Handball
"Kretzsches" letzte Chance

Das Programm wird seit vier Jahren in Stefan Kretzschmars Kopf abgespult: Die Schmach bei den Jahrhundertspielen von Sydney. Seitdem ist der Handballer auf Gold programmiert. Freundin Franziska van Almsick zeigt sich verständnisvoll.

HB ATHEN. "Mir ist es nicht wichtig, dass er auf der Tribüne sitzt. Nach Athen werden wir füreinander genug Zeit haben", sagte die Weltklasse-Schwimmerin.

Handball-Nationalspieler Kretzschmar, der auf Grund von Verletzungen sowohl das WM- als auch das EM-Finale verpasst hatte, konzentriert sich voll auf seine Mission. "Ich habe vier Jahre hart dafür gearbeitet, dass ich diese Sache von Sydney gerade rücke. Es ist die letzte Chance", sagte der 31-Jährige, der bei seinem 45-minütigen Einsatz im Auftaktspiel gegen Griechenland mit fünf Toren glänzte und auch beim Spiel am Montagabend gegen Ägypten eine Schlüsselrolle einnehmen sollte.

Olympische Meilensteine pflastern den steinigen Weg des schrillen Kretzschmar, der von sich selbst sagt, dass er vom Image her total verkannt wird. "Das ist aber okay, daher habe ich genug Freiräume." Schon seine Eltern Pit (Trainer) und Waltraud legten ihm mit drei WM-Titeln Handball-Gold in die "Wiege". Mittlerweile erlebt der Linksaußen vom SC Magdeburg seine dritte Olympia-Teilnahme. Geprägt haben ihn die Erfahrungen in Australien. Mit dem Lattentreffer in letzter Minute und den damit verbundenen Viertelfinal-Aus gegen Spanien erlebte er die wohl bitterste Stunde seiner Karriere. "Auch wenn du es nicht willst, die Szene kommt ab und zu in deinen Kopf. Wenn du nachts träumst oder wenn du Handball spielst in bestimmten Situationen", sagte er in einem Interview mit dem Magazin FHM.

Bei der anschließenden "Trostrunde" mit Franziska van Almsick - die in Sydney selbst im Tal der Tränen steckte - wurde ein neues Ziel angepeilt: Gold in Athen. Dafür änderten beide Stars ihre privaten Verhältnisse und fanden zusammen ihre neue Liebe. "Er hat mich wieder ausgegraben, dafür bin ich ihm dankbar", betont die Berlinerin immer wieder. Selbst der in dieser Zeit schon sehr zielbewusste, aber immer noch ausgeflippte Piercing-Träger, dessen Körper mit 16 Tätowierungen verziert ist, entdeckte dank "Franzi" neue Werte.

"Durch sie habe ich gelernt, mehr Verantwortung zu übernehmen und auch im Training bewusster und härter zu trainieren", meinte der "Beckham der Handball-Szene". Er machte auch keinen Hehl daraus, dass er zu früheren Gummersbacher Zeiten hin und wieder Marihuana gekifft hatte - bis es auf der Dopingliste aufgenommen wurde. Der einstige MTV-Moderator mit eigener Modekollektion "K 73" (Kempa), der nach seinen noch laufenden Drei-Jahres-Vertrag in Magdeburg einen Anschlusskontrakt als Marketingchef hat, kennt schon sein Szenario nach dem Handball-Finale am 29. August: "Im Extremfall liege ich mit der Medaille irgendwo in der Ecke. Das wäre der Optimalfall."

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