Halsstarrigkeit macht sich bezahlt
Warren Buffett: Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Er gilt als der zweitreichste Mann Amerikas. Nur Microsoft-Gründer Bill Gates hat mehr Geld als er. Und angeblich ist Warren Buffett der einzige unter Amerikas Reichen, der sein Geld vor allem mit Aktien gemacht hat. Kein Wunder also, dass die Finanzszene die Investments des Finanzgenies genau im Auge behält.

wsc NEW YORK. Noch vor einiger Zeit hatte der 72-Jährige bei den Anlegern einen schweren Stand. Denn während die meisten anderen Investoren in der Zeit des Internetbooms mit der New Economy ihren Anlegern exorbitante Kursgewinne bescherten, blieb der Altmeister in sturer Manier seiner Strategie treu. Warren Buffet blieb bei Substanzwerten und wurde dafür belächelt. Denn seine Argumente galten als überholt: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kapitalrendite und Bewertungsrelationen schienen in der High-Tech-Euphorie fehl am Platz. Seine Halsstarrigkeit machte sich schließlich bezahlt: in dem Jahr, als die Internetblase platzte, konnte der Börsenguru sein Vermögen um 12 Mrd. $ steigern.

Umso überraschter war die Anlegergemeinde über eine Nachricht, die Anfang Juli herauskam: Warren Buffet investiert zum ersten Mal in ein Technologieunternehmen. Mit seiner Finanzspritze rettet er Level 3 vor dem drohenden Bankrott. Eine Investorengruppe, zu der auch Buffett gehört, investiert rund 500 Mill. $ in den Glasfaserspezialisten. Berkshire Hathaway, Warren Buffetts Investmentfirma, kauft für 100 Mill. $ Anleihen. Der Wert der Aktie von Level 3 hat sich seitdem verdoppelt.

Wenige Monate zuvor hatte Buffett es noch abgelehnt, Kapital im Technologiensektor anzulegen. Bei dem Telekommunikationsausrüster aus Colorado schien dem Altmeister nicht nur die niedrige Bewertung zu reizen. In der Branche hat der Ausleseprozeß begonnen. Konkurrenten wie Global Crossing gingen bankrott, weil finanzstarke Partner fehlten. Für Warren Buffett der richtige Zeitpunkt für den Einstieg. "Level 3 wird von den Schwächen der Konkurrenz profitieren", so die knappe Begründung für das neue Engagement des Altmeisters.

Ist die New Economy nun doch nicht tot? Buffetts Investment gibt Grund zur Hoffnung. Denn wenn jemand die Börse im Blut hat, dann wohl er. Bereits mit acht Jahren fing das Finanzgenie an, die Bücher seines Vaters über die Aktienmärkte zu lesen. Mit elf Jahren kaufte er seine ersten Aktien. Den entscheidenden Einfluß aber übte Benjamin Graham aus, dessen Standardwerk "The Intelligent Investor" der junge Buffett regelrecht verschlang. Er ging zur Columbia University nach New York, um dort bei Graham zu studieren. Graham betonte in seinen Lehren den inneren Wert einer Firma. Dieser Wert lässt sich laut Graham genauestens berechnen.

Nach dem Wirtschaftsstudium gründete Buffett mit 25 Jahren eine eigene Investmentgesellschaft und legte das Geld von Freunden und Verwandten äußerst gewinnbringend an. Nach fünf Jahren konnte er eine Rendite von 250 % aufweisen. Der Dow Jones stieg im gleichen Zeitraum lediglich um 74 %.

Der beste Beweis für Buffetts Geschick ist aber Berkshire Hathaway. Aus der daniederliegenden Textilfirma hat er die erfolgreichste Investmentholding der Welt gemacht. Das Unternehmen gehört heute zu den 20 größten amerikanischen Unternehmen. Versicherungen, Schuhe, eine eigene Zeitung und Möbel - Buffett kaufte die unterschiedlichsten Firmen. Dabei blieb er immer einem Motto treu: "Kaufe nur, was du verstehst." Profitieren konnten vor allem seine Anhänger-Gemeinde. Seine "A-class" Aktie notiert derzeit bei über 70 000 $. Damit hat das Papier seit 1990 rund 800 % zugelegt und alle wichtigen US-Indizes weit hinter sich gelassen. Kein Wunder, dass es schon längst einen "Warren Buffett-Fanclub" gibt.

Doch selbst das Warren-Imperium ist nicht unverletztbar. Der 11. September hat tiefe Spuren hinterlassen. Denn Berkshires Kerngeschäft sind Versicherungen. Die Investmentholding ist am Autoversicherer Geico und dem Rückversicherer General Re beteiligt. Die Terroranschläge rissen den größten amerikanischen Rückversicherer in die roten Zahlen. Nach einem Gewinn von fast 1 Mrd. $ rutschte Berkshire 2001 in die Verlustzone.

Trotz des tiefen Einschnitts: Buffett bleibt dem Versicherungsgeschäft treu. Seinem Versicherungskunden Walmart greift er mit einem Kredit in Höhe von 125 Mill. $ unter die Arme. Für Buffett keine große Summe, für Beobachter aber eine ernstzunehmende Geste. Denn wenn der Altmeister Geld ausgibt, dann muß es sich lohnen.

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