Hamburg
Herzstillstand nach Zwangsmedikation

Ein mutmaßlicher Drogenhändler aus Kamerun hat in Hamburg nach der zwangsweisen Verabreichung eines Brechmittels durch die Justiz einen Herzstillstand erlitten und befindet sich in Lebensgefahr.

Reuters HAMBURG. Der vor seinem Eintritt in die Politik als Richter Gnadenlos bekannt gewordene Hamburger Innensenator Ronald Schill teilte am Sonntag weiter mit, der 19-Jährige habe sich heftig dagegen gewehrt, das Medikament einzunehmen. Daraufhin sei ihm das Mittel im Institut für Rechtsmedizin zwangsweise verabreicht worden. Dabei habe der Mann einen Herzstillstand erlitten und werde nun auf der Intensivstation des Eppendorfer Universitätskrankenhauses behandelt. Das Verabreichen des Medikaments sei vom Bereitschaftsstaatsanwalt angeordnet gewesen.

Drei Minuten nach dem Verabreichen von 30 Millilitern Brechwurzelsaft und 800 Millilitern Wasser habe die Gesichtsfarbe des Mannes gewechselt und er habe das Bewusstsein verloren, sagte Schill. Versuche der Ärzte, ihn zu reanimieren, seien fehlgeschlagen. Vor der Zwangsmedikation habe sich der Mann auf den Boden geworfen und auf Englisch gerufen "Ich werde sterben". Daraufhin sei sein Pulsschlag überprüft worden, der aber normal gewesen sei.

Der Leiter der Rechtsmedizin, Klaus Püschel, sagte vor Journalisten, wegen heftiger Gegenwehr des Mannes sei nicht überprüft worden, ob dieser an schweren Krankheiten litt. Es sei denkbar, dass der Mann in den nächsten Tagen sterbe. Wahrscheinlich habe er schwere Hirnschäden davon getragen. Der Auslöser des Herzstillstandes sei noch unklar. Denkbar sei, dass durch das Legen der Magensonde ein Reflex von Nerven ausgelöst wurde, die mit dem Herzen in Verbindung stehen.

Verzicht auf Brechmitteleinsatz abgelehnt

Justizsenator Roger Kusch kündigte Aufklärung des Falles an, lehnte einen Verzicht auf den Brechmitteleinsatz aber ab. "Es gibt bei solchen Einsätzen immer ein Risiko", sagte er. Der Verzicht wäre aber eine nicht zu schließende Lücke in der Ermittlungstätigkeit. Brechmittel wurden nach Schills Worten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren mehr als 1 000 Mal eingesetzt, ohne dass es zu derartigen Folgen gekommen sei. Seit ihrer Einführung in Hamburg im Juli habe es 26 Brechmitteleinsätze gegeben, davon acht allein diesem Wochenende.

Schill hatte im Wahlkampf ein härteres Vorgehen gegen Kriminelle und auch den Drogenhandel angekündigt. Der mutmaßliche Drogenhändler war nach Angaben der Justizbehörde bereits mehrfach wegen Drogenhandels in Erscheinung getreten und sei am Sonntag bei der Einnahme weißer Pillen beobachtet worden. Ob und um welche Droge es sich dabei handele, werde noch untersucht.

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