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Wehmut in den Bergen

Jetzt, wo es bei der Tour in die Berge geht, schmerzt es Alexander Winokurow besonders, bei der Frankreich-Rundfahrt nicht dabei zu sein. Doch er arbeitet hart an seinem Comeback.

Liebe Radsport-Freunde,

vergangenen Sonntag bin ich mit der Familie von Monaco in meine Heimat Kasachstan gedüst. Wir besitzen in der Hauptstadt Almati, dem früheren Alma-Ata, eine wunderschöne Wohnung. Unsere drei Sprösslinge schicken wir in den Kindergarten, damit sie nicht nur französisch, sondern auch richtig russisch sprechen lernen.

Wir haben hier am Fuße des 4 000 Meter hohen Tientschan-Gebirges traumhaftes Sommerwetter. Wenn die Deutschen wüssten, wie schön es hier ist, würden sie in Scharen bei uns Urlaub machen.

Wir sind der mitteleuropäischen Sommerzeit sechs Stunden voraus, deshalb kann ich in aller Ruhe nach dem Training über "Eurosport" die Tour verfolgen. Wenn die Jungs in Frankreich um den Sieg spurten, ist bei uns fast Mitternacht.

Heute habe ich zum ersten Mal mit unserer Nationalmannschaft sechs Stunden trainiert. Die Schulter tut zwar manchmal noch ein bisschen weh, aber Indianer kennen keinen Schmerz. Ich bereite mich hier mit meinen Mannschaftskameraden auf die Olympischen Spiele vor.

Die deutschen Radfans werden es nicht gern hören. Ich werde trotzdem alles unternehmen, um Olympiasieger zu werden. Ich finde ideales Trainingsgelände vor, die Trainer und meine Teamgefährten lesen mir jeden Wunsch von den Augen ab.

Heute kletterten wir auf der Serpentinenstraße bis in eine Höhe von 2 000 Meter, vorbei an der berühmten Eisschnelllaufbahn von Medeo bis zu einem Hotel, dass die Österreicher gebaut haben. Dort gibt es die Möglichkeit ein paar Runden zu fahren, um den Höheneffekt zu erzielen.

Wir halten uns jedoch nicht nur in der Höhe auf. Morgen strampeln wir in Richtung Flugplatz, danach geht es in die heiße Steppe. Hitzegewöhnung an Athen.

Was die Tour betrifft, packt mich jetzt, wo es in die Berge geht, besonders die Wehmut. Wenn man so weit vom Geschehen weg ist, wie ich im Moment, wird der Schmerz allerdings etwas kleiner. Jan Ullrich und seine Männer werden unser T-Mobile Team in den nächsten Tagen sicher gut vertreten.

Bis bald an dieser Stelle,

Ihr Alexander Winokurow

Alexander Winokurow ist eigentlich der wichtigste Helfer von Jan Ullrich im T-Mobile Team. Doch bei einem Sturz bei der Tour de Suisse zog er sich eine Sprengung des Schultereckgelenks mit dem Riss sämtlicher Bänder, die einen Tour-Start unmöglich machen.

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