Handelsblatt-Checkliste
So schaffen Sie’s zum MBA

Der Master of Business Administration lockt viele. Aber nur wer sich richtig informiert, hat Chancen, in ein gutes, karriereförderndes MBA-Programm aufgenommen zu werden.

HB DÜSSELDORF. Gerade in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten träumt so manche gebeutelte Nachwuchsführungskraft vom MBA-Titel: Etwas Sinnvolles tun, die Karriere voranbringen und trotzdem der Krise entrinnen - so die hoffnungsvolle Vorstellung.

Doch so einfach ist der Weg zum MBA nicht, denn Business Schools unterscheiden sich grundlegend von deutschen Universitäten: Kein Abiturzeugnis, kein Uni-Diplom verschafft automatisch den Zugang zu einem MBA-Programm. Die Schule wählt unter einer Vielzahl von Bewerbern selbst aus, am Ende bleibt nur ein Bruchteil der Kandidaten übrig. Deshalb ist es gerade für deutsche MBA-Interessenten wichtig zu verstehen: Sich bei einer Business School zu bewerben, heißt auch, sich richtig zu verkaufen.

Umgekehrt sollte jeder, der sich für ein MBA-Programm interessiert, einige grundsätzliche Fragen an die eigene Person stellen. Denn: Welche Karriereziele man verfolgt, was man selbst kann und will, nicht zuletzt wie viel Geld man zur Verfügung hat oder bereit ist auszugeben, definiert die Wahl des MBA-Programms und der richtigen Schule. Handelsblatt Karriere & Management hat die wichtigsten Fragen für potenzielle MBA-Interessenten zusammengestellt. (Die Angaben gelten nur für wirkliche Top-Schulen).

Wie finde ich das richtige MBA-Programm für mich?

Allein in den USA gibt es über 1 000 MBA-Programme. Beim ersten Hinsehen sehen die MBA-Programme alle gleich aus. Bewerben sollte man sich nur bei den so genannten Top Ten oder Ivy-League-Universitäten, also den Schulen, die regelmäßig ganz oben in den Ranglisten von "Businessweek", "Financial Times" aufgeführt sind. Die Gründe liegen auf der Hand: Nur diese Universitäten haben Spitzenstellungen in Forschung und Lehre, verfügen über ein starkes Alumni-Netzwerk, unterhalten beste Kontakte in die Wirtschaft und wählen sorgfältig ihre Studentenschaft aus. Darüber hinaus rekrutieren die großen internationalen Unternehmen meist nur von den angesehensten Schulen.

Aber selbst die Top Ten weisen sehr unterschiedliche Profile und Lehrmethoden auf. So ist Kellogg für sein exzellentes Marketing Curriculum bekannt, Harvard und Darden unterrichten fast ausschließlich per Fallstudien-Methode, Wharton, NYU und Cornell sind für Accounting & Finance bekannt. Folglich ist es wichtig, sich bereits vor dem MBA zu überlegen, welche Karriere man danach gern einschlagen möchte.

Bin ich der geeignete Kandidat für ein Top-MBA-Programm?

Der Bewerbungsprozess, um in ein MBA-Programm einer Top-Business-School zu kommen, ist rigoros. Jede Schule hat ihr eigenes Auswahlverfahren und legt unterschiedliche Maßstäbe an die Bewerbung an. Ein universelles Kandidatenprofil, das den Zugang zu allen Universitäten ermöglicht, gibt es leider nicht. Doch erhöhen sich die Aussichten, bei einer guten Schule aufgenommen zu werden, wenn folgende Bereiche in der Bewerbung abgehakt werden können: 1. Studium an einer renommierten Universität zügig mit sehr guten Noten abgeschlossen.
2. Im jetzigen Beruf mindestens drei Jahre Berufserfahrung; in dieser Zeit zunehmend Verantwortung übernommen und einen positiven Beitrag für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen geleistet; Führungsaufgaben gerne angenommen und erfolgreich gelöst.
3. Gewohnt, in heterogenen Teams zu arbeiten; Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern macht Spaß.
4. Die Bedeutung der Globalisierung erkannt; gute Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrung.
5. Ausgewogenes und aktives Leben; soziales Engagement.

Wie schreibe ich eine gute Bewerbung?

Das Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Bewerbung ist eine gründliche Vorbereitung. Der gesamte Bewerbungsprozess kann leicht zwölf Monate und die Kosten von 3 000 Euro übersteigen. Zuerst sollte der Bewerber die standardisierten Zulassungstests GMAT und TOEFL hinter sich bringen. Die Testcenter sind in jeder größeren Stadt in Deutschland zu finden.

