Halbzeit im Berliner Wahlkampf
CDU-Kandidat ist in Berlin weit abgeschlagen

Im Berliner Wahlkampf wird die zweite Halbzeit eingeläutet. Vor neun Wochen wurde der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen mit den Stimmen von SPD, Grünen und PDS gestürzt. In neun Wochen, am 21. Oktober, sind die Berliner aufgerufen, ein neues Abgeordnetenhaus zu wählen.

ap BERLIN. Und immer noch liegen SPD und CDU in der Wählergunst Kopf an Kopf. Fast 40 % der Hauptstädter sind nach neuesten Umfragen noch unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben sollen. "Fehler über Fehler" bescheinigt der Chef des Berliner Meinungsforschungsinstitutes Forsa, Manfred Güllner, der Berliner CDU in ihrem Kampf um die Wählergunst. In der Sympathieskala rangiert CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel abgeschlagen als Schlusslicht. Regierungschef Klaus Wowereit und PDS-Spitzenkandidat Gregor Gysi sind derzeit die beliebtesten Politiker in der Hauptstadt.

Daran werde sich auch in den kommenden Wochen nicht viel ändern, meint der Meinungsforscher. Da helfen auch die Bilder eines auf der bayerischen Alm wandernden Ehepaars Steffel aus dem Sommerurlaub wenig. "Die Menschen wollen einen Regierenden Bürgermeister und keinen Urlauber sehen", ist sich der Forsa-Chef sicher. Und dass der Berliner CDU-Hoffnungsträger ausgerechnet München zur schönsten Stadt Deutschlands erklärte, hat Steffel Häme und Kritik beschert. Der Ausrutscher im bayerischen Bierzelt war zudem noch kostenlose Wahlkampfhilfe für die SPD.

Der Wahlkampf der CDU ist ganz auf die Person Frank Steffel ausgerichtet. Als "Kennedy von der Spree" wurde er in der Boulevardpresse bejubelt. "Solche Krönungszeremonien empfinden die Menschen als lachhaft", urteilt Güllner. Der SPD rät der Meinungsforscher, sich auf Sachfragen zu konzentrieren und sich geschlossen hinter Regierungschef Wowereit zu stellen.

Currywurst mit Berliner Taxifahrern

Dennoch kann man den Christdemokraten nicht absprechen, dass sie sich bemühen, ihren Spitzenkandidaten aus dem Beliebheitstief heraus zu bugsieren. Unermüdlich ist Steffel unterwegs. So trifft er sich nächtens mit Berliner Taxifahrern auf eine Currywurst. Dort hat er ein Ohr für die Sorgen und Nöte des "kleinen Mannes". Auch Regierungschef Wowereit sei ein Freund der gebratenen Wurst, kontert SPD-Sprecherin Anja Sprogies. Nur brauche er keine Inszenierungen, um sich mit Menschen zu unterhalten. Ein paar Tage später sieht man den CDU-Spitzenkandidaten im Arbeitsanzug im NDR-Studio auf den Knien rutschen und in rekordverdächtiger Geschwindigkeit einen Teppich verlegen. Als Chef eines mittelständischen Raumausstattungsunternehmens müsse er das ja schließlich können, meint Steffel.

Mitarbeit von Schabowski als herber Missgriff gewertet

Als herben Missgriff und plumpen Versuch, in Ost-Berlin Punkte zu machen, bezeichnet Meinungsforscher Güllner die Mitarbeit des einstigen SED-Chefpropagandisten Günter Schabowski im CDU-Gesprächskreis "Innere Einheit". Weder im Osten und schon gar nicht im Westen sei das ehemalige DDR-Politbüromitglied ein Sympathieträger.

Der Ostteil Berlins ist und bleibt die Hochburg der PDS. Hier holten die Postkommunisten ihre Direktmandate. Der Plattenbaubezirk Marzahn-Hellersdorf ist der Wahlkreis des einstigen PDS-Chefs Gysi. Bei der PDS wird der Spitzenkandidat allerdings noch geschont. Das Pulver soll nicht zu früh verschossen werden, lautet die Devise. Ab September lässt Gysis Kalender allerdings kaum noch eine freie Minute. Als klug wertet Güllner die Zurückhaltung der PDS. In einem längeren Wahlkampf könnte Gysi "entzaubert" werden.

Auf Profilsuche im Wahlkampf sind noch die Berliner Bündnisgrünen um ihre ostdeutsche Spitzenkandidatin Sibyll Klotz. Sie würden derzeit zehn Prozent der Stimmen erhalten und wären damit das Zünglein an der Waage, wenn es um eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus geht.

Die derzeit nicht im Abgeordnetenhaus vertretene Berliner FDP erhofft sich günstigen Rückenwind vom Aufwärtstrend der Bundespartei. Nach einer Forsa-Umfrage würden die Liberalen mit sieben Prozent in das Landesparlament einziehen. Spitzenkandidat Günter Rexrodt gibt sich zuversichtlich und peilt die Zielmarke 18 plus an.

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