Hamas bekennt sich zu Selbstmord-Attentat
US-Bürger unter Opfern in Jerusalem

Bei einer Explosion in der Cafeteria der Hebräischen Universität von Jerusalem kamen am Mittwoch mittag sieben Menschen ums Leben. 30 wurden verletzt.

Reuters JERUSALEM. Bei einem Anschlag radikaler Palästinenser in Jerusalem sind am Mittwoch mindestens sieben Menschen getötet worden, darunter auch eine US-Bürgerin. Zu der Tat in einer Cafeteria der Hebräischen Universität bekannte sich die radikal-islamische Palästinenser-Gruppe Hamas.

Ein Sprecher der US-Botschaft in Tel Aviv sagte, außer der Frau seien drei US-Bürger bei dem Anschlag verletzt worden. Die Staatsangehörigkeit der anderen Opfer war zunächst nicht bekannt. Die Polizei sprach von mehr als 80 Verletzten. Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen einem Sprecher zufolge bis zum Abend keine Hinweise darauf vor, dass auch Deutsche unter den Opfern sind. Es sei aber eine Hotline geschaltet, die von den Angehörigen für Nachfragen genutzt werden könne.

Bush: "Eine entsetzliche Tat"

US-Präsident George W. Bush bezeichnete den Anschlag kurz nach dem Bekanntwerden als "entsetzliche terroristische Tat". Das Attentat untergrabe die internationalen Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten, kritisierte die russische Regierung. Auch die Europäische Union (EU) verurteilte die Tat. Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte davor, dass die Gewalt "die sich in den letzten Tagen abzeichnenden Fortschritte auf dem Weg zu einer politischen Lösung (...) zunichte machen" könne.

Die Palästinenser-Regierung verurteilte den Anschlag und lastete die Verantwortung dafür der israelischen Politik an. Scharon sei "für diesen Kreislauf des Terrors verantwortlich". Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon sagte, der Anschlag zeige, dass Israel für das Recht kämpfe, Bus zu fahren, zum Markt zu gehen oder in der Cafeteria zu sitzen, ohne dass man Angst vor einem Anschlag haben müsse.

Polizei: Bombe war vermutlich in Tasche verpackt

"Es gab einen Knall und alles flog durch die Luft", sagte eine koreanische Studentin. Die Explosion ereignete sich der Polizei zufolge im Eingang einer Cafeteria im Frank-Sinatra-Gebäude, einem Zentrum für ausländische Studenten. Es sehe so aus, als ob eine Bombe gelegt worden sei, sagte ein Sprecher. Der Sprengsatz sei möglicherweise in einer Tasche versteckt gewesen.

"Die Cafeteria war ziemlich voll und die Explosion war in der Mitte des Raumes", sagte ein Augenzeuge. "Mir ist kein Verdächtiger aufgefallen." Zahlreiche Verletzte kamen benommen und mit blutverschmierten Gesichtern aus der Cafeteria, aus der dichter Rauch quoll. Studenten benutzten ihre T-Shirts, um blutende Wunden zu stillen. An der Universität finden derzeit lediglich Sommerkurse statt. Der Campus liegt auf dem Skopusberg am Rande des arabischen Ostteils von Jerusalem und galt als Beispiel für ein harmonisches Zusammenarbeiten über den Nahost-Konflikt hinweg. Auch zahlreiche arabische Studenten nehmen an den Kursen der Universität teil.

Die Tat sei eine Vergeltung für einen israelischen Luftangriff auf ein Wohnviertel in Gaza-Stadt in der vorigen Woche, teilten die Kassam-Brigaden, die militärische Abteilung der Hamas, in einem Fax an die Nachrichtenagentur Reuters mit. "Dies ist Teil einer Reihe von Antworten, die lange anhalten werden und allen Israelis eine Lektion erteilen", hieß es. Bei dem Angriff in Gaza-Stadt waren der Hamas-Militärchef und 14 weitere Menschen getötet worden.

Im September 2000 haben die Palästinenser einen neuen Aufstand gegen die israelische Besatzung ihrer Gebiete begonnen. Seither sind mehr als 2000 Menschen getötet worden.

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