Halbzeit in Den Haag
EU will hartes Ergebnis auf Klimagipfel

Zugleich bemängelte die EU die geringe Bereitschaft der USA zu echten Fortschritten beim Klimaschutz im eigenen Land.

dpa DEN HAAG. Die Europäische Union hat nach der ersten Woche des Klimagipfels in Den Haag auf konkrete Ergebnisse zum Klimaschutz gedrängt. "Das Kyoto-Protokoll muss verteidigt werden", sagte Michel Mousel, Delegationsleiter von Frankreich, das zur Zeit den EU- Ratsvorsitz hat. Es sei zwar nicht perfekt, bilde aber eine gute Grundlage für eine dauerhafte Lösung. Zugleich bemängelte die EU die geringe Bereitschaft der USA zu echten Fortschritten beim Klimaschutz im eigenen Land. Die USA möchten viele dieser Verpflichtungen im Ausland erfüllen.

Die größten Verschmutzer hätten auch das größte Potenzial, ihre Treibhausgase zu vermindern, sagte Jos Delbeke, der Leiter des Bereichs Klimawandel in der EU. Die USA erzeugen laut Delbeke pro Einwohner doppelt so viel Schadstoffe, wie die EU und bis zu 20 Mal mehr als die Menschen in Indien oder China. Es sei wichtig, möglichst bald konkrete Schritte zum Klimaschutz zu tun. "Je länger man wartet, desto schwieriger wird es."

WWF optimistisch

Die Europäische Union wandte sich nochmals ausdrücklich gegen den Vorschlag der USA, Kanadas und Japans, sich Projekte innerhalb eines Waldes wie Brandschutzkorridore und Düngung im begrenzten Umfang als Klimaschutzmaßnahme anrechnen zu lassen. Es sei noch nicht geklärt, wie sie zu messen sind und ob sie wirklich dauerhaft zum Klimaschutz beitragen.

Der WWF ist nach der ersten Woche der Klimaverhandlungen nach wie vor optimistisch, dass sich die beteiligten Länder auf eine Reduzierung der Treibhausgase einigen. In der kommenden Woche reisen rund 100 Minister an, und der Gipfel geht in seine entscheidende Phase. "Die Zeit des Taktierens ist vorbei. Jetzt müssen die Karten offen gelegt werden", forderte Regine Günther, Leiterin des Referats Klimaschutz beim WWF Deutschland. Insbesondere die USA müssen sich bewegen und ihre Blockade aufgeben. Der Versuch Japans und der USA, Atomkraftwerke als Klimaschutzmaßnahmen zu verkaufen, sei ein Etikettenschwindel. Das sei indiskutabel, so der WWF.

Entwicklungsländern kommt Schlüsselrolle zu

Den Entwicklungsländern und der EU kommt in der nächsten Woche eine Schlüsselrolle zu. Sie wehren sich vehement gegen die Verrechnung von CO 2- Senken (z.B. Wälder), mit Industrieemissionen. "Es darf keinen Ausverkauf der Vereinbarungen von Kioto geben", so Regine Günther. Deshalb sei es wichtig, dass sich die EU nicht wackelt und sich nicht über den Tisch ziehen lasse.

Obwohl die technischen Verhandlungen derzeit nur im Schneckentempo vorankommen, ist der WWF zuversichtlich. Die meisten Länder haben die Bedrohung durch den Klimawandel begriffen, es kommt nun darauf an , dass endlich Taten folgen. Währenddessen zeichnen sich bei den OPEC-Staaten erste Anzeichen von Panik ab. Die Delegation von Saudi Arabien drohte mit der Abreise aus Den Haag, wenn die Erdöl fördernden Länder nicht entschädigt würden. Falls die Industriestaaten ihre Klimaziele von Kioto erreichen, hätte das zwangsläufig einen verringerten Absatz von fossilen Energieträgern wie Öl und Kohle zur Folge.

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