Handelsblatt Business-Monitor
Top-Manager rechnen fest mit zweiter Amtszeit Schröders

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz galten als letzter großer politischer Stimmungstest vor der Bundestagswahl 2002. Doch obwohl die CDU in Stuttgart gut abschnitt, kann sich die deutsche Wirtschaft kaum vorstellen, dass Bundeskanzler Schröder abgewählt wird.

DÜSSELDORF. Geht es nach der deutschen Wirtschaftselite, steht bereits fest, wer auch in der nächsten Legislaturperiode an der Spitze der Bundesregierung stehen wird: Die deutschen Top-Manager rechnen nahezu einmütig damit, dass Gerhard Schröder auch nach der nächsten Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres Bundeskanzler bleiben wird. 87 % der Führungskräfte der deutschen Wirtschaft erwarten, dass der derzeitige auch der nächste Kanzler sein werde, ergab die jüngste repräsentative Befragung im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors. Nur 8 % der Entscheider gehen von einem Machtwechsel und einer Ablösung der SPD als Regierungspartei aus. Die übrigen 5 % wollen sich in dieser Frage nicht festlegen.

Keine klare Meinung über Koalitionspartner

Gespalten ist jedoch das Meinungsbild der Manager, wenn es um die Frage geht, mit welcher Partei als Koalitionspartner der Sozialdemokrat Schröder nach 2002 weiterregieren wird: 46 % der Führungskräfte glauben an eine Fortsetzung des derzeitigen rot-grünen Regierungsbündnisses in Berlin, während mit 41 % fast eben so viele damit rechnen, dass die SPD nach der nächsten Bundestagswahl die Koalition wechseln und ein Bündnis mit den Liberalen eingehen wird.

Anderthalb Jahre vor dem nächsten bundesweiten Wahlgang sehen die Top-Manager damit Schröder fester im Sattel als zuvor. Vor einem halben Jahr, im Oktober 2000, hatten sich 80 % überzeugt gezeigt, der SPD-Vorsitzende werde über 2002 hinaus Regierungschef bleiben, vor gut einem Jahr, im März 2000, waren es nur 59 % gewesen.

Obwohl die Grünen auch bei den letzten vor der Bundestagswahl besonders gewichtigen Landtagswahlen am 25. März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz herbe Verluste einstecken mussten - die aktuelle Umfrage startete am 2. April -, hat sich die Meinung der Wirtschaftselite nicht geändert, was das Beharrungsvermögen von Rot-Grün angeht. Im Rahmen des Business-Monitors war im Juni 2000 gefragt worden, ob es nach Einschätzung der Manager zu einem SPD/FDP-Bündnis kommen könnte. Damals hatten ebenfalls exakt 41 % geantwortet, sie rechneten mit einer sozialliberalen Koalition nach der nächsten Bundestagswahl. 5 % erwarteten sogar einen vorzeitigen Wechsel der SPD von den Grünen zur FDP als Regierungspartner.

Nur Durchschnittliche Leistung attestiert

Der Überzeugung der Manager, dass es bei der Regierung Schröder auch in den nächsten Jahren bleiben werde, entspricht allerdings keineswegs ein Aufschwung der Bundesregierung in der Leistungsbewertung. Das Urteil der Wirtschaftselite zur Arbeit der Bundesregierung insgesamt bleibt im April 2001 mit einer Durchschnittsnote von 3,3 (auf einer Notenskala von 1 = "sehr gut" bis 5 = "sehr schlecht") gegenüber den Vormonaten März und Februar unverändert (Grafik oben). Die Mehrheit der Entscheider bewertet die Leistung des Kabinetts mit der mittleren Note "befriedigend" (53 %; +3), nur ein Zehntel (10 %) mit "gut".

Für Finanzminister Hans Eichel (2,9), Bundeskanzler Schröder (3,0) und Außenminister Joschka Fischer (3,1) ergeben sich im April die gleichen Durchschnittsnoten wie zuvor. Auch hier jeweils die gleiche Tendenz: Leichter Rückgang der (sehr) kritischen Einzelbewertungen zu Gunsten der mittleren Notenstufe "3". Dieser Trend gilt auch für Wirtschaftsminister Werner Müller und für Verteidigungsminister Rudolf Scharping, führt bei diesen Kabinettsmitgliedern aber zu einer marginalen Verbesserung der Durchschnittsnote - von 3,3 auf 3,2 (Müller) bzw. von 3,5 auf 3,4 (Scharping). Unverändert ablehnend stehen die Führungskräfte der Wirtschaft dem Wirken von Arbeitsminister Walter Riester gegenüber: Wie schon im Februar und März erhält er eine 4,0.

Auf nahezu gar keine Sympathien mehr kann Umweltminister Jürgen Trittin von den Grünen bei den Top-Managern zählen. Wohl vor dem Hintergrund seiner heftig kritisierten Äußerungen über den CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer ist er nun fast völlig ins Abseits geraten. 92 % der Führungskräfte erteilen Trittin im April die Noten "schlecht" oder "sehr schlecht".

Nur mit kleinen Schritten bewegt sich die CDU/CSU-Opposition aus ihrem erneuten Imagetief vom Jahresbeginn heraus. Zwar verbessert sich die Durchschnittsnote auf 3,8 (nach 3,9 im März und 4,0 im Februar) ein weiteres Mal leicht, weil die kritischen Bewertungen "schlecht" (58 %; -7 Punkte) und "sehr schlecht" (11 %; -3) zurückgehen und nun 30 % (+10) mit "befriedigend" urteilen; jedoch wird die Oppositionsarbeit der Union noch immer deutlich schlechter bewertet als das Agieren der rot-grünen Bundesregierung.

Die gleiche Note wie für die Politik der CDU/CSU-Opposition insgesamt (3,8) wird auch für den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz erteilt, der im Vormonat mit 4,0 noch die schlechteste Bewertung seiner Amtszeit erfahren hatte. Etwas stärker erholt hat sich das Ansehen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel (Note von 3,6 im Februar und März 2001 auf nun 3,4). Über ihre Leistung urteilen die Führungskräfte inzwischen mehrheitlich (58 %; +10 Punkte) mit "gut" (10 %; +5) oder "befriedigend" (48 %; +5). Bei älteren Managern kommt die CDU-Vorsitzende deutlich besser an (Durchschnittsnote 3,2) als bei den Jüngsten (3,6).

Praktisch genauso wie im März 2001 wird von den Top-Managern aktuell das Erscheinungsbild der FDP-Opposition bewertet, sowohl in der Gesamtnote (3,3) als auch bei der prozentualen Verteilung der Einzelnoten.

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