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Der „Wäschewechsel" geht weiter

Die Tour ist auch für Alexander Winokurow immer für eine Überraschung gut. Nie hätte der verletzte T-Mobile-Star gedacht, dass knapp vier Kilometer Kopfsteinpflaster wie auf der dritten Etappe solche Entscheidungen bringen können.

Liebe Radsport-Freunde,

Wahnsinn, wie meine Jungs am Dienstag über die Pflastersteine gejagt sind. Ich kennen diese dicken, runden Klamotten bei Roubaix. Wenn die Kräfte langsam nachlassen, hast du manchmal den Eindruck, sie grinsen dich an, um dir zu sagen: Pass auf, gleich liegst du auf der Nase.

So muss es dem armen Thor Hushovd gegangen sein. Er hat sich so gefreut, als erster Norweger das Gelbe Trikot tragen zu dürfen. Ich habe es ihm gegönnt. Das Nordlicht leuchtete leider nur einen Tag. Die Katzenköpfe in der "Hölle des Nordens" haben den Mann von Credit Agricole ganz schön gebissen. Der Junge wurde schwer durchgereicht. Ich musste erst in der Zeitung nachschauen, wo er abgeblieben ist. Auf Platz 92 hab ich ihn gefunden. In Gelb werden wir Hushovd bei dieser Tour wohl nicht mehr sehen. Er wird aber noch mehrfach auf Siegjagd bei den Etappenankünften gehen.

Der Australier Robbie McEwen dürfte sich ebenfalls nicht lange über das "Maillot Jaune" freuen. Bis zu den Pyrenäen erwarte ich noch manchen "Wäschewechsel". Trotzdem beneide ich jeden, der einmal im Gelben Trikot über die Tourstraßen rollen darf. Dieses Gelbe ist für mich genauso wertvoll wie ein WM-Trikot.

Wie hart der Kampf um das Gelbe wird, beobachtete ich bereits auf der Dienstag-Etappe. In dem Moment, da Mitfavorit Iban Mayo aus Spanien gestürzt war, blies Lance Armstrong mit seinem US-Postal-Team zum Großangriff. Die Amis hauten rein, was das Zeug hielt. Meine Männer machten ebenfalls Musik. Mit fünf Fahrern kamen wir ganz vorn an.

Mayo dürfte es durch sein Sturzpech jetzt sehr schwer haben, noch einmal in den Kreis der Favoriten vorzustoßen. Nie in meinem Leben hätte ich gedacht, dass knapp vier Kilometer Kopfsteinpflaster solche Entscheidungen bringen können. Bei Paris - Roubaix balancieren wir immerhin über knapp 50 Kilometer auf den oft rutschigen pavés.

Was mich persönlich betrifft, schaue ich schon wieder mit einigem Optimismus in die Zukunft. Ich trainiere fleißig. In der operierten Schulter zwickt es zwar manchmal noch, die Beine dagegen strampeln schon wieder in Richtung Olympia.

Bis bald an dieser Stelle,

Ihr Alexander Winokurow

Alexander Winokurow ist eigentlich der wichtigste Helfer von Jan Ullrich im T-Mobile Team. Doch bei einem Sturz bei der Tour de Suisse zog er sich eine Sprengung des Schultereckgelenks mit dem Riss sämtlicher Bänder, die einen Tour-Start unmöglich machen.

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