Hamas schließt sich Feuerpause an
Erneute Zusammenstöße im Westjordanland

Auch nach der Zustimmung der radikalen Hamas-Bewegung und der Fatah zur Waffenruhe ist es am Dienstag zu Zusammenstößen im Westjordanland gekommen.

ap WASHINGTON/JERUSALEM. Der israelische Außenminister Schimon Peres sprach trotzdem von einem Rückgang der Gewalt. US-Außenminister Colin Powell mahnte Israel, die Waffenruhe einzuhalten. Den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat forderte er in einem Telefongespräch auf, die Hintermänner des Terroranschlags von Tel Aviv festzunehmen.

Im Norden von Ramallah setzte die israelische Armee am Dienstag Gummigeschosse gegen Demonstranten ein. Nach palästinensischen Angaben wurden zehn Personen verletzt. In Hebron lieferten sich Sicherheitskräfte beider Seiten ein Feuergefecht, bei dem eine Person verletzt wurde. Der israelischen Armee zufolge hatten die Palästinenser das Feuer eröffnet. Im Westjordanland wurden am Dienstagmorgen israelische Fahrzeuge beschossen.

Peres wertete das Nachlassen der Gewalt als Zeichen für den offiziellen Beginn des Waffenstillstandes, zum dem man gratulieren könne. Israel erwarte jetzt acht Wochen Ruhe, bevor mit Friedensgesprächen begonnen werden könne, sagte Peres am Dienstag im israelischen Armeeradio.

Die Hamas, die sich zum Tel Aviver Bombenanschlag vom Freitag mit insgesamt 21 Toten bekannt hatte, erklärte, sie werde ab Dienstag ihre Angriffe auf israelischem Territorium einstellen. Damit solle Israel Gelegenheit für den Nachweis gegeben werden, dass es seine Politik der Attentate und der Zerstörung aufgegeben habe, hieß es in einer Erklärung der Hamas und der von Arafat geführten Fatah.

Die Gruppe Islamischer Dschihad und der radikale Flügel der PLO akzeptierten die Waffenruhe nicht. In Syrien forderten am Dienstag Tausende Demonstranten eine Fortsetzung des Palästinenseraufstands. Der Fatah-Führer im Westjordanland, Marwan Barghuti, sagte, die Waffenruhe gelte nur in Gebieten, die vollständig unter palästinensischer Kontrolle stünden. In anderen Gebieten sei der Widerstand der Palästinenser legitim.

Nach den Worten des palästinensischen Generaldelegierten für Deutschland, Abdallah Frangi, könne man von Arafat keine Unterbindung der Gewalt erwarten, wenn man ihm jede Kontrollmöglichkeit nehme. "Arafat sitzt heute in seinen Gebieten als Gefangener", sagte Frangi am Dienstag im Deutschlandradio. Dennoch werde er für jede einzelne Aktion verantwortlich gemacht.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sagte am Montagabend, er erwäge die Schaffung einer von den Streitkräften gesicherten Pufferzone zwischen Israel und dem Westjordanland, damit Attentäter nicht ungehindert nach Israel einreisen könnten.

Der EU-Bevollmächtigte für Außenpolitik, Javier Solana, zeigte sich zuversichtlich für eine politische Lösung. Zunächst müsse aber die gegenwärtige Situation stabilisiert werden, sagte er in Helsinki. Bundesaußenminister Joschka Fischer, der zwischen beiden Seiten vermittelt hatte, erklärte, die internationale Gemeinschaft werde jede Übereinkunft zwischen Israelis und Palästinensern überwachen müssen. Die USA würden dabei die Führung übernehmen, Europa werde sich daran beteiligen. Fischer reiste inzwischen nach Kairo, wo er unter anderem Gespräche mit Präsident Husni Mubarak führen wollte.

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