Hamas kündigt Vergeltung an
Militanter Palästinenser im Westjordanland erschossen

Einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Selbstmordanschlags auf eine Discothek in Tel Aviv ist am Sonntag im Westjordanland erschossen worden. Palästinensische Regierungsvertreter machten Israel für den Tod von Abed Rahman Hamad verantwortlich, der auf dem Dach seines Hauses in Kalkilja von zwei Kugeln in die Brust getroffen wurde.

ap JERUSALEM. Kurz danach gab das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon eine Stellungnahme heraus, nach der Hamad für den Anschlag am 1. Juni verantwortlich sein soll; damals waren 23 Menschen getötet worden. Israel wollte nicht sagen, ob seine Sicherheitskräfte Hamad erschossen.

Hamad war ein Führer der militanten Hamas-Bewegung im Raum Kalkilja. Er stand auf der Liste gesuchter Palästinenser, deren Festnahme Israel fordert. Die palästinensische Autonomiebehörde nahm Hamad nach israelischen Angaben vorübergehend fest, ließ ihn aber vor etwa einem Monat wieder frei. Der Gouverneur von Kalkilja, Mustafa Malki, warf Israel einen schwerwiegenden Verstoß gegen die vor mehreren Wochen vereinbarte Waffenruhe vor.

Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo erklärte, der Tod Hamads zeige, dass Israel keinen Frieden und keine Waffenruhe wolle. Die Palästinenser müssten sich bewusst sein, dass sie Israels Versprechen nicht glauben könnten. Rabbo sagte weiter, Israel sei zu seiner Politik der gezielten Tötung zurückgekehrt. Israel hat in den vergangenen Monaten zahlreiche militante Palästinenser töten lassen, jedoch nicht seit der Vereinbarung über eine Waffenruhe am 26. September.

Vergeltung angekündigt

Die Hamas kündigte an, sie werde für Hamads Tod Vergeltung üben. "Widerstand gegen diese hässliche Aggression ist die einzige Sprache, die gesprochen werden kann", sagte der Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi. "Es gibt keinen Zweifel, dass die Hamas auf diese Verbrechen reagieren wird." Die Hamas und andere Gruppen weigern sich, den vom palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat ausgerufenen Waffenstillstand anzuerkennen. Israel erklärte, Arafat müsse mehr tun, um radikale Gruppen unter Kontrolle zu bringen.

Scharon informierte während einer Kabinettssitzung die Minister über seine Absicht, die Reisebeschränkungen für die Palästinenser in Hebron zu lockern. Israelische Truppen hatten vor zwei Wochen mit Panzern zwei palästinensische Stadtteile besetzt, nachdem immer wieder auf israelische Siedler im Zentrum von Hebron geschossen worden war. Der palästinensische Parlamentspräsident Ahmed Kureia sagte am Samstag, die Lockerung sei am Freitag während eines Treffen mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres zugesagt worden. Einzelheiten über die beabsichtigte Lockerung der Abriegelung nannte Kureia jedoch nicht.

Am Samstag kam es zu neuen Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten. Israelische Soldaten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein, um rund hundert Palästinenser vor einer Straßensperre bei Nablus im Westjordanland zurückzuhalten. Ein Palästinenser, der bei antiamerikanischen Protesten in Gaza am Montag angeschossen worden war, erlag laut Krankenhausangaben am Samstag seinen Verletzungen.

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