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Hamas-Anführer bei israelischem Angriff verletzt

Israel hat am Dienstag versucht, einen der bekanntesten Anführer der radikalen Hamas-Organisation zu töten und damit die Gefahr neuer Anschläge verstärkt, die den Friedensprozess bedrohen könnten.

Reuters GAZA-STADT. Ärzte berichteten, Abdel Asis el Rantissi sei bei einem Hubschrauberangriff auf sein Auto im Gaza-Streifen verletzt worden, befinde sich aber in guter Verfassung. Die für zahlreiche Selbstmordanschläge in Israel verantwortliche Hamas kündigte umgehend Vergeltung an. Zuvor hatte Israel weitere Außenposten jüdischer Siedlungen geräumt, wie es Ministerpräsident Ariel Scharon bei dem Nahost-Gipfel in der vergangenen Woche den Palästinensern zugesagt hatte.

Israelische Sicherheitskreise bestätigten, dass Rantissi getötet werden sollte. "Israel wird den Terror weiter bekämpfen", hieß es. Die Politik habe sich nicht geändert, da die Palästinenser-Regierung Terroristen nicht bekämpfe. Israel hat in der Vergangenheit immer wieder gezielt militante Palästinenser getötet und mit dieser Praxis internationale Kritik ausgelöst. Die Palästinenser fordern ein sofortiges Ende der Attentate. Ministerpräsident Mahmud Abbas bemüht sich derzeit, die militanten Gruppen zu einem Ende der Gewalt zu bewegen. Die Hamas hatte die Gespräche jedoch abgebrochen.

"Israel sollte davon ausgehen, dass diese Verbrechen nicht ohne eine schwere Bestrafung bleiben werden", sagte Hamas-Vertreter Mahmud el Sahar im Fernsehsender El Dschasira nach dem Angriff auf Rantissi. Der 56-jährige Rantissi hatte nach dem Nahost-Friedensgipfel in Akaba in der vergangenen Woche die Aufforderung Abbas' an die Hamas zurückgewiesen, den Kampf gegen Israel einzustellen. Die Hamas lehnt den Friedensprozess ab und will den israelischen Staate zerstören. Augenzeugen berichteten, zwei Kampfhubschrauber hätten insgesamt sieben Raketen auf das Fahrzeug Rantissis abgefeuert, das in Flammen aufgegangen sei. Zwei Menschen seien getötet und rund 20 Menschen verletzt worden. Nach Angaben von Ärzten wurde der Hamas-Anführer am Bein verletzt. Eine offizielle Stellungnahme Israel gab es zunächst nicht.

Ein Berater von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat warf Israel vor, mit dem Angriff den als "Road Map" bezeichneten internationalen Friedensplan zum Scheitern bringen zu wollen. "Das ist ein schwerwiegender Schritt. Er zeigt Israels Absicht, die Road Map und die Ergebnisse von Scharm el Scheich und Akaba scheitern zu lassen", sagte Nabil Abu Rdainah. Zu den Treffen in Ägypten und Jordanien hatte US-Präsident George W. Bush eingeladen. Abbas und Scharon hatten in Akaba zugesagt, den Friedensplan umzusetzen. Dieser sieht ein sofortiges Ende der Gewalt und die Gründung eines Palästinenserstaats bis 2005 vor.

Die von Scharon zugesagte Räumung von Außenposten jüdischer Siedlungen wurde am Dienstag fortgesetzt. Bis zum Morgen wurden nach Armeeangaben zehn der Außenposten geräumt. Dabei handelt es sich um Wohnwagensiedlungen handelt, die provisorisch in der Nähe bestehender Siedlungen eingerichtet wurden. Während die Räumung bei Siedlern auf Proteste stieß, bezeichnete ein Berater Arafats diese als unbedeutend. Arafat hatte bereits die Ergebnisse des Nahost-Gipfels in der vergangenen Woche als unzureichend kritisiert. Israel und die USA setzen jedoch nicht mehr auf Arafat. Abbas hat zugesagt, gegen radikale Gruppen vorzugehen und damit eine Voraussetzung des Friedensplans zu erfüllen.

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