Hamas droht Israel mit Vergeltung für Raketenangriff
Nahost: "Attentate werden mit Attentaten beantwortet"

Nach einem israelischen Raketenangriff auf das Auto eines Hamas-Anführers hat die radikale Palästinenser-Gruppe mit Vergeltung gedroht.

Reuters NABLUS. "Attentate werden mit Attentaten beantwortet und Bombardierungen mit Bomben", riefen Hamas-Mitglieder am Mittwochabend im Gaza-Streifen mit Megaphonen in der Hand. Bei einem israelischen Hubschrauber-Angriff auf das Auto eines Hamas-Anführers war zuvor Augenzeugen zufolge im Gaza-Streifen ein militanter Palästinenser getötet worden, der als Experte für Werfergranaten galt. Der Angriff soll dem Anführer des militärischen Flügels der Hamas, Mohammed Deif, gegolten haben, der Zeugenberichten zufolge unversehrt blieb.

Augenzeugen berichteten, der israelische Kampfhubschrauber habe mindestens vier Raketen auf zwei Autos abgefeuert, die auf einer Straße nahe des Flüchtlingslagers Bureidsch im Gaza-Streifen gefahren seien. Israel fahndet seit 1989 nach Deif und macht ihn für mehrere Anschläge verantwortlich. Die israelische Armee hatte in der Vergangenheit mehrfach Palästinenser gezielt angegriffen, die für Anschläge in Israel verantwortlich sein sollen. International stieß diese Politik auf Kritik.

Palästinensischer Polizist erschossen

Im Gaza-Sreifen hatten Soldaten am Mittwoch zudem einen palästinensischen Polizisten erschossen und im Westjordanland nahe Nablus vier Araber getötet. Nach israelischer Darstellung handelte es sich bei den vier Getöteten um militante Palästinenser, die eine Bombe legen wollten. Vertreter der Palästinenser teilten hingegen mit, drei der Opfer seien unbewaffnete Zivilisten gewesen.

Die neuen Gewaltausbrüche ereigneten sich, nachdem Bundesaußenminister Joschka Fischer während seiner Nahost-Reise neue Bewegung in die Friedensbemühungen zwischen den Konfliktparteien gebracht hatte. In Ramallah hatte Palästinenser-Präsident Jassir Arafat am Dienstag nach einer Unterredung mit Fischer einer Begegnung mit Israels Außenminister Schimon Peres zugestimmt, um nach Wegen zur Umsetzung einer Waffenruhe zu suchen. Das hatten die beiden Politiker im Juni und Juli bereits ohne Erfolg versucht. Eine stabile Waffenruhe macht Israel zur Bedingung, um den Plan des früheren US-Senators George Mitchell umzusetzen, der über eine Befriedung der besetzten Gebiete zurück zu Verhandlungen führen soll. Als Konferenzort schlug Arafat Berlin vor. Peres sagte während seines Besuches am Mittwoch in Polen, er hoffe, dass das Treffen bald stattfinde. Nach seiner Rückkehr nach Israel werde er einen Termin für die Unterredung festlegen.

Arabische Liga beendet Dringlichkeitssitzung

Unterdessen beendeten die Außenminister der Arabischen Liga in der Nacht zum Donnerstag in Kairo eine zehnstündige Dringlichkeitssitzung mit dem Appell an Israel, es solle das in diesem Monat besetzte Orient-Haus in Jerusalem räumen. Das Gebäude gilt als inoffizielle Vertretung der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO im Ostteil der Stadt. Zudem forderten die Außenminister in einer Resolution die arabischen Staaten auf, keine Kontakte mit Israel zu pflegen, so lange das Land seine "Aggression" gegen die Palästinenser fortsetze. Ferner wurde zu einem weltweiten Boykott von Gütern aus jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten aufgerufen. Der Vorsitzende der Konferenz, Quatars Außenminister Scheich Hamad bin Jassim, räumte ein, dass die Umsetzung der Beschlüsse schwierig sein werde. Drei der 22-Liga-Mitglieder - Ägypten, Jordanien und Mauretanien - haben mit Israel Frieden geschlossen. Ägypten fungiert zudem als Vermittler im Nahost-Friedensprozess. Die Dringlichkeitssitzung war vergangene Woche von Arafat beantragt worden. Er hatte die arabische Welt zu einer härteren Gangart gegenüber Israel aufgerufen.

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