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Kellner für Jan

Regen hin, Stürze her - langweilige Flachetappen zum Start der Tour sehen anders aus, meint Alexander Winokurow. Und während andere sich fragen „Wo ist Jan Ullrich?", bleibt der verletzte T-Mobile-Star Optimist, was die Tour-Chancen seines Kapitäns angeht.

Liebe Radsport-Freunde,

die Jungs haben heute den Ruhetag verdient. Ich glaube zwar nicht, dass die Radprofis nach dieser ersten Woche schon fix und fertig sind. Immerhin müssen sie noch zwei Wochen gewaltig in die Pedale treten. Mit den Pyrenäen, den Alpen und ab Morgen schon mit dem Zentralmassiv türmt sich gewaltig etwas vor ihnen auf. Nach den kühlen Tagen mit dem Dauerregen und den glatten, tückischen Straßen legt man deshalb vor den neuen Mühen gern einmal die Beine hoch.

Ich habe im Fernsehen besonders meinen Freund Jan Ullrich genau beobachtet und in sein Gesicht gesehen. Er guckt entspannt. Ich kenne Jan seit vielen Jahren, bin ein Haufen Rennen mit ihm Seite an Seite gefahren. Wenn er so wie in der ersten Tourwoche in die Gegend schaut, ist er absolut gut drauf. Er kam bei allen Etappenankünften stets im ersten Drittel, meist unter den ersten 25, an. Dabei spurtete er nicht richtig mit. Mir zeigt das - Jan ist in einer Superform.

Meine übrigen Mannschaftskameraden bei der Tour haben ebenfalls eine gute Arbeit geleistet. Sie betreuten unseren Kapitän wie ein Schwarm Kellner, die dem Gast jeden Wunsch von den Augen ablesen.

Lance Armstrong konnte seinen Vorsprung vom Mannschaftszeitfahren nicht weiter ausbauen. Damit steigt bei mir die Zuversicht, dass ich Jan auf meiner Mattscheibe in meiner Wohnung hier in Monte Carlo doch noch einmal im Gelben Trikot sehe.

Die Tour verlief jedenfalls sehr spannend. Da war nichts mit langweiligen Flachetappen. Natürlich trug auch das schlechte Wetter mit zur Dramaturgie bei.

Die Tour lebt in diesem Jahr auch von einer jungen Garde, die uns Alten einheizen will. Ich denke, in den Bergen werden die "Alten" wie eben Jan Ullrich, Lance Armstrong, Iban Mayo, Richard Virenque oder Gilberto Simoni den Hitzköpfen zeigen, wo der Hammer hängt.

Bis bald an dieser Stelle,

Ihr Alexander Winokurow

Alexander Winokurow ist eigentlich der wichtigste Helfer von Jan Ullrich im T-Mobile Team. Doch bei einem Sturz bei der Tour de Suisse zog er sich eine Sprengung des Schultereckgelenks mit dem Riss sämtlicher Bänder, die einen Tour-Start unmöglich machen.

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