Halbleitergeschäft und Unterhaltungselektronik bleiben die Sorgenkinder
Philips macht Rekordverlust

2001 war ein schlechtes Jahr für den niederländischen Technologiekonzern Philips. Für 2002 peilt das Unternehmen zwar die Gewinnzone an, muss dafür aber den eingeschlagenen Umbaukurs forcieren.

BRÜSSEL. So schlecht waren die Zahlen noch nie. Bei der Präsentation des Jahresergebnisses gestern in Amsterdam kommentierte Philips-Chef Gerard Kleisterlee den Rekordverlust seines Unternehmens von 2,6 Mrd. ? im Jahr 2001 unumwunden mit "enttäuschend". Im Vorjahr hatte der niederländische Technologiekonzern noch einen Gewinn von 9,6 Mrd. ? eingefahren. Dass das Jahr für Philips schlecht verlaufen würde, hatte sich zwar abgezeichnet, doch die Höhe des Verlustes überraschte die Analysten.

Der Umsatz ging 2001 um 15 % auf 32,3 Mrd. ? zurück. Besonders hart traf es dabei das Halbleitergeschäft mit einem Rückgang von 45 % sowie die Sparte Unterhaltungselektronik mit einem Minus von 15 %. Einziger Lichtblick war die Medizintechnik, deren Umsatz um knapp 60 % zulegte.

"Im Halbleiterbereich hat Philips noch einen Menge Nachholbedarf", sagte Steven Vrolijk, Analyst bei der niederländischen Bank ING. Die Produkte seien zwar gut, doch das Verhältnis von Angebot, Kundenstamm und Geschäftstätigkeit stimme noch nicht. Dass sich auch in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage Gewinne erzielen lassen, zeigt schließlich die Konkurrenz: Der französisch-italienische Chiphersteller ST Microelectronics legte für das vierte Quartal schwarze Zahlen vor, während Philips im Halbleitergeschäft einen Verlust von 292 Mill. ? einstecken musste.

Verantwortlich für die schlechten Zahlen ist nach den Worten von Kleisterlee, der seit dem vergangenen Mai an der Konzernspitze steht, jedoch nicht nur das schlechte weltwirtschaftliche Umfeld. Schon vor dem allgemeinen Abschwung hätten sich eine Reihe von Problemen innerhalb des Konzerns abgezeichnet, so der Philips-Chef, der bereits seit über 20 Jahren für das Unternehmen arbeitet.

"Schrauben werden weiter angezogen"

Zu den hausgemachten Schwierigkeiten zählen vor allem die kleinteilige Struktur des Konzerns, ein schlechtes Marketing, fehlende Effizienz und mangelnde Kooperation der Abteilungen untereinander. Bei Philips werden die Schrauben deshalb weiter angezogen. Die neue Konzernkultur soll mit Hilfe des im vergangenen Jahr eingeleiteten Umstrukturierungsprogramms durchgesetzt werden, das die Philips-Bilanz mit über 1 Mrd. ? belastet. Rund 3 000 Mitarbeiter werden in diesem Jahr ihren Arbeitsplatz räumen müssen, über 12 000 Stellen wurden bereits abgebaut.

Trotz eines weiter unsicheren Marktes will Philips das Jahr 2002 aber wieder mit schwarzen Zahlen abschließen. "Wir wären sehr enttäuscht, wenn uns das nicht gelingt", erklärte Kleisterlee. Der Schritt aus der Verlustzone wird aber nach Einschätzung von Analysten schwer und muss durch den weiteren Umbau des Konzerns erreicht werden: "Vor allem im Halbleiterbereich muss Philips noch wachsen", sagte ING-Analyst Vrolijk.

Kleisterlee kündigte für die kommenden Monate weitere Akquisitionen an, "um bestehende Lücken zu füllen". Auf der andern Seite will Philips 27 kleinere Unternehmen, die zum Konzern gehören, im laufenden Jahr abstoßen. Finanzvorstand Jan Hommen hofft aus den Verkäufen rund 1 Mrd. ? erzielen zu können. Grundsätzlich gilt für alle schwachen Unternehmensbereiche eine Frist von 18 Monaten, um ihre Ergebnisse zu verbessern. "Im anderen Fall, müssen wir uns trennen", erklärte Hommen.

Dies könnte auch auf das kränkelnde US-Geschäft mit Unterhaltungselektronik zutreffen, das 2001 besonders enttäuschend abschnitt. Mit einem neuen Managementteam wollen die Niederländer noch einmal einen Versuch starten. Kleisterlee hatte aber bereits Ende letzten Jahres deutlich gemacht, dass dies "der letzte" sei. Das Problem in den USA: Kaum ein US-Bürger kennt die Marke Philips. Über lange Jahre hatte der Traditionskonzern seine Produkte dort unter dem Namen "Magnavox" verkauft. In der Unterhaltungselektronik will sich Philips vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: digitale Bildschirme, optische Speicher und kabellose Verbindungen. Vor allem die Konkurrenz aus Asien hat da noch die Nase vorn.

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