Halbjahreszahlen widerlegen Befürchtungen der Analysten
Alcatel sieht Milliardenloch gelassen

Frankreichs Telefontechnik-Konzern Alcatel hat die erste Hälfte des Krisenjahres 2001 offenbar besser überstanden als viele seiner Wettbewerber. Mit einem Programm, das die Produktion durch viele Auslagerungen flexibler machen soll, will sich das Unternehmen vom Trend der Branche abkoppeln und gleichzeitig den Markt aufrollen.

PARIS/STUTTGART. Die französische Alcatel S.A. rechnet damit, das laufende Jahr mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau abzuschließen und dabei profitabel zu bleiben. Dies sagte Vorstandschef Serge Tchuruk bei der Präsentation der Halbjahreszahlen des Telefontechnikherstellers. "Wenn wir das schaffen, kommen wir unendlich viel besser durch als der Großteil unserer Wettbewerber", sagte der Alcatel-Boss. Diese müssten zum Teil schwere Verluste einstecken. Tchuruk gab sich vor Analysten zuversichtlich hinsichtlich der Erholung des Marktes für Telekommunikationstechnik. "Persönlich glaube ich, dass das irgendwann im nächsten Jahr kommen wird." Die Krise habe die Gewichte in der Branche verschoben, meinte Tchuruk - eine These, die von einigen Pariser Analysten unter Verweis auf die Schwierigkeiten bei Cisco, Lucent und Nortel Networks bestätigt wird. Im Geschäft mit den Telefonnetzbetreibern gewinne Alcatel derzeit Marktanteile.

Das Ende Juni bekannt gewordene Programm zur Flexibilisierung der Produktion soll Alcatel gegen Krisen in der zyklischen Branche stärker absichern. Tchuruk versprach, man werde schon Ende des Jahres in der Lage sein, auch noch bei einem auf 5,5 Mrd. ? je Quartal gesunkenen Umsatz rentabel zu arbeiten. Diese Zahl wurde in den ersten zwei Quartalen jeweils deutlich überschritten.

Asiengeschäft verdoppelt

Alcatel ist relativ wenig abhängig von der Entwicklung in den USA, da diese Region nur etwa ein Viertel des Geschäfts ausmacht. Hier verbuchte der Konzern von April bis Juni 11 % Umsatzeinbußen - wenig im Vergleich zu den Wettbewerbern. Zugleich verdoppelte sich das Asiengeschäft. In Europa und im Rest der Welt hielt Alcatel seinen Umsatz.

Angesichts dessen zeigen sich Pariser Analysten wieder überzeugt von der Aktie. Sowohl das Brokerhaus Aurel Leven als auch die Wertpapierbank CIC EIFB gaben klare Kaufempfehlungen sobald die ersten Hinweise auf den Umsatztrend durchsickerten. An der Börse schlug Tchuruks Zuversicht in einer Kurserholung der Alcatel-Aktie um rund 4 % zu Buche. Allerdings hat das Papier seit Jahresbeginn 70 % seines Wertes eingebüßt.

Kampf um Aufträge

Im ersten Halbjahr 2001 setzte Alcatel knapp 13 Mrd. ? um. Um die im Juni an die Börse gebrachte Kabelsparte Nexans bereinigt, waren es in der Vergleichsperiode des Vorjahres 11,48 Mrd. ?. Die Erträge des laufenden Geschäftes sanken auf 220 (Vorjahresperiode: 670) Mill. ?. Darin spiegelt sich der Kampf um Aufträge im enger gewordenen Telefonnetzmarkt wider.

Die im Mai angekündigten, schon im zweiten Quartal verbuchten 3 Mrd. ? Einmalaufwendungen für den Konzernumbau führten zu einem Halbjahresfehlbetrag in knapp der gleichen Größenordnung. Alcatel will rund die Hälfte seiner gegenwärtig gut 100 Fabriken mit ihrem Personal an spezialisierte Zulieferer abgeben. Dadurch soll der Personalstand des Konzerns von 113 000 auf unter 100 000 Mitarbeiter sinken.

SEL AG koppelt sich vom Konzerntrend ab

Analysten haben allerdings Zweifel, dass Alcatel sein Restrukturierungsprogramm und den Verkauf von Randaktivitäten so realisieren kann wie geplant. Es sei schwierig, Käufer zu finden. Dies könnte insbesondere Auswirkungen auf das Ziel haben, die 2001 hochgeschnellte Verschuldung wieder zu senken.

Einen "komischen Abgang" nannte Tchuruk das Auscheiden seines zweiten Mannes aus der Unternehmensführung aus familiären Gründen. Der Amerikaner Krish Prabhu, der Branchenbeobachtern zufolge auf fast jedem Chefsessel der Branche Platz finden könnte, geht in den Alcatel-Aufsichtsrat. Nach eigenen Worten ist Prabhu bereit, dem 63 Jahre alten Tchuruk zu nachzufolgen, wenn Alcatel dies wünscht.

Die größte Auslandstochter des Konzerns, die deutsche Alcatel SEL AG, hat sich bisher vom Konzerntrend abkoppeln können. Das Geschäft läuft noch gut. Andreas Bernhardt, Chef der Alcatel SEL, rechnet "trotz der kritischen Marktsituation mit einem profitablen Umsatzwachstum".

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