sich dabei noch dieses Jahr ganz aus der Formel 1 verabschieden.

EM.TV hält derzeit noch 37 % an Formel-1-Holding SLEC. Kirch hatte den Medienkonzern durch eine Milliarden-Finanzspritze vor dem Konkurs gerettet und dafür ein Darlehen gewährt, das seit Anfang September in Formel 1-Anteile gewandelt werden kann. Allein dadurch würde Kirch die Mehrheit an der Formel 1 erhalten. Verhandelt wird jetzt offenbar auch noch über einen zweiten Schritt: EM.TV will die restlichen 18,75 % verkaufen. Über die Preisvorstellungen wurde nichts bekannt. Kirch will mit der Formel 1-Beteiligung seine Gesellschaft Kirch Media für den Börsengang werthaltiger machen.

"Wir werden die Portfolio-Umschichtung fortführen, wozu an erster Stelle Verkäufe, an zweiter Stelle auch qualitative Portfolioerweiterungen gehören", erklärte Klatten bei der Bekanntgabe des Halbjahresergebnisses. Klatten macht seit langem kein Hehl daraus, dass er die Formel 1 nicht zum Kerngeschäft von EM.TV zählt. Der Ex-Spiegelmanager hatte kurz vor der Hauptversammlung von EM.TV Ende Juli den Chefposten von Firmengründer Thomas Haffa übernommen.

Eine enorme Zinslast drückt

Das Unternehmen drückt nach überteuerten Akquisitionen eine enorme Zinslast, die durch den Verkauf der Formel 1 reduziert werden soll. Im Gegenzug führt Klatten mit der Kirch-Gruppe Verhandlungen über die Übernahme der restlichen 50 % an dem Gemeinschaftsunternehmen Junior TV, einer Rechtebibliothek für Kinder- und Jugendprogramme, die dann vollständig im Besitz von EM.TV wäre. Abstoßen will EM.TV seit längerem noch die Jim-Henson-Gruppe ("Muppets") und die Beteiligung am Filmrechtehändler Tele München Gruppe, ohne bislang dabei erkennbare Fortschritte zu erzielen.

Der Geschäftsverlauf war in den ersten sechs Monaten, wie von vielen Analysten erwartet, sehr schwach. Einen Verlust vor Steuern von 127 Mill. DM begründet EM.TV mit hohen Zinszahlungen von 279 Mill. DM in erster Linie für die Formel 1. Im ersten Halbjahr 2000 hatte der Vorsteuergewinn noch bei 23,5 Mill. DM gelegen. Die Zahlen seien aber wegen der unterschiedlichen Konsolidierung der Beteiligungen nur schwer vergleichbar, betont eine Sprecherin.

Erstmals Segmentergebnisse

Erstmals weist das Unternehmen Segmentergebnisse aus. Von 913 Mill. DM Umsatz entfielen 678 Mill. DM auf den Bereich Events (Formel 1), der auch als einziger mit 183 Mill. DM Gewinn machte. Der künftige Kernbereich Rechte erzielte bei einem Umsatz von 228 Mill. DM (Vorjahr: 210 Mill. DM) einen Verlust von 58 Mill. DM. Beim Merchandising fiel bei 7 Mill. DM Umsatz ein Verlust von 3 Mill. DM an. Pro-Forma-Vergleichszahlen legte das Unternehmen nicht vor.

Im vergangenen Jahr fuhr das Unternehmen einen Verlust von 2,7 Mrd. DM ein. Der Aktienkurs stieg am Neuen Markt am Freitag um 4,5 % auf 1,62 Euro.

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