Handelsbeziehungen
Konfuzius und Sokrates in einem Boot

Mit seinem Besuch im Reich der Mitte im Januar hat der griechische Regierungschef Kostas Karamanlis seine Begesisteruing für China entdeckt. Nun soll Griechenland zum Umschlagplatz für Chinas Handel im Mittelmeerraum und in Südosteuropa werden.

ATHEN. Der griechische Regierungschef Kostas Karamanlis ist ein sehr beschäftigter Mann. Viele warten Monate auf einen Termin beim Premier, manche bekommen ihn nie. Aber Wei Jiafu traf vor kurzem gleich zweimal mit Karamanlis zusammen. Captain Wei, wie er sich gern nennen lässt, ist Präsident der China Ocean Shipping Company (Cosco), eines der größten Schifffahrts- und Logistik-Konzerne der Welt. Ende Juli empfing Karamanlis Wei in seinem Amtssitz, tags darauf ließ er sich hinausfahren vor die Tore Athens, zum Containerhafen Neo Ikonio bei Piräus. Dort wurde der weltgrößte Containerfrachter auf den Namen "Cosco Hellas" getauft. Der Name des 350 Meter langen Schiffes ist Programm: Griechenland will Umschlagplatz für den China-Handel im Mittelmeerraum und Südosteuropa werden.

Seine Begeisterung für das Reich der Mitte hatte Karamanlis im Januar entdeckt, als er als erster griechischer Premier China besuchte. Damals traf er auch Captain Wei. Der Cosco-Chef versprach, eine direkte Linienverbindung zwischen China und Griechenland einzurichten. Seit der Ankunft des Containerschiffs "River Elegance" am 8. April legt nun im Schnitt jede Woche ein Cosco-Frachter in Piräus an.

Bekräftigt wurde die von Karamanlis beschworene "strategische Partnerschaft" Ende Mai in Athen bei einem griechisch-chinesischen Wirtschafts- und Handelsforum. 80 chinesische Firmen schickten Delegationen. Zu den Gästen zählte auch Wu Bangguo, ständiges Mitglied des Politbüros beim Zentralkomitee der KP Chinas und Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses. Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias beschwor bei einem Treffen mit Wu die Geschichte beider Völker: "Wir sind Kinder zweier großer alter Zivilisationen, die unsere Lebensart, unsere Werte und unsere Philosophie geprägt haben. Sie hatten Konfuzius, wir hatten Sokrates."

Die griechischen Reeder, die traditionell die weltgrößte Handelsflotte betreiben, sind mit den Chinesen bereits seit vielen Jahren gut im Geschäft: Sie transportieren etwa 65 Prozent der chinesischen Öl-Importe und mehr als die Hälfte der Eisenerz-Einfuhren. Gleichzeitig gehören sie zu den besten Kunden der Chinesen: So orderten sie in den letzten drei Jahren rund 100 Schiffe bei chinesischen Werften - fast ein Drittel aller in Auftrag gegebenen Neubauten.

Die "Cosco Hellas", die 9 500 20-Fuß-Container transportieren kann, gehört der griechischen Reederei Costamare und ist mit vier weiteren großen Costamare-Containerschiffen langfristig an Cosco verchartert. Doch die Chinesen blicken mit wachsender Ungeduld schon weiter nach vorn. Cosco würde gern in Piräus ein eigenes Containerterminal betreiben, Lagerhallen erwerben und sich an der noch staatlich kontrollierten Hafengesellschaft OLP beteiligen. Auch der nordgriechische Hafen Thessaloniki, der als Tor zum Balkan gilt, weckt das Interesse der Cosco-Gruppe, die zu den weltgrößten Hafenbetreibern gehört. Chinas zweitgrößte Reederei, China Shipping, prüft, ob sich der Hafen Timbaki im Süden der Insel Kreta zum Anlaufpunkt ihrer Containertransporte ins Mittelmeer ausbauen lässt.

Doch bei ihren Plänen stoßen Cosco und China Shipping immer wieder auf die berüchtigte griechische Bürokratie, heißt es in Schifffahrtskreisen. Eine Beschwerde, die Cosco-Chef Wei auch Premier Karamanlis persönlich vorgetragen habe. Der bestellte daraufhin gleich die zuständigen Fachminister ein.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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