Hamburger Landesbank geht mit eigenem Angebot in die Offensive
Spezialinstitut Plus Bank AG steht am Start

Experten plädieren für mehr Konzentration im Markt für Wertpapiertransaktionen. Die Hamburger Landesbank will mit einer neuen Tochter ein gruppenübergreifendes Angebot machen.

HAMBURG. Im hart umkämpften Markt für die Abwicklung und Verbuchung von Wertpapiertransaktionen geht die Hambuger Landesbank (HL) in die Offensive. Mitte des Jahres schicke sie die Plus Bank AG ins Rennen, kündigte der designierte Plus-Bank-Vorstandsvorsitzende Wilfried Bolte gegenüber dem Handelsblatt an. Das Institut werde aus der ausgelagerten Abwicklungsabteilung der HL und ihrer Tochter SWS GmbH gebildet. In den Aufbau der Abwicklungsbank mit rund 350 Mitarbeitern investiert die Landesbank 15 bis 20 Mill. Euro.

Erst vor knapp zwei Jahren hatte sich die HL aus der gemeinsam mit der WestLB betriebenen WPS Bank gelöst - was sie einen zweistelligen Millionenbetrag kostete. Seitdem betreiben die Hamburger die Abwicklung wieder in Eigenregie, wobei sie ihr ursprüngliches System EWS Plus weiter entwickelt haben. Bereits heute reklamiert Bolte die "Qualitätsführerschaft" für sein Haus. "Kein anderer Abwickler in Deutschland kann gleichzeitig so komplexe Finanzmarktprodukte wie Derivate oder Schuldscheine in einem einheitlichen Depot führen", sagt Bolte. "Unser System weist - anders als bei vielen Konkurrenten - nicht nur eine juristische sondern auch eine funktionale Mandantenfähigkeit auf".

Derzeit herrscht auf dem Markt bunte Vielfalt. Die großen Geschäftsbanken wie Deutsche oder Dresdner haben alle eigene Abwicklungstöchter oder-bereiche. Hinzu kommt eine Hand voll Abwickler im Sparkassenlager und schließlich die BWS für die genossenschaftlichen Banken. Wegen hoher Kosteneinsparungen plädieren die meisten Experten für eine Konzentration der Anbieter.

Trotzdem sehen die Hamburger Chancen für ihren Weg. So setze die Düsseldorfer WPS auf einen maschinellen Ansatz, sagt Bolte, der selbst bei der WPS im Vorstand saß. Dagegen schneide die Plus Bank ihre Abwicklungsangebote individuell auf die Kunden zu. Bolte räumt aber ein, dass die HL bei der zu Bruch gegangenen Partnerschaft mit der WPS "Federn gelassen hat".

Obwohl die Hamburger Service in den Mittelpunkt ihrer Strategie stellen, sehen sie keine Preisnachteile und erklären, "wir können uns mehr als messen." Durch die Installation optimaler Abläufe könnten Kunden letztlich mehr sparen, als bei der reinen Bündelung von Volumen. "Hier können alle Beteiligten mehr Geld verdienen, als bei Skaleneffekten, welche die großen Konkurrenten auch noch beweisen müssen." Nun wollen sie vor allem mittelständische Kunden ins Visier nehmen.

Für die Hamburger macht auf Sicht eine reine Verbundlösung keinen Sinn. "Das Geschäft hat wenig mit dem Verbund zu tun", sagt Bolte und verweist auf die Praxis seines Hauses. Das betreut rund 650 000 Depots von knapp 80 quer durch die Bankgruppierungen. Dafür wickelte die HL vergangenes Jahr 2,3 Mill. Transaktionen ab.

Anders wird dies in Nordrhein-Westfalen gesehen. Erst kürzlich haben die dortigen Sparkassen den Kauf der WPS-Bank von der WestLB bekannt gegeben. Erklärtes Ziel ist es, daraus einen Verbundanbieter für alle Sparkassen und Landesbanken zu schmieden. "In jedem Fall sollen sich alle Sparkassenverbände daran beteiligen können", sagte ein WLSGV-Sprecher. Auch die Hamburger sind kooperationsbereit: "Wir sind grundsätzlich offen für strategische Partner, die ihr Geschäft mitbringen", sagt Peter Rieck.

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