Handel eingestellt
AmaTech kann nicht mehr zahlen

Die am Neuen Markt gelistete AmaTech AG ist zahlungsunfähig und will die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragen.

Reuters PFRONTEN. Vorstand und Aufsichtsrat hätten in der Nacht zum Mittwoch die Zahlungsunfähigkeit der AG und zweier Tochtergesellschaften festgestellt, teilte der Hersteller kontaktloser Übertragungstechnik am Mittwoch in Pfronten im Allgäu mit.

Die Unternehmensgruppe könne ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen, sei aber nicht überschuldet. Der Antrag auf Insolvenz soll am Mittwoch beim zuständigen Gericht eingereicht werden.

Zahlungsunfähig sind nach Angaben von Amatech überdies die operativen Tochtergesellschaften AmaTech Electronic Components Manufacturing GmbH und AmaTech Automation GmbH. Eine Sprecherin des Amtsgerichts Kempten sagte, bis zum Mittwochvormittag seien noch keine entsprechenden Anträge eingegangen.

Für weitere Auskünfte war niemand zu erreichen. Vorstandschef Willem Haverkamp sei die ganze Woche nicht im Hause, hieß es.

Der 55 Jahre alte ehemalige Phillips-Manager Haverkamp hatte im März den Vorstandsvorsitz von David Finn übernommen, gegen das das Unternehmen inzwischen Strafanzeige erstattet hat. Finn versuche, ein Konkurrenzunternehmen aufzubauen, und bediene sich dabei unerlaubt der Patente von AmaTech. Gelinge ihm dies, sei der Hersteller von Chipkarten zur kontaktlosen Datenübertragung in seiner Existenz gefährdet, hatte ein Sprecher Ende Juni gesagt.

Finn, der zuletzt noch 2,9 Millionen Aktien von Amatech hielt, bezeichnete die Vorwürfe als falsch. Sein Rechtsanwalt sagte, sie dienten vermutlich nur dazu, Finn zum Verkauf seiner Aktien zu bewegen, um den Einstieg eines Investors zu ermöglichen.

Die 1992 gegründete Amatech war im Juni 2000 an den Neuen Markt gegangen. Die Aktien waren für 20 Euro ausgegeben worden. Im vergangenen Jahr hatte Amatech seine Umsatzerwartung von 36 Millionen Euro um 3,4 Millionen Euro verfehlt und 25,2 (2000: minus 8,8) Millionen Euro Verlust nach Steuern geschrieben. Der neue Vorstand wollte daraufhin einen radikalen Sanierungskurs einschlagen und schloss die Produktion in den USA.

Zum 31. März gab Amatech die flüssigen Mittel noch mit 1,6 Millionen Euro an, ein Jahr zuvor waren es noch über 21 Millionen Euro. Im ersten Quartal verbuchte Amatech bei 4,6 Millionen Euro Umsatz erneut 3,0 Millionen Euro Verlust. Zum 31. März hatte das Unternehmen 258 Mitarbeiter. Danach sollte ein drastischer Personalabbau starten.

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