Hamburger Versand streicht 13. Gehalt zusammen
Otto kappt 12 000 Mitarbeitern die Zulagen

Der Hamburger Otto-Versand, weltweit größter Versender, tritt angesichts der äußerst schwachen Einzelhandelskonjunktur auf die Kostenbremse. Der Konzern kappt in Deutschland für seine rund 12 000 Mitarbeiter die im Weihnachtsgeld enthaltenen übertariflichen Gehaltszulagen und zahlt das Weihnachtsgeld nur noch als Tarifgehalt. So sollen Kosten in zweistelliger Millionenhöhe gespart werden.

HAMBURG. Selbst das Tarifentgelt wird nicht in voller Höhe überwiesen: Einen Anteil von 37,5 % erhalten die Mitarbeiter in Form von Warengutscheinen. Damit folgt der Otto-Versand dem Modell von Karstadt-Quelle, der vor einigen Jahren ebenfalls Warengutscheine an seine Arbeitnehmer ausgab. "Der Otto-Versand hat sich wegen der verschlechternden Einzelhandelslage in Deutschland dazu entschlossen, den übertariflichen Sockel zu reduzieren", erklärte ein Firmensprecher die Entscheidung.

Für den Otto-Konzern ist die jetzt mit dem Betriebsrat getroffene Vereinbarung ein Novum: "Erstmals in der Firmengeschichte des Unternehmens greift Otto in die Besitzstände der Mitarbeiter ein", sagte ein Betriebsratsmitglied dem Handelsblatt. Damit muss der Vorzeigeunternehmer und Vorstandschef Michael Otto, der vor einigen Monaten zum "Manager des Jahres" gewählt wurde, erstmals Einschnitte im Konzern machen, um die Kostensituation wieder in den Griff zu bekommen.

Die Gewerkschaft Verdi bewertet die Maßnahme als notwendig, um die weitere Wettbewerbsfähigkeit des Versenders zu gewährleisten. "Der Otto-Versand ist gezwungen, sich der veränderten Lage im Einzelhandel anzupassen", erklärte eine Sprecherin der Gewerkschaft.

Bereits im vergangenen Geschäftsjahr 2000/2001 (28. Februar) hatte der Handelskonzern bei einem Umsatzplus von knapp 13 % auf 17 Mrd. Euro einen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Jahresüberschuss war auf 258 (322) Mill. Euro gesunken. Für das bis zum kommenden Donnerstag laufende Geschäftsjahr nennt Otto noch keine Zahlen. Der Versender hatte im August 2001 aber angekündigt, dass der Konzernumsatz bis dato nur um 2,5 % zugelegt habe. Dabei hatte der Vorstand aber noch nicht die Auswirkungen der Terroranschläge des 11. Septembers gekannt, die dem Handel weltweit einen Dämpfer versetzt hatten.

Wie das Handelsblatt aus firmeninternen Kreisen erfuhr, befürchten die Mitarbeiter nach den jetzigen Gehaltseinbußen weitere Schritte. Danach werden Stellenstreichungen im Inland nicht mehr ausgeschlossen. Ein Unternehmenssprecher wies dies jedoch vehement zurück: "Es ist kein Arbeitsplatzabbau geplant."

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