Handel: Rücknahmesystem scheitert
Mehrwegbranche will klagen

Nach der Absage des Handels an ein einheitliches Rücknahmesystem für Dosen und Einwegflaschen drohen Vertreter der Mehrwegbranche nun mit rechtlichen Schritten.

Reuters BERLIN. Die Erfrischungsgetränkebranche fürchtet wegen der erwarteten Auslistung von Einweg in vielen Handelsketten nun starke Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzverluste. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) bekräftigte, für viele Handelsunternehmer sei die Auslistung von Einweg preiswerter als die Investitionen in ein einheitliches Rücknahmesystem. Das milliardenteure System sei daher zum Scheitern verurteilt.

Der Hersteller für Rücknahmeautomaten, Prokent AG, erklärte, die Entwicklung der Technik für das Einwegsystem werde dennoch gemeinsam mit dem Marktführer Tomra und den anderen Unternehmen in der Projektgruppe fortgesetzt. Tomra selbst war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der weltweite Marktführer für Rücknahmeautomaten hatte sich deutliche Umsatzzuwächse vom Einweg-Rücknahmesystem erhofft. Die Tomra-Aktien brachen am Mittwoch ein und lagen gegen Mittag rund 10,5 Prozent unter Vortagesschluss bei 30,90 Kronen.

"Der Handel zeigt, dass man ihm nicht vertrauen kann und nicht vertrauen darf", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands mittelständischer Privatbrauereien, Roland Demleitner, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die auf Mehrweg konzentrierte mittelständische Brauindustrie werde nun gerichtlich gegen den Handel vorgehen. "Es gab klare, verbindliche Zusagen, die nicht eingehalten worden sind. Wir werden nun entsprechend den Vollzug der geltenden Verpackungsverordnung einfordern", fügte Demleitner hinzu.

Die auf Einweg spezialisierte Erfrischungsgetränkeindustrie rechnet nun mit starken Umsatzeinbrüchen. Es sei zu erwarten, dass viele Handelketten nun Einweg auslisteten, sagte , Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke, Ernst Kammerinke, Reuters. Der Einweg-Umsatz werde sich dann nur noch auf Discounter wie Aldi beschränken, die ein separates Rücknahmesystem einführen wollen. Wenn es nicht zu einer anderen politischen Lösung komme, werde es in der Branche statt der momentanen Kurzarbeit Entlassungen geben, fügte Kammerinke hinzu. Rund 1000 Arbeitsplätze seien gefährdet.

Der HDE geht davon aus, dass das Rücknahmesystem scheitert, wenn viele große Handelsunternehmen sich wie vom Verband erwartet nicht daran beteiligen. "Wenn die Großen nicht mitmachen, wird es keine einheitliche Rücknahme geben", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Hoger Wenzel in Berlin.

Ein Sprecher des Thüringer Pfand-Automatenherstellers Prokent sagte Reuters, die Gruppe, die vom Handel den Auftrag zur Entwicklung der Pfandrücknahme-Technik erhalten habe, werde ihre Arbeit fortsetzen. Hier sei man sich mit den beteiligten Unternehmen einig. "Wir gehen den Weg weiter und bringen das System zur Serienreife. Es macht jetzt keinen Sinn, mittendrin aufzuhören, die Sicherheitstechnik ist nahezu ausgereift." Er gehe nicht davon aus, dass der Handel es durchhalten werde, Einweg komplett auszulisten.

Trittin hatte der Wirtschaft am Dienstagabend vorgeworfen, ihre verbindliche Zusage zum Aufbau des Pfandsystems gebrochen zu haben. Damit sei im Gegenzug die Zusage des Ministeriums hinfällig, dass das Einweg-Pfand bis zum 1. Oktober nur beim Endverbraucher erhoben wird. Nach der Verpackungsverordnung müsse das Pfand nun auf jeder Stufe des Zwischenhandels erhoben werden.

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