Halbleitersparte will einen Teil des Gewinns reinvestieren
Philips Semiconductors schließt Abspaltung nicht aus

Die Halbleitersparte des Elektronikkonzerns Philips will ihren Rang als weltweite Nummer zehn bis Ende 2002 durch eine Umsatzverdoppelung festigen und Marktanteile gewinnen. Akquisitionen sollen einen Platz unter den fünf größten Anbietern der Welt bringen.

HB NOORDWIJK. Der Halbleiterbereich, der derzeitige Goldesel des Amsterdamer Elektronikkonzerns Philips Electronics N.V., wird möglicherweise in wenigen Jahren eigene Wege gehen. "Sag niemals nie", beantwortete Arthur van der Poel, Vorstandschef von Philips Semiconductors, die Frage, ob ein Börsengang ausgeschlossen sei. "Wir leben in einem dynamischen Markt und werden sehen, was die Zukunft in zwei, drei oder vier Jahren bringt", sagte van der Poel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Angesichts der jüngsten Spekulationen sei aber deutlich zu machen, "dass derzeit keine Pläne auf dem Tisch liegen."

Semiconductors gehört zu den Weltmarktführern

Firmenkenner unken, vielleicht lägen die Pläne schon in der Schublade. Manche mutmaßen, Arthur van der Poel stehe in den Startlöchern, um Chef eines selbständigen Unternehmens zu werden, nachdem nicht er, sondern Gerard Kleisterlee zum Nachfolger von Konzernchef Cor Boonstra gekürt worden war. Van der Poel, auch Vorstandsmitglied des Konzerns, kommentierte das nicht, meinte aber, es führten verschiedene Wege nach Rom.

Kürzlich betonte Boonstra, er halte nichts von Abspaltung und Börsengang der erfolgreichen Halbleitersparte. Kein Wunder: Semiconductors lieferte im ersten Halbjahr mehr als 40 % des Konzernresultats bei einem Umsatzanteil von nur 16 %. Vor zehn Jahren war die Sparte fast bankrott, inzwischen gehört sie zu den Weltmarktführern bei den zentralen Wachstumsbereichen des Marktes wie Verbraucherelektronik, Telekommunikation, Automobilelektronik und PC-Peripheriegeräten.

Frisches Kapital ist nicht nötig

Laut Boonstra zieht das Argument der Analysten nicht, die Notierung der Sparte erhöhe die Marktkapitalisierung der gesamten Philips-Gruppe. Sie habe sich in den vergangenen Jahren immerhin verzehnfacht. Frisches Kapital sei angesichts eines Kassenbestandes von 19 Mrd. Euro auch nicht nötig. Boonstras Ausscheiden im April relativiert laut Beobachtern dessen Äußerungen. Die von Philips beschworenen Vorteile der Bündelung unter einem Dach, sind zudem offenbar eher dünne, auf F&E begrenzte Bande. So hat Semiconductors nur einen geringen Spielraum, um die Mobilfunksparte PCC zu bevorzugen, wie van der Poel einräumte. Strategische Kunden seien gleich zu behandeln. Philips Semiconductors, weltweit drittgrößter Chipanbieter für Mobiltelefone, war daher für PCC ebenso wie für die anderen Handy-Hersteller im ersten Halbjahr eine Wachstumsbremse: Mangels Kapazität konnte die Sparte die sprunghaft angestiegene Chip-Nachfrage nicht befriedigen.

Halbleitersparte will Umsatz verdoppeln

Philips treibe nun den Kapazitätsausbau schneller voran als das früher getan worden wäre, und ändere auch hinsichtlich des Ergebnisses seine Strategie, erläuterte van der Poel. "Wir wollen einen Teil des Gewinns in Wachstum investieren. Dadurch wird unsere Gewinnmarge von rund 20 % um einige Prozentpunkte niedriger ausfallen." Die Mittel fließen in Forschung und Entwicklung, schnellere Abschreibung, den Kapazitätsausbau um bis zu 40 % sowie Akquisitionen. Ab diesem Jahr werden 2 Mrd. Euro (1999: 650 Mill. Euro) investiert. Dadurch will die Halbleiter-Sparte ihren Umsatz bis 2002 auf rund 10 Mrd. Euro verdoppeln. "Mit diesem autonomen Wachstum bleiben wir weltweit auf dem zehnten Rang, wobei wir unsere Marktanteile ausbauen wollen." In diesem Jahr halte die Sparte mit dem erwarteten Marktwachstum von 31 % mit. Nach Übernahme von VLSI stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um 60 %, während sich das Betriebsergebnis fast verdoppelte.

Van der Poel strebt aber nach höherem: "Rang fünf ist jedoch nur über Zukäufe zu realisieren. Doch wir wollen nicht einfach ein größeres, sondern ein besseres Unternehmen werden." Daher denke er nicht nur an den Kauf größerer Firmen und Minderheitsbeteiligungen, sondern auch an kleine Qualitätsbetriebe, die spezifische Nischen füllen können. Übereilt werde er aber angesichts der derzeit hohen Marktkapitalisierungen nicht handeln. Gefragt nach einem möglichen Zusammengehen der Sparte mit einem großen Wettbewerber sagte van der Poel, es sei wahrscheinlicher, dass mittelgroße Firmen unter sich fusionierten.

Hat van der Poel keine Bedenken, mit der starken Kapazitätsausweitung absehbar Überkapazitäten und Preiseinbrüche mit zu verursachen? Er rechnet infolge der Kapazitätsteigerungen der gesamten Branche mit einer Preiserosion, erwartet aber einen Abwärtstrend mit einem Marktwachstum von weniger als 15 % frühestens im zweiten Halbjahr 2002. "Mit unserer Produktpalette sind wir jedoch weniger empfindlich als Hersteller von Standardprodukten", glaubt van der Poel. Einige Analysten teilen diese Ansicht.

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