Halbjahreszahlen vorgelegt
United Internet will 2002 profitabel sein

Mit seinen Halbjahreszahlen blieb das Unternehmen hinter Analystenerwartungen zurück. Mit der Konzentration auf wenige, aber profitable Kerngesellschaften will United Internet die Bereinigung in der Internet-Branche in Zukunft überleben.

Reuters FRANKFURT. Das am Neuen Markt gelistete Beteiligungsunternehmen United Internet will im kommenden Jahr bei seinen profitablen Mehrheitsgesellschaften einen summierten Vorsteuergewinn von 25 Mill. Euro erwirtschaften. Vorstandschef Ralph Dommermuth sagte, er gehe davon aus, dass der Aktienkurs dann von momentan knapp drei Euro auf rund 15 Euro steigen werde. Die Holding werde 2002 auf breiter Front profitabel sein. "Alle Ergebnis-Kennziffern sollen im Gesamtjahr 2002 positiv sein", sagte Dommermuth. Der eingeleitete Prozess zur Portfolio-Optimierung werde bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Diesbezüglich führe das Unternehmen weiter Gespräche mit potenziellen Investoren für einzelne Beteiligungen.

Die profitablen Mehrheitsgesellschaften der Holding sollen Dommermuth zufolge im kommenden Jahr zusammen einen Vorsteuergewinn (Ebt) von 25 Mill. Euro erzielen. Zurzeit arbeiten von den vier Mehrheitsgesellschaften die 1&1 Internet AG (Ebt im ersten Halbjahr 2001: 2,6 Mill. Euro) sowie Twenty4help (4,6 Mill. Euro) bereits profitabel. Im vierten Quartal 2001 solle auch GMX die Gewinnschwelle erreichen. Nur die Geschäfte der börsennotierten Adlink Internet Media AG stagnierten auf Grund des schwachen Werbegeschäfts in der Internet-Branche. Die Umsätze der profitablen Kerngesellschaften werden laut Dommermuth weiter deutlich steigen. Dann werde auch der Kurs von United Internet wieder anspringen. "Tritt unsere Vision ein, wird der Kurs 2002 auf 15 Euro steigen", sagte Dommermuth. Am Donnerstagvormittag fielen die Papiere nach der Vorlage der Halbjahreszahlen um mehr als 21 Prozent auf 2,80 Euro.

Halbjahreszahlen



Im ersten Halbjahr 2001 erwirtschafte United Internet nach den am Morgen veröffentlichten Zahlen einen konsolidierten Konzernumsatz von 114,2 Mill. Euro. Das entspreche einem Plus von 25,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten durchschnittlich mit Erlösen von 120,33 Mill. Euro gerechnet. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erhöhte sich auf 7,9 (1,5) Mill. Euro. Der Vorsteuerverlust (Ebt) betrage noch 14,1 Mill. Euro nach minus 20,2 Mill. Euro im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2002 solle der Konzern dann in allen Ergebnis-Kennziffern positiv sein, sagte der Vorstandschef. Ein wichtiger Schritt dahin sei die vor einigen Monaten eingeleitete Restrukturierung des Beteiligungsportfolios. "2001 ist ein Wandeljahr. Wir werden bis zum Jahresende weiter aufräumen", sagte Dommermuth. "Es wird einiges Interessantes passieren, auch in näherer Zukunft." United Internet plane, weitreichende Kooperationen einzugehen. Diesbezüglich werden derzeit Gespräche mit potenziellen Investoren geführt. Dabei gehe es ausschließlich um Minderheitsbeteiligungen. Bei den vier Kerngesellschaften gebe es keinen Handlungsbedarf.

Rückzug aus Minderheitsbeteiligungen

In den vergangenen Monaten hat United Internet die beiden Minderheitsbeteiligungen an der Living Net Medien AG und ITrade an die Gründer zurückverkauft. Die Anteile an der Cobion AG wurden an das ebenfalls am Neuen Markt gelistete Unternehmen Biodata veräußert. Das Wohnungsmarktportal Immonline habe kein neues Kapital erhalten und hat daraufhin einen Insolvenzantrag gestellt. Der Rückzug aus einigen Minderheitsbeteiligungen werde sich fortsetzen, sagte der Vorstandsvorsitzende weiter.

Mit der Konzentration auf wenige, aber profitable Kerngesellschaften werde United Internet weiter wachsen und die Bereinigung in der Internet-Branche überleben. "Wir sind kein Cashburner", sagte Dommermuth. "United Internet nimmt mehr Geld ein als es ausgibt." Der operative cash flow belaufe sich im ersten Halbjahr 2001 auf 4,9 (Vorjahreszeitraum 2,0) Mill. Euro. "Außerdem verfügen wir noch über liquide Mittel von 67,5 Mill. Euro", fügte er hinzu.

West LB-Analyse positiv

Insgesamt positiv schätzte ein Analyst der West LB die Zahlen von United Internet ein. Im Umsatz und im Betriebsergebnis liege das Unternehmen sogar über den Prognosen der Düsseldorfer Bank. Warum der Kurs der United-Internet-Papiere am Donnerstag zeitweise um über 20 % absackte, konnte sich der Analyst nicht erklären. "Eigentlich hätte ich erwartet, das der Kurs heute steigt", sagte er. Die Mehrheitsbeteiligung von United Internet an der Adlink Internet AG, die am Mittwoch ihre Umsatzprognose erneut nach unten korrigiert hatte, könne möglicherweise Grund für den Kursrutsch bei United Internet gewesen sein, fügte der Analyst hinzu. Die West LB rechne weiterhin mit einem Umsatz bei der Beteiligungsgesellschaft von insgesamt 237 Mill. ? für das Gesamtjahr 2001. Die Bank stuft die United-Internet-Papiere mit "Halten" ein.

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