Halbleiter-Titel und Finanzwerte geben nach
Wall Street fürchtet sich vor steigenden Zinsen

Obwohl die amerikanische Notenbank den Leitzins am Dienstag nicht veränderte, befürchten US-Investoren eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Der Dow-Jones-Index konnte am Mittwoch seinen höchsten Stand seit neun Monaten nicht halten. Finanzwerte und die Halbleiterbranche verbuchten Kursverluste.

skl NEW YORK/HB. Einen durchweg schwachen Handel erlebten die New Yorker Aktienmärkte zur Wochenmitte. Nachdem am Vortag US-Notenbankchef Alan Greenspan mit seiner Rede für Zuversicht bei den Anlegern gesorgt hatte, verursachten Versuche einzelner Investmenthäuser, die Rede zu interpretieren, Unruhe. Es sei im laufenden Jahr mit steigenden Zinsen zu rechnen, hieß es.

Zum Handelsschluss lag der technologielastige Nasdaq-Composite-Index mit mehr als 2,5 % im Minus. Der Dow-Jones-Index verlor 1,3 %, der S-&-P?s-500-Index verlor rund 1,6 %. Der Dow verließ damit den höchsten Stand seit neun Monaten.

Es wechselten 1,26 Mrd. Aktien den Besitzer, 2 148 Kursverlierern standen 1 000 Gewinner gegenüber. Die richtungweisende 10jährigen US-Anleihe rentierte mit 5,4 %.

Eine Auslegung von Greenspans Rede durch das Investmenthaus Goldman Sachs schürte die Sorge vor steigenden Zinsen. Der Notenbankchef habe erstmals seit langem nicht mehr auf Rezessionsgefahren hingewiesen: Dies deute auf eine baldige Zinserhöhung zur Abwehr von Inflationstendenzen hin, hieß es. "Goldman geht von einer Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte aus", sagte Todd Leone, Wertpapierexperte von SG Cowen Securities. Die meisten Marktteilnehmer rechneten mit einer weniger deutlichen Erhöhung zwischen 0,25 und 0,5 Prozentpunkten. Leone sieht weitere Kursrisiken, sollte die Gewalt im Mittleren und Nahen Osten eskalieren. Auch seien Blue Chips derzeit so hoch bewertet, dass ein erneuter Kursanstieg nicht ohne weiteres möglich sei.

Bei zahlreichen Finanzwerten kam es zu deutlichen Kursabschlägen. Viele Anleger fürchten, dass höhere Leitzinsen die Bankengewinne drücken könnten. Zudem gab es schlechte Quartalszahlen im Finanzsektor. So berichtete die Lehman Brothers Holding von einem um 23 % gesunkenen Quartalsgewinn, weil das Geschäft unter anderem in der Fusionsberatung nachgelassen habe. Lehman verloren rund 1 %. Kursverluste in ähnlicher Höhe musste auch die Aktie von JP Morgan Chase verkraften. Der größte US-Finanzkonzern, Citigroup , verbuchte ein Minus von rund 1 %.

Die Intel -Aktie verlor mehr als 4 %. Die Investmentbank Salomon Smith Barney hatte in einer Studie ihre Schätzung für den Gewinn je Aktie im zweiten Quartal von 16 Cents auf 14 Cents gesenkt. Laut einer Befragung von Thomson Financial/First Call waren die Analysten im Durchschnitt von einem Gewinn je Aktie in Höhe von 15 Cents ausgegangen. Als Ursache für die schlechtere Gewinnsituation nannte Salomon Smith Barney die Preissenkungen für den Pentium-4-Chip.

Einen Kursrutsch von 15 % erlitt die Aktie des Pharmakonzerns Bristol-Myers-Squibb . Das Herz-Medikament Vanlev könne laut einer gestern veröffentlichten Studie durch ein Generikum ersetzt werden. Vanlev trägt nach Analystenschätzungen rund 1 Mrd. US-Dollar zum Umsatz bei. Bristol-Myers habe schon länger Probleme, die alternde Produktpalette durch erfolgreiche, neue Präparate zu ergänzen.

Äußerst verschnupft reagierten die Anleger auf die Nicht-Zulassung des Medikamentes Picovir des Unternehmens Viropharma. Die Aktie brach um knapp 60 % ein, nachdem bekannt wurde, dass das Medikament zur Bekämpfung Virus bedingter Erkältungskrankheiten, nicht für den US-Markt zugelassen wird.

Ein wahres Kursfeuerwerk erlebte die Aktie des Bananenexporteurs Chiquita mit einem Plus von knapp 2 000 %. Auslöser war die Herauslösung des Unternehmens aus dem Gläubigerschutzverfahren. Chiquita wird neue Aktien herausgeben. 95 % der neuen Aktien erhalten die bisherigen Altaktionäre.

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