Ein sehr guter internationaler Bewerber erreicht im GMAT eine Gesamtpunktzahl von 700 Punkten, mindestens jedoch 640 Punkte. Den mathematisch-analytischen Teil des GMAT sollte man unter den besten 15 Prozent aller Teilnehmer abgeschlossen haben, wenn man an eine wirkliche Top-Schule will. Man kann die Tests zwar wiederholen, aber eine mehrfache Wiederholung wird von den Auswahlkommissionen der Universitäten negativ ausgelegt. Im Vergleich zum GMAT spielt der TOEFL-Test nur eine geringere Rolle bei der Bewerbung und fragt nur das Sprachverständnis in Englisch ab.

Die Aufsätze und Empfehlungsschreiben sollten ein klares Bild der bisherigen Karriere geben, Stärken und Schwächen aufzeigen und Beweggründe für einen MBA erläutern. Besonders wichtig ist es, einen möglichen weiteren Lebensweg nach dem MBA aufzuzeigen. Die kompletten Unterlagen sollten vor dem zweiten der drei Bewerbungstermine abgegeben werden, weil am Anfang noch die meisten Studienplätze frei sind.

Wie finanziert man die anfallenden Kosten, die leicht bei 100 000 Euro liegen können?

Die hohen, in den USA aber üblichen Studienkosten sind für viele Bewerber anfangs abschreckend. Die Finanzierung des MBA ist aber weniger problematisch, als es den Anschein hat. Für das zehn- bis zwölfwöchige Praktikum, das man im Sommer des zweiten Studienjahrs macht, bekommt man rund 25 000 Euro, der Signing-Bonus nach dem Abschluss beträgt zwischen 20 000 und 30 000 Euro. Den Rest kann man möglicherweise aus Steuerrückerstattungen und einer Lehrtätigkeit als Teaching Assistent finanzieren.

Die Universitäten haben aber auch spezielle Kredite und Stipendien arrangiert, die man in Anspruch nehmen kann. Das Leben in den USA ist zwar teurer als in Deutschland, aber mit ein paar Einschränkungen am Lebensstil, zum Beispiel Einzug in eine Wohngemeinschaft, lassen sich die Kosten drücken. Mit dem Gehalt nach dem MBA sollte man angesammelte Schulden zügig begleichen können.

Wie hoch ist die Arbeitsbelastung während des MBA?

Es ist üblich, in den ersten Semestern zwischen 90 und 100 Stunden pro Woche zu lernen, zu studieren und zu arbeiten. Freie Wochenenden gibt es nicht. Samstag, Sonntag und Feiertage gehen oft für Sonderveranstaltungen, Klausuren und Besprechungen drauf. Es ist durchaus möglich, sich beim MBA-Studium nur auf die akademischen Leistungen zu konzentrieren. Diejenigen, die sich dafür entscheiden, werden aber langfristig enttäuscht sein. Nur, wer alles nutzt, was ihm das MBA-Studium bietet - also auch Präsentationen oder Gastvorträge -, wird wirklich davon profitieren.

Mit der hohen Arbeitsbelastung umzugehen, ist nicht immer leicht. Doch trägt diese Erfahrung zur persönlichen und beruflichen Entwicklung bei. Und den Luxus, mit engagierten Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen zu arbeiten, möchten viele MBA-Studenten später nie wieder aufgeben.

Welchen Einfluss hat der MBA auf meine spätere Karriere?

Eine typische Karriere für MBA-Absolventen gibt es nicht. Nach dem Studium gehen ein Drittel in die Industrie, zwei Drittel ins Investment Banking oder Consulting, und ein geringer Anteil macht sich selbstständig. Der MBA ist eine Chance, sein bisheriges Berufsfeld zu wechseln und einen neuen Weg einzuschlagen.

Die Einstiegsgehälter nach dem MBA-Studium sind meist zwei- bis dreimal so hoch wie das letzte Gehalt im alten Beruf. Der MBA-Titel ist aber kein Mittel, die Chefetage sozusagen auf einer Abkürzung zu erreichen. Die MBA-Absolventen, die heute in Top-Positionen sitzen, sind dorthin gekommen, weil sie ein starkes Netzwerk aufgebaut haben und kontinuierlich sehr hart gearbeitet haben.

Gerhard Grüter arbeitet für die Investmentbank Merrill Lynch und absolvierte ein MBA-Studium an der Cornell University. Sein MBA-Tagebuch finden Sie im Internet unter www.jungekarriere.com/mba. Christoph Mohr ist der MBA-Experte von Handelsblatt Karriere und Handelsblatt Junge Karriere.

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