Hamanns Einsatz gefährdet
Deutsche Spieler wehren sich

Das Halbfinal-Duell gegen die euphorisierten Gastgeber weckte im deutschen Lager spontane Vorfreude - die Expertenkritik aus der Heimat löste dagegen Unmut aus. "Bei Franz sind wir es ja gewöhnt. Das sehen wir alle nicht so dramatisch", reagierte Rudi Völler zwar äußerlich gelassen auf die harsche Kritik von Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer an der spielerischen Leistung im Viertelfinale gegen die USA.

dpa SEOGWIPO/SÜDKOREA. Doch der Teamchef meinte am Rande des Samstag-Trainings auch: "Sicher sind hin und wieder die Aussagen zu hart und übertrieben."

Bei den deutschen Spieler stieß der kaiserliche Rundumschlag ("Wenn man alle außer Kahn in einen Sack steckt und drauf haut, findet man immer die Richtigen") zum großen Teil auf Unverständnis. "Das ist so eine Polemik, die hilft uns nicht weiter. Diese Art der Kritik muss nicht sein", sagte der Dortmunder Jungstar Christoph Metzelder. "Er muss ja nicht mehr unbedingt auf dem Platz stehen und spielen", ergänzte Thomas Linke. Auch Michael Ballack reagierte verärgert: "Wir schöpfen hier eben unsere Möglichkeiten aus. Und es ist typisch deutsch, dass wir uns für den Einzug ins Halbfinale fast noch entschuldigen müssen."

Selbst der Halbfinal-Garant Oliver Kahn begegnete dem Kritiker energisch: "Von oben kann man überhaupt nicht einschätzen, was alle hier leisten mussten." Beckenbauer kartete am Samstag in der "Bild"- Zeitung kräftig nach: "Wenn meine Mannschaften solche Leistungen wie gegen die USA abgeliefert haben, fühlte ich mich persönlich beleidigt." DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte nach dem USA- Spiel zwar auch die spielerischen Mängel angesprochen, bleibt aber für den weiteren Turnierverlauf Optimist: "Ich glaube schon, dass die Mannschaft besser spielen kann."

Völler wollte sich durch unnötige Diskussionen nicht die Konzentration auf die kommende sportliche Aufgabe stören lassen. Natürlich sei eine Steigerung gegen Korea unabdingbar: "Wenn wir gegen Südkorea bestehen wollen, müssen wir nicht nur kämpfen und fighten. Wir müssen schon ein paar spielerische Impulse setzen", stimmte der 42-Jährige der Beurteilung der Partie zwar teilweise zu, stellte aber am Samstag auch unmissverständlich klar: Die Stärken wie ein überragender Torhüter oder gefährliche Standards müssten ganz einfach anerkannt werden. "Da ist es doch keine Schande, wenn man auf diese Art und Weise seine Spiele gewinnt", betonte Völler.

Er nutzte jedoch die Kritik von außen auch erstmals im bisherigen Turnierverlauf, um bei seine Spielern noch einige Reserven herauszukitzeln. "Wir müssen schon selbstkritisch sein. Da muss mehr kommen", forderte der Teamchef für die Partie am Dienstag in Seoul gegen den Mit-Gastgeber der 17. Fußball-WM. "In Deutschland gehen die Leute auf die Straße und feiern. Das ist wichtig und nicht das, was die so genannten Experten sagen", fasste Christian Ziege die Meinung der Mannschaft zusammen.

Hauptkritikpunkt Völlers am eigenen Team ist, "dass die Mannschaft nicht selbstbewusst auftritt". Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten jedoch wird am Dienstag unbedingte Voraussetzung für den Erfolg sein. "Das wird ein großartiges Erlebnis, gerade gegen den Gastgeber vor 70 000 Zuschauern. Aber das Halbfinale kann nicht unser Ziel sein", sagte Jens Jeremies.

Teamchef und Spieler wollen nicht allein darauf vertrauen, dass die Gastgeber nach der zweiten Verlängerung in der K.o.-Runde entkräftet in die Partie gegen Deutschland gehen. "Wie ich die Koreaner bisher bei dieser WM gesehen habe, glaube ich, würden die auch morgen wieder spielen", sagte Völler.

Vor dem Halbfinale ist Dietmar Hamann das größte Sorgenkind im deutschen Kader. Der Wahl-Engländer zog sich im Spiel gegen die USA eine Innenbanddehnung im rechten Knie zu. Hamann musste beim Samstag- Training als Einziger passen und ließ sich stattdessen im Mannschafts-Hotel behandeln. "Ich hoffe, dass es bei Didi bis Dienstag reicht", erklärte Völler.

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