Handelsblatt Business-Monitor
Politischer Streit bedroht das US-Geschäft

Keine Hoffnung, nirgends. Aus Sicht von Deutschlands Top-Manager sehen Lage und Perspektiven des Wirtschaftsstandorts weiterhin schlecht aus. Viele wollen daher in den nächsten zwölf Monaten weiter Personal abbauen und ihre Investitionen verringern. Dies zeigen die Mai-Zahlen des Handelsblatt Business-Monitors, einer monatlichen Repräsentativ-Umfrage des Psephos-Instituts unter gut 800 deutschen Führungskräften im Auftrag des Handelsblatts.

DÜSSELDORF. Nicht einmal von einer Umsetzung der "Agenda 2010" verspricht sich die Mehrheit der Manager eine schnelle und deutliche Besserung. Und neben den altbekannten Problemen fürchtet ein Teil der Wirtschaftselite neues Ungemach: Jeder vierte Befragte rechnet mit wirtschaftlichen Einbußen für sein Unternehmen, falls sich die politischen Spannungen zwischen Deutschland und den USA nicht schnell legen. Allerdings zeigte der Business-Monitor im Frühjahr, dass die Mehrheit der Manager hinter dem Anti-Kriegskurs der Regierung stand.

Besonders groß ist die Sorge vor wirtschaftlichen Kollateralschäden in Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Kunden in den USA machen: Hier befürchtet rund jeder zweite Befragte, sein Geschäft werde leiden. Und ein Teil dieser Firmen spürt schon heute, dass der Zwist zwischen der amerikanischen und der deutschen Regierung die US-Geschäfte schwerer macht: In Unternehmen, deren Umsatz zu mehr als 20 % von US-Exporten abhängt, merkt jeder zehnte Manager "sehr deutlich", dass Amerikaner nun deutsche Firmen benachteiligen. Weitere 19 % spüren dies derzeit schon "ein wenig". Allerdings spielt das US-Geschäft bei gut drei Viertel der Befragten keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Daher sind über alle Unternehmen hinweg die Folgen des Zwists gering: Die große Mehrheit (87 %) merkt im Moment noch nichts davon.

Insgesamt stellt die Wirtschaftselite dem Standort Deutschland im Mai erneut ein vernichtendes Zeugnis aus: Nur eine kleine Minderheit der Befragten (11 %) hält die aktuellen Standort- Bedingungen für "gut" oder "eher gut" - gegenüber April ein Minus von einem Prozentpunkt. Der große Rest sieht sie als "schlecht" oder "eher schlecht". Und knapp drei Viertel der Befragten (72 %) haben auch keine Hoffnung, dass sich in den nächsten zwölf Monaten das Blatt zum Guten wendet. Jeder vierte Befragte ist gar überzeugt: Mit den Standortbedingungen geht es weiter bergab. Der Anteil der Top-Manager, die mit einer Besserung rechnen, ist gegenüber April gerade einmal um zwei Punkte auf 22 % gestiegen.

Kein Wunder, dass die Eiszeit bei den Investitionen andauern dürfte. Nur 15 % der Führungskräfte planen in den nächsten zwölf Monaten höhere Ausgaben für Maschinen, Anlagen und Bauten - gut jeder Dritte (36 %) will sie zurückfahren, jeder zweite (49 %) konstant halten. Damit verharrt das Investitionsklima seit Monaten auf einem sehr niedrigem Niveau. Ähnlich ist das Bild beim Beschäftigungsklima: Der Stellenabbau dürfte in den nächsten zwölf Monaten unverändert weitergehen. 41 % der Befragten Top-Manager wollen in diesem Zeitraum ihre Belegschaft verkleinern, nur 12 % planen Neueinstellungen.

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