Hamas lehnt Beteiligung am Kabinett Arafats ab
Gericht ordnet Freilassung von PFLP-Chef an

Trotz internationaler Bemühungen um eine Lösung im Nahost-Konflikt gehen die israelischen Militäraktionen im Westjordanland weiter. Die Armee umstellte am Montagmorgen das Flüchtlingslager Ain Bet Ilma bei Nablus und nahm rund 400 Palästinenser fest. Ein palästinensisches Militärgericht ordnete die Freilassung des Chefs der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) an, der in Jericho unter amerikanischer und britischer Bewachung steht.

WiWo/ap JERUSALEM. Die radikale Hamas lehnte eine Mitarbeit im Kabinett des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat ab. Die israelische Armee stationierte Panzer am Rande des Lagers Ain Bet Ilma. Über Lautsprecher wurden dann alle männlichen Bewohner zwischen 15 und 50 Jahren aufgefordert, vor ihr Haus zu treten. In vier Bussen wurden rund 400 Palästinenser dann zu einem nahe gelegenen israelischen Militärlager zum Verhör gebracht.

Auch nach Kalkilja drangen Panzer ein. Über die Stadt wurde ein Ausgehverbot verhängt, während Soldaten nach mutmaßlichen Terroristen suchten. Zuvor hatten die israelischen Streitkräfte im Flüchtlingslager Balata im Westjordanland acht ausländische Friedensaktivisten festgenommen. Sie wurden zwecks Abschiebung der Polizei übergeben. Nach deren Angaben befinden sich unter den Betroffenen auch ein jordanischer Journalist und zwei US-Bürger. Die Gruppe wollte in dem Lager ihre Solidarität mit den Palästinensern bekunden.

PFLP-Chef Ahmed Saadat und vier seiner Anhänger waren wegen der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehavam Seevi im vergangenen Oktober von der palästinensischen Autonomiebehörde festgenommen und verurteilt worden. Die Fünf wurden nach dem israelischen Truppeneinmarsch in das Westjordanland in die Residenz Arafats in Ramallah gebracht und waren dort wochenlang mit ihm eingeschlossen.

Nach internationaler Vermittlung wurden sie schließlich amerikanischen und britischen Beamten überstellt. Diese äußerten sich zunächst nicht zu der Forderung des palästinensischen Gerichts nach Freilassung Saadats. Auch Arafats Berater Nabil Abu Rdeneh lehnte jeglichen Kommentar ab. Beobachter rechneten vorerst nicht mit einer Erfüllung des Gerichtsentscheids. Israel hatte stets die Auslieferung des PFLP-Chefs verlangt, schließlich aber der internationalen Lösung für seine Bewachung zugestimmt.

Neue Vermittlungsmission Tenets

Die PFLP hat ebenso wie die Demokratische Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) und die Organisation Islamischer Dschihad das Angebot Arafats zur Mitarbeit in einem neuen palästinensischen Kabinett abgelehnt. Am Montag schloss sich auch die radikale Hamas dieser Absage an. Man glaube nicht, dass eine Kabinettsbeteiligung die Sache der Palästinenser fördern könne, erklärte das führende Hamas-Mitglied Mahmud Sahar in Gaza. Die Hamas ist für die meisten der rund 60 Selbstmordattentate der letzten Monate verantwortlich. Unterdessen gingen die internationalen Vermittlungsbemühungen weiter. CIA-Chef George Tenet wurde im Westjordanland erwartet, um über einen Neuaufbau der palästinensischen Sicherheitskräfte zu verhandeln. Tenet wollte noch am Montagabend mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zusammentreffen.

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