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Hals- und Beinbruch

Es ist schwer, sich im Dschungel der Versicherungsangebote zurechtzufinden. Hilfe bei der Suche nach guten Policen gibt es beim Bund der Versicherten ( www.bundderversicherten.de ). Auch die Verbraucherzentralen bieten bundesweit Versicherungsberatung an ( www.agv.de ). Daneben helfen auch gerichtlich vereidigte Versicherungsberater weiter (etwa: www.dieversicherungsberater.de )

Kinderversicherungen sind kein Rundumschutz für den Nachwuchs. Es gibt aber einige Anhaltspunkte, um die richtige Police für die Sprösslinge zu finden.

Fast alle Eltern kennen solche Schrecksekunden: Einen Moment nicht aufgepasst - und schon balanciert ihr Kind auf dem Fensterbrett, hantiert am Kochtopf oder purzelt die Treppe hinunter. Wenn dann alles noch einmal glimpflich ausgegangen ist, stellen sich Mütter und Väter oft die Frage: Was geschieht, wenn mein Kind bleibende Schäden davonträgt? Die Versicherer kennen die Ängste der Eltern und halten scheinbar für jede drohende Gefahr eine Police bereit.

Gefahr Nummer eins, sobald Kinder laufen können, sind Unfälle. "Deshalb ist es in jedem Fall vernünftig, Kinder gegen dieses Risiko abzusichern", sagt Frank Braun vom Bund der Versicherten. Denn schließlich kann ein Kind durch einen Unfall schwerbehindert werden und damit später erwerbsunfähig sein. Doch Eltern, die ihre Sprösslinge versichern wollen, stehen oft ratlos vor der Flut verschiedener Policen, die sich nur schwer vergleichen lassen. "Die meisten nehmen dann doch einfach das, was der Vertreter ihnen empfiehlt", weiß der gerichtlich zugelassene Versicherungsberater Alfred Jani aus Buchloe.

Grundsätzlich eignet sich eine herkömmliche Kinder-Unfall-Versicherung. Besonders gerne verkaufen die Anbieter aber so genannte Kinderversicherungen. Sie sind drei- bis viermal so teuer wie reine Unfall-Policen. Das Argument der Anbieter: Im Unterschied zur Unfallversicherung gelten diese Policen auch, wenn das Kind durch Krankheit invalide werden sollte. "Damit wird den Leuten suggeriert, sie seien rundum gegen alle Risiken abgesichert", sagt Braun.

Doch in den meisten Verträgen gebe es zahlreiche Klauseln. Teilweise seien nur einige wenige Krankheiten versichert. Zudem zahlen die Versicherer in der Regel erst, wenn der Grad der Invalidität mindestens 50 Prozent beträgt - das heißt, wenn das Kind schwerbehindert ist. Doch auch eine geringere Behinderung wie zum Beispiel der Verlust eines Fußes kann für das Leben des Kindes und der Familie schwere Folgen haben. Eine Unfallversicherung würde dann bereits einen Betrag zahlen, der sich an der so genannten Gliedertaxe orientiert.

Es gibt drei Varianten von Kinderversicherungen: Entweder wird eine Rente oder ein Einmalbetrag gezahlt. Zudem werden auch Mischformen angeboten. Bei Verträgen mit Rentenzahlung könne sich die 50-Prozent-Klausel besonders negativ auswirken, sagt Wolfgang Scholl von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Es kann sehr schnell sein, dass ein Kind aus diesem Grad der Schwerbehinderung herauswächst, aber dennoch stark erwerbsgemindert ist. Doch wenn der Schwellenwert unterschritten wird, dann stellt der Versicherer die Rentenzahlung ein." Ein weiterer Haken: Es gibt Krankheiten, die sich erst im Laufe der Jahre zu einer Behinderung auswachsen. So etwa im Fall von Multipler Sklerose. Wird diese Krankheit bei einem Teenager festgestellt, so bedeutet das meist noch keine schwere Behinderung. Doch das kann im Erwachsenenalter anders aussehen. Aber dann zahlt der Versicherer nicht mehr, denn der Schutz endet meist mit Erreichen des 18. Lebensjahres. "Eine Kinderversicherung kann nur eine zusätzliche Absicherung gegen Schwerbehinderung sein", schlussfolgert daher Versicherungsberater Jani. "Ein Ersatz für die Unfallversicherung ist sie nicht."

Doch auch beim Abschluss einer Kinder-Unfallversicherung gibt es zahlreiche Fallen. "Es gibt Preisspannen von 400 Prozent auf dem Markt", sagt Jani. Dabei gebe der Preis keinerlei Aufschluss über die Güte einer Police. "Es gibt sehr teure Versicherungen mit schlechten Leistungen." Die Finger lassen sollten Eltern von Standardpaketen, wie sie Versicherungsvertreter üblicherweise anbieten. "Da ist viel Unsinniges dabei wie Krankenhaustagegeld. Das treibt den Preis nur unnötig nach oben", sagt Scholl. "Die eigentliche Versicherungssumme ist dann oft viel zu niedrig angesetzt." Und das sei fatal. Denn wenn das Kind wirklich einmal einen schweren Unfall habe, dann komme es darauf an, dass die Auszahlung möglichst hoch sei. Scholl empfiehlt eine Versicherungssumme von 400 000 Mark. "Wenn man das Geld bei einer Bank zu sechs Prozent anlegt, hat das Kind im Falle einer Schwerbehinderung später eine Monatsrente von 2 000 Mark." Eine solche Police sei bereits ab 200 Mark im Jahr zu haben.

Doch auch wenn das Kind rundum versichert ist, sollten die Eltern daran denken, dass auch ihnen selbst etwas zustoßen kann: "Das absolut Wichtigste für die Familie ist deshalb die Vorsorge für den Fall, dass der Haupteinkommensbezieher stirbt", sagt Scholl. "Denn dann gibt es für die Hinterbliebenen allenfalls aus der gesetzlichen Rentenversicherung eine Witwenrente und eine Halbwaisenrente. Aber das deckt natürlich bei weitem nicht die Kosten der Familie." Durch eine Risikolebensversicherung kann sich die Familie für diesen Fall wappnen. Aber auch der Partner, der sich um Haushalt und Kinder kümmert - in der Regel die Mutter - sollte versichert werden. Denn im Falle ihres Todes muss der Vater meist auf bezahlte Hilfe zurückgreifen, damit die Kinder versorgt werden. Und das kann sich nicht jede Familie ohne weiteres leisten.

Was nötig ist

Sobald der Sprössling laufen kann, empfiehlt sich neben der obligatorischen Krankenversicherung eine Unfallversicherung. Es gibt zwar gesetzliche Unfallversicherungen, die das Kind im Kindergarten, in der Schule und auf dem Weg dorthin und zurück absichern. Doch für Unfälle in der Freizeit müssen Mutter und Vater selbst vorsorgen. Gute Unfallpolicen gibt es für rund 200 Mark im Jahr. Vergrößert sich der Aktionsradius der Kinder und fliegt etwa der Ball durch die Fensterscheibe des Nachbarn, springt die Haftpflichtversicherung der Eltern ein. Kinder unter sieben Jahre sind allerdings nicht haftbar zu machen, so dass die elterliche Haftpflicht nur bei Verletzung der Aufsichtspflicht zahlt. Eine Haftpflichtversicherung für die ganze Familie kostet etwa 95 bis 200 Mark im Jahr. Kinder sind darin mitversichert, solange sie unverheiratet und in der ersten Ausbildung sind. Bei einer Single-Police sind Kinder generell nicht mitversichert.  rom

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