Handelsblatt Business-Monitor
Kritik der Wirtschaft an Schröder nimmt deutlich zu

Die Kritik der Führungskräfte der deutschen Wirtschaft an Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Bundesregierung verschärft sich. Deutsche Top-Manager sind im Dezember zunehmend unzufrieden mit der Politik des Kanzlers, ergab die repräsentative Befragung im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors im Dezember.

HB DÜSSELDORF. Die auf einer Skala von 1 (=sehr gut) bis 5 (=sehr schlecht) gemessene Durchschnittsnote für seine Arbeit, im Oktober vor dem Hintergrund des Kampfes gegen den internationalen Terror mit 2,6 deutlich verbessert, sackt im Dezember auf 3,1 ab. Zum Jahresbeginn hatte der Wert noch bei 3,0 gelegen.

Ein Drittel der Führungskräfte (33 %; +17 Punkte gegenüber dem Vormonat) bewertet das Auftreten des Regierungschefs als (sehr) schlecht, 43 Prozent (-1) bezeichnen es als befriedigend und nur noch 23 Prozent (-17) als (sehr) gut. Besonders kritisch äußern sich die Entscheider aus Großunternehmen (Note: 3,3). Je älter die Manager, um so kritischer ist die Bewertung (von 3,0 bei den unter 40-Jährigen bis auf 3,3 bei den ab 60-Jährigen).

>>Grafik zum Wirtschaftsstandort

Ein ähnlicher Trendverlauf - auf noch ungünstigerem Niveau - ist für die Leistungsbewertung der Regierung insgesamt festzustellen. Mit einem Durchschnittswert von 3,5 erhält das rot-grüne Kabinett im Dezember 2001 die schlechteste Benotung des zu Ende gehenden Jahres. Gut die Hälfte der Top-Manager (52 %; +16 Punkte im Ver-gleich zum Vormonat) beurteilen des Erscheinungsbild der Bundesre-gierung als (sehr) schlecht.

Die Begeisterung der deutschen Wirtschaftselite über Steuerreform und Konsolidierungskurs von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) scheint verflogen. Der einstige Hoffnungsträger im Kabinett, zuvor mit Spitzenbenotungen versehen, rangiert im Dezember 2001 mit einer Durchschnittsnote von 3,3 (wie im November) in der Mitte zwischen Bundeskanzler und Bundesregierung. Noch etwas ungünstiger (Note 3,4) wird Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) bewertet, obwohl er sich als einziges im Business-Monitor abgefragtes Kabinettsmitglied im Dezember 2001 leicht verbessern kann: Knapp die Hälfte (48 %) der Top-Manager tadelt seine Amtsführung.

Weiterhin deutlich überwiegender - und im Dezember 2001 gegenüber dem Vormonat noch leicht gewachsener - Kritik sehen sich Bun-desarbeitsminister Walter Riester (Note: 4,0), Verteidigungsminister Rudolf Scharping (4,1) und Bundesumweltminister Jürgen Trittin (4,2) ausgesetzt. Zwischen 76 und 81 Prozent der Führungskräfte beschei-nigen derzeit den drei Kabinettsmitgliedern, "schlechte" bzw. "sehr schlechte" Arbeit zu leisten.

Hingegen erfährt Außenminister Joschka Fischer weiterhin - wie schon im gesamten zweiten Halbjahr 2001 - für sein Wirken großen Zuspruch seitens der Top-Manager. Mit einer Durchschnittsnote von 2,5 (im Dezember 2001; unverändert zum Vormonat) knüpft er an seine guten Imagewerte aus den Zeiten der Kosovo-Krise Anfang 1999 an. 53 Prozent (-3) der Führungskräfte attestieren ihm (sehr) gute Arbeit, nur rund ein Zehntel (9 %; -1) ist unzufrieden. Damit bleibt Fischer der einzige im Rahmen des Business-Monitors bewertete Spitzenpolitiker, der mehr Lob als Kritik erhält.

Einen überraschend deutlichen Sprung aus dem Imagetief macht im Dezember die CDU-Vorsitzende Angela Merkel, die mit einer Durchschnittsnote von 3,2 (nach 3,7 im November) die beste Leistungsbewertung seit Ende 2000 erhält und nahe an die Benotung des Kanzlers heranrückt. Hatten im November noch 58 Prozent der Top-Manager ihr Auftreten gerügt, so sind es zum Ende des Jahres nur mehr 33 Prozent (-25 Punkte). Die CDU-Vorsitzende hat dabei das beste Standing bei Führungskräften ab 50 Jahren und in kleineren Unternehmen.

>>Grafik zur K-Frage bei der Union

Auch wenn die Führungskräfte der Wirtschaft die Arbeit Merkels deutlich wohlwollender bewerten als zuvor, so hält doch nur rund ein Zehntel (11 %) sie für das geeignete "Zugpferd" der Union im Bundestagswahlkampf 2002. Hierfür betrachtet man sogar ihren Vorgänger im Parteivorsitz, Wolfgang Schäuble, der erst jüngst wieder ins Spiel der "K-Frage" gebracht wurde, als geeigneter (17 %). Klare Empfehlung der Top-Manager an die CDU/CSU ist es aber, mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen: 58 Prozent finden, Stoiber sei hierfür die geeignetste Besetzung.

Im Auftrag des Handelsblatts nimmt das Psephos-Institut für Wahlforschung und Sozialwissenschaft (Hamburg-Potsdam-Bonn) Befragungen eines repräsentativen Panels von Führungskräften der Wirtschaft in Deutschland vor. Diese werden - mit Ausnahme der Sommerpause - monatlich durchgeführt. Im Rahmen des Business-Monitors im Dezember wurden vom Psephos-Telefonstudio, Hamburg, 855 Führungskräfte in der Zeit vom 3. bis 14. Dezember 2001 mit einem standardisierten Fragebogen befragt. Auf Grund der Stichprobenanlage ist die Befragung repräsentativ.

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