Handballer Frank von Behren muss sich beim World-Cup in Schweden bewähren
Ein verlorener Sohn kehrt heim

Nichts ist beständiger als der Wandel. Anfang des Jahres noch als Ausgestoßener bezeichnet, soll Handballer Frank von Behren inzwischen wieder zur wichtigen Stütze im deutschen Nationalteam werden. Wie schon im Januar sind die Erwartungen an den Rückraumspieler des VfL Gummersbach auch jetzt beim World-Cup in Schweden enorm hoch. Ob er ihnen gerecht wird, ist fraglich.

FRANKFURT. Damals teilte er nur wenige Tage vor dem Start der Europameisterschaft mit, er werde nicht teilnehmen, weil er nach überstandenem Kreuzbandriss nicht "über die nötige Spielpraxis" verfüge. Der wahre Grund wurde aber in dem harten Konkurrenzkampf um die Spielmacher-Position vermutet: Hinter Pascal Hens und Daniel Stephan war er nur Nummer drei - für die Ansprüche des einstigen Kapitäns der Nationalmannschaft zu wenig. Linksaußen Stefan Kretzschmar empfand ebenso wie große Teile des Teams, dass von Behren sie mit seiner Entscheidung im Stich gelassen habe und prophezeite ihm, er werde "nie wieder ein Länderspiel machen".

Bei den Olympischen Spielen in Athen aber sah sich Bundestrainer Heiner Brandt gezwungen, sein durch Verletzungen dezimiertes Team aufzufüllen. Er überwand seinen Ärger ("Als Mensch muss ich diese Entscheidung akzeptieren, als Trainer weniger") und nominierte den umstrittenen verlorenen Sohn nach. Deutschland gewann Silber. Von Behren glänzte nicht, war aber dabei und wieder als Teammitglied akzeptiert. "Ich fühle mich so, als sei ich wieder zu Hause angekommen", meinte er im Anschluss.

Jetzt, beim Acht-Nationen-Turnier in Schweden, ist der 28-Jährige nach Daniel Stephan der Zweitälteste in der stark verjüngten Truppe des Deutschen Handballbundes. Brand wollte nach dem Rücktritt von Kretzschmar und vier weiteren Leistungsträgern in Schweden einen Neuanfang wagen, doch wegen der vielen verletzungsbedingten Absagen musste er umbauen: "Eigentlich wollten wir beim World-Cup das Team 2006/2007 sehen. Jetzt sieht es eher nach einem Sichtungslehrgang für 2012 aus", kommentierte der Coach seine durchschnittlich 24,1 Jahre alte Nachwuchs-Truppe.

Umso wichtiger seien die Stützen Florian Kehrmann, Daniel Stephan und Frank von Behren, die mit jeweils mehr als hundert Länderspielen die Routiniers und die einzigen teilnehmenden Silbermedaillen-Gewinner von Athen sind. Beim 29:28 Auftaktsieg am Dienstag gegen Island wusste das neuformierte Team zu überzeugen. Bis auf einen. Von Behren.

Der verheiratete Familienvater kassierte die einzigen beiden Zeitstrafen der Partie - und konnte nicht einen Wurf im gegnerischen Netz versenken. Die Erwartungen an ihn sind hoch. Der Kredit, der ihm von Mannschaft, Trainer und Fans zugebilligt wird, dagegen ist niedrig. Bis Sonntag hat von Behren Zeit, die kritischen Stimmen verstummen zu lassen.

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