Hamas-Aktivist in Nablus getötet
Israel hält trotz US-Drucks an Besetzung fest

Ungeachtet der zunehmenden amerikanischen Kritik hält Israel an der Besetzung von sechs palästinensischen Städten im Westjordanland fest. Bei Gefechten in Tulkarem wurden am Dienstag nach palästinensischen Angaben zwei Palästinenser erschossen. In Nablus kam ein Mitglied der radikalen Gruppe Hamas bei einer Explosion ums Leben.

ap JERUSALEM. Die USA kritisierten in bisher schärfster Form die größte israelische Militäraktion in den Autonomiegebieten seit Jahren. US-Außenamtssprecher Philip Reeker forderte den sofortigen israelischen Rückzug aus den palästinensischen Gebieten.

Dagegen erklärte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon, ein Rückzug sei erst dann möglich, wenn die palästinensische Autonomiebehörde die Verantwortlichen für den Mordanschlag auf den israelischen Tourismusminister Rehawam Seewi ausliefere. In Jerusalem verlangten am Montagabend Zehntausende israelische Demonstranten den Sturz der Autonomiebehörde von Jassir Arafat.

Der israelische Außenminister Schimon Peres, der sich zurzeit in Washington aufhält, erneuerte sein Angebot eines eigenen Staates für die Palästinenser. "Wir wollen einen palästinensischen Staat, wir wollen das palästinensische Volk nicht leiden sehen." Außerdem bot er den Palästinensern eine "Position" in Jerusalem und territoriale Zugeständnisse an. Zwischen dem Angebot und den Forderungen Arafats gebe es eine Differenz von nur einem Prozent. Peres fügte hinzu: "Wir führen keinen persönlichen Krieg gegen Arafat." Dieser müsse aber zehn bis 15 Unruhestifter festnehmen, die für den größten Teil des Terrorismus verantwortlich seien.

Peres wollte am Dienstag mit US-Außenminister Colin Powell und der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zusammentreffen. Auch ein Gespräch mit Präsident George W. Bush galt als möglich. In Bethlehem führten Dutzende christliche Geistliche verschiedener Konfessionen einen Friedensmarsch von über 6000 Palästinensern an. Der Marsch begann an einer israelischen Kontrollstelle und endete an der Geburtskirche. "Gott des Friedens, gib unserem Land Frieden", sang die Menge. Israelische Panzer und Soldaten machten für sie Platz.

Kapelle beschädigt

Bei den nächtlichen Schießereien zwischen Israelis und Palästinensern in Bethlehem wurde auch eine Geburtsklinik beschossen, die von christlichen Nonnen geführt wird. Mehrere Scheiben gingen zu Bruch, darunter auch eines in der Kapelle des Anwesens. Verletzt wurde niemand, die 60 schlafenden Kinder wurden in der Eingangshalle in Sicherheit gebracht, wie eine Ordensfrau berichtete. Die israelische Armee erklärte, die Schüsse seien nicht von ihr abgefeuert worden. Israelische Soldaten würden nicht auf Kirchen schießen, selbst wenn sich dort bewaffnete Palästinenser verschanzt hielten, sagte ein Armeesprecher.

In Nablus im Westjordanland wurde nach palästinensischen Angaben der Hamas-Aktivist Ajman Halaweh bei einer Explosion getötet. Zwei weitere Personen seien verletzt worden. Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo machte Israel für den Tod Halawehs verantwortlich. Die israelischen Streitkräfte lehnten eine Stellungnahme ab. Scharons Büro erklärte, Halaweh habe auf der Liste derjenigen gestanden, deren Festnahme Israel von den Palästinensern gefordert habe.

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