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Ruhe vor dem Sturm

Auch Alexander Winokurow erkennt neidlos an, dass Lance Armstrong derzeit in einer anderen Liga fährt als seine T-Mobile-Teamkameraden „Ulle" „und Klödi". Doch Ivan Basso, glaubt der verletzte Radstar, muss sich im Kampf um die Podiumsplätze gegen die beiden warm anziehen.

Liebe Radsportfreunde,

wenn diese Zeilen erscheinen, düse ich mit meiner Familie bereits im Flugzeug von Kasachstan nach Monaco. Denn am Montag steige ich in Belgien bei der Wallonien-Rundfahrt wieder ins Renngeschehen ein.

Die gestrige 17. Etappe konnte ich aber noch verfolgen. Das war schon toll, wie Andreas Klöden um den Etappensieg gekämpft hat. Schade, dass es nicht geglückt ist. Armstrong ist eben zu stark und fährt derzeit in einer anderen Liga. Vielleicht wäre dem Amerikaner der Sieg um Reifenstärke nicht gelungen, wenn sich "Klödi" nicht zweimal umgeschaut hätte. Doch das sagt sich so leicht als Außenstehender. Ich war ebenfalls schon ins solchen Situationen. Da sagt dir der Kopf: "Fahr, fahr! Schau dich nicht um, dort ist schon das Ziel." Und wie von einer unsichtbaren Hand gesteuert, drehst du dich dann doch wieder um, und schwupps - ist der Gegner an dir vorbei.

Wenn und Aber helfen jetzt aber nicht mehr. Heute gilt: Neues Spiel, neues Glück. Unsere Mannschaft hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass Andreas Klöden und Jan Ullrich sicher ans Etappenziel nach Lons-le-Saunier kommen.

Morgen ist für unser Duo dann Großkampftag. Es heißt beim "contre la montre", dem Kampf gegen die Uhr, Ivan Basso vom CSC-Rennstall vom Podium zu verdrängen. Ein unglaublich schweres Unternehmen. Basso galt bisher nicht gerade als exzellenter Zeitfahrer. Im vorigen Jahr hat Jan dem Italiener über sechs Minuten abgenommen. Aber das ist für dieses Jahr kein Maßstab.

Der Italiener hat sich nämlich bei Bjarne Riis enorm verbessert. Zudem weiß ich wie das ist, wenn du im Klassement ganz vorn stehst. Da kannst du plötzlich Kräfte mobilisieren, von denen du gar nicht weißt, dass du sie besitzt. Zumal Basso auf den Vorteil bauen kann, über die genauen Zeiten seiner Gegner informiert zu sein. Er startet unmittelbar hinter Andreas Klöden.

Trotzdem traue ich "Klödi" zu, die 1:02 Minuten zuzufahren. Ob Jan die knapp vier Minuten zu Basso noch zusammenschmelzen lässt? Ich hoffe es und drücke meinen Jungs die Daumen!

Bis bald an dieser Stelle,

Ihr Alexander Winokurow

Alexander Winokurow ist eigentlich der wichtigste Helfer von Jan Ullrich im T-Mobile Team. Doch bei einem Sturz bei der Tour de Suisse zog er sich eine Sprengung des Schultereckgelenks mit dem Riss sämtlicher Bänder, die einen Tour-Start unmöglich machen.

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