Halbleiterhersteller wartet auf eine Belebung der PC- und Mobilfunknachfrage
Infineon sieht noch kein Licht am Ende des Tunnels

Infineon-Chef Ulrich Schumacher sieht keine Chance, die zyklischen Schwankungen der Chip-Aktie zu verringern. Eine Prognose über den Zeitpunkt einer wieder anziehenden Chipnachfrage wagt er nicht. Gegenwärtig sei noch keine Belebung zu erkennen, sagte er dem Handelsblatt.

BERLIN. Den Vorwurf, Infineon habe mit seiner Warnung vor einem Verlust von 600 Mill. Euro im dritten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres die Aktienkultur in Deutschland schwer beschädigt, lässt der Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies AG, München, Ulrich Schumacher, nicht auf sich sitzen. Infineon habe nie von einer "Volksaktie" gesprochen, sondern solche Darstellungen stets korrigiert. Schumacher zum Handelsblatt: "Wir haben nicht nur im Börsenprospekt, sondern auch in allen Interviews immer auf die Zyklizität hingewiesen."

Die Zyklizität des Chipgeschäftes sei für die Siemens AG der Grund gewesen, ihre Chiptochter an die Börse zu bringen. Infineon war am 13.3.2000 mit einem Ausgabekurs von 35 Euro gestartet und hatte im Zuge der Börsenhausse eine Notierung von 92,50 Euro erreicht. Nach der Gewinnwarnung sackte die Aktie um 14 % von 39,26 auf 34,95 Euro und geriet nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung um 60 Millionen Aktien noch stärker unter Druck. Am 27.6. notierte sie bei 28,08 Euro. Zur geplanten Kapitalerhöhung wird sich Schumacher am heutigen Montag äußern.

Im Rückblick auf die Kursbewegungen sprach Schumacher von Euphorie getriebenen Höchstkursen und einer panikgetriebenen Gegenreaktion. Eine Chance, die Zyklizität der Infineon-Aktie zu verringern, sieht er nicht. Schumacher: "Seit 40 Jahren ist die Chip-Industrie zyklisch." Die Innovationszyklen der Industrie und die fluktuierenden Anwendersegmente deuteten darauf hin, dass die Zyklizität des Chipmarktes, der Hersteller und damit auch der Chip-Aktien bestehen bleibe.

Einige öffentliche Reaktionen auf die Gewinnwarnung seien für ihn schwer verständlich gewesen. Während wesentliche Wettbewerber Infineons seit zwei, drei Quartalen im freien Fall gewesen seien, habe sich Infineon in dieser Zeit gut gehalten und sei sogar noch einmal gewachsen. Schumacher: "Wir haben geglaubt, dass wir uns gegen den Sog des großen Strudels stemmen können." Infineon habe sich länger gehalten als die Konkurrenz, sei nun aber als letzter Hersteller auch von der Marktschwäche getroffen worden.

Den derzeitigen Abschwung, der viele Hersteller ein wenig ratlos mache, dürfe es theoretisch eigentlich nicht geben, meinte Schumacher. In der Halbleiterindustrie gebe es im Vergleich zu den Krisenjahren 1996/1997 keine großen Überkapazitäten, allerdings sei das Bedarfsniveau derzeit "unheimlich niedrig". Die Nachfrage liege in einigen Segmenten, z.B. im Speichermarkt, nur halb so hoch wie im Jahr 1996. Es gebe einen äußerst geringen Bedarf an PC, Mobiltelefonen und inzwischen auch in der Breitbandinfrastruktur.

Für die künftige Entwicklung des Halbleitermarktes hat Schumacher noch keine klare Indikation. "Wenn ich den Auftragseingang anschaue, sehe ich zwar eine Beruhigung. Nach dem Abbruch geht es nicht mehr weiter stark herunter. Aber von einer Belebung kann ich momentan wirklich noch nichts sehen."

Das einzig Gute an der derzeitigen Situation sei, dass in der Halbleiterindustrie alle Investitionen massiv heruntergefahren worden seien, sich die Investitionen jetzt auf einem sehr niedrigen Niveau bewegten und sich damit das Angebot in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren massiv verknappen wird. Schumacher: "Wir brauchen aber in jedem Fall ein Anziehen des Bedarfs. Ohne wieder steigende PC- und Mobilfunkstückzahlen werden wir so schnell nicht aus der schwierigen Situation herauskommen."

Nach Schumachers Einschätzung hat Infineon im Technologiebereich, etwa bei der Fertigungstechnologie, einen Vorsprung vor Wettbewerbern. Beim Tempo der Umsetzung von Innovationen seien die amerikanischen Hersteller noch etwas voraus.

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