Hamburger Großinvestor feilscht mit den Banken
Ehlerdings Nöte setzen WCM unter Druck

Der finanziell angeschlagene Hamburger Großinvestor Karl Ehlerding steht offenbar kurz vor der Einigung mit den Gläubigerbanken über seinen Anteil an der WCM AG. Gestern lud die Vereins und Westbank - zunächst kurzfristig für den Nachmittag zu einer Pressekonferenz mit Ehlerding ein, sagte sie aber dann überraschend wieder ab.

lip/hz/mm HAMBURG. Die Entscheidungsgremien einzelner Banken müssten noch zustimmen, sagte ein Sprecher der Hamburger Tochter der Hypo-Vereinsbank zur Begründung. Nach Informationen des Handelsblatts müssen sich die Banken noch über den Preis einigen, zu dem sie Ehlerdings WCM-Aktienpaket übernehmen wollen. Die Vorstände der Institute wollen sich am heutigen Dienstag ein weiteres Mal mit dem Problem beschäftigen.

Ein Bankenpool aus Deutsche Bank, Hamburgische Landesbank, WGZ Bank, Vereins und Westbank - sowie Berliner Bankgesellschaft will Ehlerding und seiner Ehefrau so schnell wie möglich den Zugriff auf ihre WCM-Anteile entziehen, um damit einen großen Teil der privaten Schulden des Firmenjägers zu decken.

Der Multimillionär Ehlerding und seine Frau besitzen rund 36 % der Frankfurter Immobilien- und Beteiligungsholding WCM, die unter anderem Anteile an der IVG AG und den Klöckner-Werken hält. Ehlerding ist in Nöten, weil er sich vor allem mit einer Beteiligung an der Commerzbank verspekuliert hat. Seine Finanzschulden sollen sich mittlerweile auf 500 Mill. Euro belaufen.

Ein Investor war auf die Schnelle nicht zu finden

Die Banken hatten Ehlerding bereits vor einigen Wochen aufgefordert, für einen Anteil von 25 % an WCM einen strategischen Käufer zu finden, um seine Schulden zu halbieren. Doch ein Investor war augenscheinlich auf die Schnelle nicht zu finden. Deshalb haben sich die Gläubigerbanken entschlossen, das Paket vorerst einfach selbst zu übernehmen.

Die Börse reagierte verschnupft auf die neuerlichen Turbulenzen rum um WCM: Die Aktie des im M-Dax notierten Unternehmens sackte gestern zeitweise um mehr als 14 % ab. Die Papiere waren bereits in den vergangenen Wochen schwer unter Druck geraten. Binnen Jahresfrist haben sie bereits 70 % an Wert verloren.

Ein Abkommen zwischen Ehlerding und seinen Gläubigerbanken würden Analysten für vorteilhaft halten. So bewertet Georg Kanders von der WestLB Panmure den geplanten Schritt der Banken grundsätzlich positiv, weil er dem Markt Sicherheit biete. Wenn die Hausbanken sich Zugriff auf den WCM-Anteil sichern sollten, müssten die Anleger nicht mehr befürchten, dass Ehlerding gezwungen sein könnte, die Papiere einfach auf den Markt zu werfen. Das nämlich würde den Kurs des M-Dax-Titels unweigerlich immer weiter in die Tiefe treiben.

Ehlerding gilt als strategischer Kopf von WCM. Seit Anfang der 90er-Jahre ist das Unternehmen als Immobilienkonzern und Beteiligungskäufer aktiv. So kaufte und verkaufte der Konzern unter anderem erfolgreich Anteile am Versicherungsunternehmen Württembergische AG, an der Spar Handels AG und an der Duisburger Klöckner-Werke AG.

Der letzte größere Coup war 2002 die 5,5-prozentige Beteiligung an der Commerzbank. Damit haben sich die Firmenjäger allerdings verspekuliert. Der Kurs der Bankaktie kannte nach kurzem Aufschwung nur noch eine Richtung: abwärts.

Quelle: Handelsblatt

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